Beiträge von Luddie

    Ich liebe elektronische Musik, mag das Experiment und finde abgefahrene Sounds grandios. Aber ein E-Set als Kernset geht gar nicht. Es fühlt sich nicht gut an, die internen Sounds sind für den ambitionierten Einsatz auch bei den teuersten Modellen nicht brauchbar und für den Zuschauer ist es reizlos. Es geht kein Flair davon aus, es ist technisch im Grunde ein Wegwerfprodukt wie andere Elektrogeräte auch und kämpft immer noch darum, so zu sein wie das Vorbild. Das ist meine Meinung dazu als jemand, der seit 20 Jahren spielt, die Suche nach Natursounds liebt und weiß, wie ein bestimmtes Publikum auf E-Sets reagiert (nämlich gar nicht).


    Als Ergänzung zu einem Akustiksetup ist es wieder was ganz anderes, da stellt die Hardware einen interessanten Zugang zu Sounds da, fungiert als Umschalter etc. Es ersetzt da u.U. auch eine ganze Palette akustischer Sounds, die man nicht mal eben so mitnehmen kann.


    Zum Üben kann es die einzige Alternative sein, wenn es einfach nicht möglich ist, ein A-set zu spielen. Wer aber ein wirklich technisch versierter Drummer werden möchte, kommt langfristig um ein A-Set nicht herum. An dieser Aussage ändern auch die Marketingversuche mit guten Drummern nichts.


    lg
    max

    Ich glaube, es gibt auf der Welt ganz andere Leute, die verarscht werden. Es ist immer leicht, zu sagen, dass man verarscht wird. Und auch wenn es immer nicht gut in den Kanon des gewohnheitsmässigen deutschen Nörgelns passt aber wir haben hier eines der (immer noch) besten Gesundheitssysteme der Welt.


    Ich bin in der Welt noch nicht viel herumgekommen, aber ich habe mir sagen lassen, dass es Staaten gibt, in denen es überhaupt kein Gesundheitssystem gibt. Dazu dann aber Bürgerkriege, Naturkatatrophen, Krankheiten und den Rest der unerfreulichen Palette. Ich finde, man sollte sich mit dieser Art der undifferenzierten Unzufrienheit hierzulande etwas zurückhalten. Sicherlich sind pauschale Systemkritik und Verschwörungstheorien ein nettes Betätigungsfeld, in den meisten Situationen lenken sie aber von den wirklichen Problemen ab.


    lg
    max

    S-Hoops erleichtern nicht das stimmen. Die Dinger haben zwei andere Vorteile. Erstens bieten sie durch den nach innen gekrempelten Rand eine breitere Auftrefffläche bei Rimshots, was den Sound in die Nähe von Gussreifen rückt. Bei Toms nur in bestimmten Fällen interessant. Zweitens schützen sie die Gratung. Für unsichere Mittetreffer keine schlechte Sache also.


    lg
    max

    Ich denke schon, dass jemand, der ein bisschen reflektiert, zum Trend beitragen kann, dass sich die Verhältnisse etwas verbessern. Wenn ich einer großen Firma schreibe, dass ich es für extrem besch... halte, dass sie ihre Produkte so fertigen lassen und noch einen Leserbrief in einer Zeitung schreibe und zusätzlich in dieses Forum poste, woraufhin ein bisschen dikutiert wird, dann wird das nicht die Welt verändern. Dafür ist die zu groß. Aber es kann Leuten, die sie verändern können, Trends aufzeigen. Es wird nämlich immer mehr über so etwas diskutiert. Und selbst die chinesische Regierung merkt langsam, dass es so nicht weitergeht.


    Unsere Welt funktioniert so: es wird das gemacht, was gekauft wird. Wird etwas nicht mehr gekauft, wird es nicht mehr gemacht. Deswegen reagieren Firmen wie Apple auch extrem sensibel darauf, wenn ihr Image durch solche Sachen angekratzt wird. Der coole, umweltbewusste , aufgeklärte Großstadtmensch möchte nämlich nicht Geräte mit sich herumtragen, die für 80 Cent Stundenlohn in der 300sten Überstunde hergestellt wurden. Daher handelt Apple jetzt.


    Als ich damals die Bubingarecherche hier reingeschrieben habe, hat mich der verantwortliche Produktmanager angerufen, um mich davon zu überzeugen, dass das doch alles nicht so schlimm sei usw. Ich habe viele Mails bekommen von Leuten, die sich aufgrund des Artikels gegen Bubinga entschieden haben. Vor ein paar Jahren wurde diese Holzdiskussion schlicht nicht geführt im Instrumentenbereich. Mittlerweile schon. Yamaha, DW, Sonor weisen in ihrem Marketing ausdrücklich darauf hin, dass ihre Hölzer aus vertretbaren Quellen stammen. Warum? Weil es relevant geworden ist, um Dinge zu verkaufen.


