Hallo,
früher war das alles einfacher.
Da gab es kein Internet und wenn man Musik machen wollte, dann hat man es einfach gemacht.
Heute muss man vier Jahre Unterricht nehmen, mindestens 40 Rudiments vor- und rückwärts spielen können, mikro- und makrotimingfest sein, ein Doppelpedal, zwei Chinas und fünf Splashes haben und dann muss man natürlich odd times im Schlaf können. Vorher braucht man sich bei einer Kapelle gar nicht erst zu bewerben.
Früher hat man (schlecht) AC/DC und Stones nachgespielt und einen Blues in A (moll) komponiert, heute muss es schon mal mit Double Bass Drum mit 180 Sachen los gehen.
Das kann nicht funktionieren.
Beim Fahrradfahren ist das ähnlich. Früher hat man die Kinder auf einen stabilen Schrotthaufen gesetzt, heute muss man ihnen erst einmal das gelbe Trikot kaufen, um dann mit Streckenfunk und dem Auto hinterher zu fahren.
Egal: entscheidend ist, das, wenn die Zeit reif ist, das Obst von selbst vom Baum fällt. Das wurde schon gesagt, ich möchte es aber nochmal betonen, damit es nicht untergeht.
Und: wenn man im Keller üben will und das Tageslicht meidet, ist das auch in Ordnung.
Ich habe gerade in der Anfangszeit viele Leute kennen gelernt, die so viel Angst (Lampenfieber ist normal, wahre Furcht ist ein Warnsignal) vor der Bühne hatten, dass sie vorher Betäubungsmittel nehmen mussten. Ich finde das den falschen Weg.
Man kann sein Set so aufbauen, dass es cool aussieht und sich dadurch sicher fühlen. Wenn man das aber unbedingt braucht, dann sollte man über das Leben auf der Bühne noch einmal nachdenken. Es gibt ja auch tolle Studiomusiker und es gibt noch viel mehr Kellermusikanten.
Erst wenn man von selbst einen Antrieb hat, ja gleichsam einen richtigen Trieb, dann ist die Zeit reif.
Und dann ist es egal, was passiert.
Meine erste Bandvorstellung war der Witz schlechthin: ich konnte nichts und hatte fast nichts (BD, SD, HH, ein Crash, eine Kuhglocke und einen nagelneuen Hocker, extra dafür angeschafft) und die Kapelle war damals wahrscheinlich besser als ich es heute bin. Die waren aber so gut, dass sie die Sache mit Fassung nahmen. Später kam ich dann mit Mitschülern zusammen, das funktionierte eine ganze Weile. Wir machten eine Mischung aus fremden und eigenen Liedern, anfangs mehr fremd, später mehr eigen.
Was ich am liebsten machen würde, mache ich natürlich nicht, das würde mich dazu bringen, einen Tennisschläger zu kaufen. Man sollte so anfangen, dass die Sache ein bisschen Aussicht auf Erfolg hat.
Grüße
Jürgen