Hallo,
ich bin ein großer Freund der Diskretion.
Mein diskreter Rat enthielt auch die versteckte Botschaft,
solche Dinge ohne Not nicht auszubreiten.
Durch unvollständige Sachverhaltsschilderungen eröffnet
man der Spekulation Tür und Tor und zwar in jede Richtung.
So etwas kann - wenn sich die herrschende Meinung - erst
einmal gebildet hat, sehr einseitig verlaufen und auch genau
in die Gegenrichtung der Absicht des Türöffners.
Dadurch können auch etwaige Geschäftspartner hellhörig
werden. Wie jeder weiß, sind wir hier ja rein privat und die
gesamte Öffentlichkeit nebst Gott und dem Universum hat
Zugriff auf unsere intimen Gespräche.
Dank dem zwischenzeitlich hinzugefügtem Bild wird es meiner
Ansicht nach nicht besser. Man sieht ja sehr eindeutig, dass
es wenigstens eine Veränderung in den letzten Monaten ge-
geben haben muss und dass vor allem das Schadensbild nicht
mit der Idylle in Einklang zu bringen ist.
Dass man hier zuweilen von Proberaum spricht, wundert mich
auch. Wo sind den die ordnungsgemäßen Bierflaschen?
Alles, was wir wissen, ist, dass der Geschädigte Anfang des
Jahres sich eine Trommel gekauft hat, diese gestimmt hat
und nach langer Nichtfeststellung von irgendetwas nunmehr
anhand einer Verstimmung einen Schaden festgestellt hat.
Ob der Geschädigte schon eine geschädigte Ware dem Ver-
käufer abgenommen hatte, ist bereits unklar.
Es gibt zwar Leute, die eine Trommel erst einmal in alle Einzel-
teile zerlegen, unzählige Fotos schießen, die gesamte Nachbar-
schaft zur Visitation einladen etc., es gibt aber auch Leute,
die etwas weniger invasiv einfach das Gerät hin stellen und in
Betrieb nehmen. Wenn der Schaden dann auf 1 Uhr ist und das
Tom davor steht, dann würde es noch nicht mal die Reinigungs-
kraft bemerken.
Gegen diese Phantasie spricht natürlich, dass die Bilder teilweise
andeuten, dass es neben dem Stimmen auch noch eine andere
Veränderung gegeben haben könnte. Möglicherweise sind aber
auch nur die Fotos von mehrdeutiger Aussagekraft.
Des weiteren haben wir ja noch die Möglichkeit, dass die Trommel
nach dem Kauf gefallen ist. Dazu müsste man natürlich den Kreis
der Verdächtigen einschränken. Dazu hält sich der Geschädigte
bedeckt und das im Zusammenhang mit seiner sonstigen Offenher-
zigkeit lässt missgünstige Geister mit krimineller Erfahrung alles
Mögliche erahnen. Die Bandkollegen als Tatverdächtige wurden
ja schon erwähnt. Ich habe unterschwellig noch zwei weitere
Verdächtige eingebracht. Man sieht: Schweigen nach Reden ist
auch nicht mehr die Rettung der Taktik.
Dass die Trommel so stand, dass sie so hätte nicht fallen können,
ist ja nur ein schwaches Gegenargument, denn es hätte ja jemand
diese einfach mal betrachtungsweise in die Hand nehmen können
und wir wissen ja, wie schnell etwas aus dem Ruder laufen kann.
Dann errötet der Schädiger, legt das Gerät brav zurück und alles
ist wieder gut. Zugegeben: eine abenteuerliche Geschichte.
Aber die Variante mit dem Trommelenthusiasten, der sich eine
Trommel mit "Gravur" (so schreibt es Thomann), die aber eine
Pressung ist (so behaupte ich das) kauft und diese nicht eingehend
betrachtet, das ist mir als Equipment-Fetischist und G.-A.-S.-Selbst-
hilfegruppenmitglied auch eher merkwürdig erscheinen, wobei man
ja immer wieder auf solche fahrigen Pragmatiker anzutreffen pflegt.
Auch hier wieder: muntere Spekulation provoziert.
Ich würde mal ernsthaft überlegen, wer als Täter in Betracht kommt.
Und danach würde ich die Strategie ausrichten. Falls es natürlich
nur die Absicht ist, den Internet-Händler auf den Schaden aufmerksam
machen zu wollen und ihm die Möglichkeit zu geben, hier werbewirksam
eine Kulanzhandlung vornehmen zu wollen, dann will ich nichts gesagt
haben.
Weitere Möglichkeiten:
Die Ehefrau trifft sich heimlich mit dem Avon-Berater, dieser ist ein
Freund der aztekischen Kultur und wollte vor und nach dem Stelldich-
ein die Gravur (pardon, die Pressung) bewundern und beim zweiten
Mal (da war er dann doch schon etwas entkräftet) glitt es ihm aus
der Hand. Dass die Ehefrau natürlich alles wieder gerichtet hat, das
wissen wir ja, dafür ist sie ja da.
Und wenn wir gerade beim Richten sind: ja, unrunde Kessel in den Richt-
ring ist wohl eine Möglichkeit, die ab und an mal mit gutem Erfolg funk-
tioniert. Das hängt aber vom Schadensbild und weiteren Umständen
ab. Sicherlich wird man aber im Metallfach die richtigen Ansprechpartner
für Metallprobleme finden.
Irgendwann kommen sie alle zum Schwermetall: entweder gleich oder dann,
wenn sie merken, dass Leichtmetall vom Schwermetaller wieder gerichtet
werden muss.
Grüße
Jürgen
PS
Soll ich noch weitere Phantasien blühen lassen?