    Ich bin da Optimist. Die Welt ist schlecht aber man kann was machen. Irgendwann steht in den Anzeigen vielleicht, dass nicht in China, bzw. nur unter menschenwürdigen Bedingungen produziert wird. Wer weiß?


    Solange es aber allen egal ist und alle nur maximal sparen wollen, wird sich nichts ändern, und wenige werden immer reicher und vielen geht es immer schlechter. Was leider ja der weltweite Trend ist.


    lg
    max

    flosch: So meinte ich es ja auch. Ansonsten möge der wirklich Interessierte sich da mal ein bisschen informieren. Ich bin eigentlich Soziologe und habe mich mit diesen Themen und der Globalisierung fleissig beschäftigt. Das geht natürlich nicht mal eben so in so einem DF-Fred abzuhandeln.
    Aber natürlich bringen sich diese Leute nicht wegen Geld um. Sie bringen sich um, weil sie unter enormem Druck stehen, psychische und physische Brutalitäten seitens des Arbeitgebers hinnehmen müssen, vereinsamt sind, sich in demselben Waschbecken waschen müssen, in welches die 5 Zimmergenossen auch urinieren, ihre Familien in krasser Armut wissen usw. Und vor allem: keine Perspektive haben.


    Das ist natürlich nicht überall in China so, aber wer sich die Daten zur Sozialstruktur in China ansieht, merkt vor allem den extremen Unterschied zwischen Land und Stadt und den noch extremeren zwischen arm und reich.


    lg
    max

    @ hammu: Sie arbeiten deswegen nicht schlecht, weil sie sonst rausfliegen und sich der westliche Auftraggeber sonst nach einem anderen Billigproduzenten umsieht. Außerdem werden die Maschinen immer besser und es geschieht immer mehr Wissenstransfer.


    Der Punkt ist einfach: wer hier fleissig günstige Chinasachen kauft, sollte dies mit dem Wissen tun, dass diese Günstigkeit eine Kehrseite hat. Und die ist bedeutend dunkler als hiesiges Hartz4, Leiharbeit usw.


    Mir gefällt mein Macbook auch sehr gut. Ich hätte es aber nicht gekauft, wenn es eine Alternative gegeben hätte.


    flosch: leider sind 100 Euro Monatslohn auch in China zuwenig, um davon zu leben. Die Verhältnisse, in denen die Wanderarbeiter dort leben, sind erbärmlichst. Das kann man nicht mit einem glücklichen Aboriginestamm vergleichen, in dem es gar kein Geld gibt und die Menschen trotzdem zufrieden sind.


    lg
    max

    Der Gebrauchtmarkt spuckt da z.B. die Acrolite aus, mit unschlagbarem Preis-Leistungsverhältnis. Dann diverse Japansachen. Man muss allerdings eben auch sehen, dass es wirklich gute Snares kaum unter 200 Euro gibt. Das muss jeder für sich selbst entscheiden, ich verurteile ja niemanden. ich finde nur, dass es wichtig ist, sich zu informieren. Man wird dann auch seltener beschissen. Und kann besser beurteilen, was Dinge wirklich wert sind. Ich vermute mal ganz stark, dass die "Pseudoshinesnare" in der Herstellung nicht mehr als 20 Euro gekostet hat.
    ich werde demnächst eine Snare bekommen, die komplett in den USA hergestellt wurde. Vor 50 Jahren nix besonderes, heute kostet sowas richtig Geld. Um die 800 Dollar reine Herstellungskosten. Dafür kann dann aber auch ein ambitionierter und guter Handwerker weiter von seiner Tätigkeit leben. ich finde so etwas extrem wichtig...erwarte aber auch wiedrum nicht, dass jeder so denkt und jeder soviel Geld in sowas investieren möchte.


    Die Arbeitsverhältnisse hier sind übrigens auch schlimm. Allerdings werden Arbeiter hier nur selten geschlagen, verschwinden auch eher selten in Gefängnissen und müssen auch nicht Geld an ganze Familien schicken, weil die sonst verhungern würde. Wer fleissig Chinakram kauft, sorgt übrigens auch mit dafür, dass es hier immer schlimmer wird.


    lg
    max

    Soeben lese ich in der "Süddeutschen" einen schönen Artikel über die Arbeitsverhältnisse chinesischer Arbeiter. Da geht es um eine Zulieferfirma für Honda. Die Arbeiter werden geschlagen, eingeschüchtert und verdienen zwischen 92 und 130 Euro im Monat. Dass sich in der Firma, die für Apple und andere westliche Firmen Elektrozeug herstellt (Foxconn) Selbstmorde und Selbstmordversuche häufen, haben sicherlich schon einige mitbekommen. Da wurden in 4 Wochen knapp 300 Stunden gearbeitet, Außenkontakte verboten, gedroht etc.


