Hallo,
man bekommt tatsächlich die vollständigen AGB (welche dann meist eine andere Abkürzung je nach Art der Versicherung tragen). Tatsächlich liest das niemand vollständig durch.
Der Fachmann liest quer bzw. ahnt, wo er stochern muss, der Laie wird beim ersten Lesen sowieso nur Bahnhof verstehen. Dennoch ist es jedem Versicherungsnehmer zu raten, sich da mal durchzuquälen, um zu kapieren, wo die Knackpunkte sind.
Knackpunkte sind:
Grundsätzlich bereits die Frage, ob man eine Versicherung braucht. Das hat etwas mit Risikobewertung zu tun. Wer sowieso jede Versicherung besitzt, die der Markt anbietet, wird auch eine Musikinstrumenteversicherung dringend benötigen. Wer keine Privathaftpflichtversicherung hat, sollte vielleicht darüber mal nachdenken.
Dann ist die Frage, ob die Risiken tatsächlich durch eine Versicherung sinnvoll abgedeckt werden können.
Bei mir ist es so: ich hatte mal eine Musikinstrumenteversicherung, denn ich war jung und ich bin Sicherheitsfanatiker. Dennoch: heute habe ich keine mehr.
Warum?
Anzahl der Schadenfälle, Anzahl der bezahlten Schäden, Höhe der bezahlten Beiträge, bürokratischer Aufwand (der kleine Jürgen hat natürlich bei jedem Einkauf oder Verkauf eine neue Liste der versicherten Gegenstände erstellt; das mag dem Bürohengst liegen, der Ackergaul wird da schon keinen Bock mehr darauf haben) standen in einem gewissen Verhältnis. Dann die Frage, ob denn der mögliche Totalverlust existenzbedrohend war oder ist, was bei einem Amateur zwar mit Liebeskummer, aber eben nicht mit Ruin beantwortet werden muss. Dann die Frage des Zeitwerts: bei einem Haufen Gerümpel, das sowieso gebraucht ist und teilweise auch noch wertmindernde Mängel besitzt (jeder Kratzer zählt) wird das schnell unattraktiv. Dann die Frage der Risikohöhe: Totalverlust ist doch äußerst selten und wenn besteht sogar noch die Chance, dass eine völlig fremde Versicherung oder gar eine Privatperson freundlicherweise die Sache bezahlen muss.
Dann noch die Ausschlüsse: gerade dann, wenn der Musiker meint, versichert zu sein, ist er es nicht: Nachtzeitklausel gibt es allzu oft, dann muss man natürlich auf sein Zeug aufpassen: drehe ich mich im Bierzelt um und hinter meinem Rücken wird die Kiste abmontiert, dann habe ich nicht aufgepasst und es gibt keine Knete. Dasselbe beim Proberaum, wo sowieso ein Dutzend bekannter und mindestens drei Dutzend weiterer unbekannter Personen einen Schlüssel besitzen oder besitzen könnten.
Wer aber wie ein Adler auf seinen Horst auf seine Kiste aufpasst, der wird kaum Schäden haben und wenn, dann solche, die auf Abnutzung oder Materialermüdung (natürlich beides nicht versichert) beruhen oder eben doch eher im geringeren Umfang bestehen (Becken fallen gelassen, 150 Euro; wenn man das nicht jedes Jahr macht, dann lohnt die Versicherung nicht und wenn man es jedes Jahr macht, dann wird die Versicherung zum dritten Jahr sowieso kündigen).
Für eine professionellen Musiker kann eine Versicherung nützlich sein. Bei den meisten Hobbyisten sehe ich da wenig Sinn.
Wenn man sowieso den Hausrat versichert hat (was auch nicht bei jeder Studentenbude sinnvoll ist), dann hat man ja möglicherweise (Kleingedrucktes mal lesen!) das ein oder andere Schlagzeugteil mitversichert.
Grüße
Jürgen