    Das System scheint so zu funktionieren, dass westliche Firmen sich über chinesische Partnerunternehmen einkaufen und beste Qualität zu niedrigsten Preisen erwarten. Das geht natürlich nur mit Repression. Damit die Schuld nicht allzu direkt auf die westlichen Profiteure fällt, übernehmen lokale, bestochene Parteikader den unangenehmen Teil, heisst Schläger anheuern, funktionierende Gewerkschaften verhindern, Arbeiter psychisch unter Druck setzen.


    Und jetzt, liebe Freunde guter und günstiger chinesischer Qualität, fragt euch doch mal, ob das bei Instrumenten großartig anders sein wird. Bei dem Konkurrenzdruck.


    Achja, ich empfehle den Kauf der heutigen Süddeutschen, das ist wirklich recht erhellend, unterhaltsam geschrieben und dürfte vielleicht dem ein oder anderen zumindest ein kleines Bewusstsein für das wirkliche Problem verschaffen. Das soll übrigens nicht von oben herab als Maßregelung erscheinen, denn diese Zeilen tippe ich auf meinem Macbook, welches garantiert auch unter fragwürdigen Bedingungen entstanden ist. Leider hat man in manchen Bereichen einfach keine andere Wahl.


    Trotzdem finde ich ein Bewusstsein für solche Vorgänge wichtig, denn vielleicht ändert sich dann tatsächlich mal was irgendwann. Nämlich dann, wenn Firmen merken, dass die westlichen Käufer es nicht mehr dulden, dass hinter ihren "Schnäppchen" soviel Sch... steckt.


    lg
    max

    Witzig, ich hatte gestern schon eine Antwort hier formuliert, wo es um die elektronische Alternativen zur Zeitschrift geht und darum, dass da Zeitschriften einfach nicht mehr mithalten können. Als ich bei den Empfehlungen war, hatte ich bereits den Satz fertig, dass ich das DF z.B. meinen Schülern nie empfehle, weil ein großteil der Diskussionen in Streit ausartet und wirklich hochwertige Info oft nur nach langem Generve zu finden ist und sie lieber mich fragen sollen. Dann dachte ich mir, dass das vielleicht zu hart ist und Leute böse werden könnten...und zack!...zwei Antworten später ist der Zoff mal wieder da. Wegen nix!


    Meine Empfehlung für jemanden, der sich Drumzeitschriften kaufen möchte, sähe so aus: wenn du die Playalongs magst, kauf die Drumheads. Ansonsten lerne das Internet zu spielen und englisch zu verstehen und du wirst dich mit beiden Fähigkeiten 10x besser und schneller informieren als mit Zeitschriften. Ich habe gestern beschlossen, auch die d+p jetzt abzubestellen.


    lg
    max

    Nun, es hat durchaus seine Gründe, warum im Studio bestimmte Instrumente benutzt werden. Und der Sound kommt mitnichten aus den Geräten. Je hochwertiger die Produktion, desto mehr spielen die verwendeten Instrumente eine Rolle. Und je akustischer es wird. Bei Megadeth wurden möglicherweise schon Samples über die Natursounds gelegt, wie es bei der anderen Geschichte aussieht, weiß ich nicht.


    Jedenfalls ist es unwahrscheinlich, dass der Vinnie im Studio seine eigene Snare am meisten spielt, oft stellen Backlinefirmen dem Produzenten bereits für eine Produktion passende Instrumente.Und wenn ein Künstler/Produzent den Sound einer 28x12 Marching BD haben will, dann wird halt sowas verwendet. Wer sich für Studios interessiert, sollte sich mal Seiten von sehr guten Studios ansehen. Z.B.


    http://www.twosticksaudio.com/gear.php?gtx=3&gdx=23


    Die Annahme, dass man irgendwas benutzen kann und die Technik den Rest macht, ist jedenfalls schlicht falsch. Je professioneller das Umfeld einer Produktion, desto akribischer die Auswahl der Instrumente. Natürlich kann man nie etwas verallgemeinern in dem Bereich aber die Tendenz stimmt.


    lg
    max