früher hat man halt seine ersten gehversuche als kapelle per cassettenrecorder mono aufgenommen und sich gefreut wenn hinterher mehr eigenproduzierter krach als grundrauschen vorhanden war. die cassette hat man dann im passenden moment im freundeskreis angehört und alle fandens toll weil jeder angst hatte bei kritik von den anderen verprügelt zu werden oder (viel schlimmer noch) als ahnungsloser banause verunglimpft und dann erst verprügelt zu werden.
der gipfel der schande war wenn das eingeprodukt vom besitzer der stereoanlage (natürlich evangelisch, die konnten sich vom konfirmationsgeld was sinnvolles kaufen, als katholischer bekam man zur kommunion playmobil oder ähnlichen scheiss den man ein jahr später nicht mal mehr verkaufen konnte weil der second-hand-dealer zu dem man den ganzen kram gekarrt hat einen gnadenlos über den tisch zog. hat mal jemand von euch heulsusen versucht ein gutgebrauchtes playmobilraumschiff gegen ein guterhaltenes exemplar von "made in japan" zu tauschen ? ich schon.) für das befunden wure was es war: lärm ohne erkennbare struktur fernab von dingen wie metrum, tempo, tonart.
und dann wurde die eigens mitgebrachte, teuer bezahlte und natürlich noch frisch zellophanierte leercassette vom anlageninhaber GANZ UNTEN unter den stapel der von den anderen mitgebrachten leercassetten geschoben. man war nicht würdig die NEUE metallica ("ride the lightning" jungs, nicht "reload" !!) überspielt zu bekommen und musste sich hinten anstellen. denn natürlich hatte man nicht die schallplatte gekauft, man hatte sich ein paar trommelstöcke gekauft auf denen "curt cress" stand und die nach 10 minuten spielen kaputt waren. das restgeld langte gerade noch für eine leercassette. oder man musste eben die probe vom letzten sonntag überspielen.
selbstbewegte bilder waren nur unter zuhilfenahme von schier unbezahlbarem spezialgerät herzustellen, filmen musste sorgfältig geplant sein da das material kostbar war und mehr als drei rollen super-8 hat einem der papa halt nicht mitgegeben weil mehr als 10 minuten von dem schrägbelichteten wackelamok konnte man sich eh nicht anschauen ohne das einem schwindlig von dem geschwenke wurde.
das belichtete material musste dann in ein labor (!) zur entwicklung (!) und den ton musste man hinterher auch noch selber drauffummeln. so entstanden unter unsäglichen mühen so bedeutende werke wie "klassenfahrt der 4c nach westersburg" die man sich genau einmal anguckte und ansonsten dazu verwendete die bucklige verwandschaft aus dem haus zu jagen. die bekam nämlich beim geräusch der aufschnappenden leinwand im nebenzimmer diesen stieren blick den fluchttiere so an sich haben.
wer niemals den beiläufigen satz" kommt doch zum diaabend, wir waren neulich drei wochen als rucksacktouristen in mexico und hatten ZWEI NIKONS mit " in seiner bedeutung nicht nur gehört sondern am eigenen leibe erfahren hat kann das nicht nachvollziehen. das ist so wie wenn opa vom krieg erzählt.
heutzutage ist bei allem und jedem die digicam zur hand und man teilt seine speziellen momente mehr oder weniger rücksichtsvoll mit dem gesamten universum. man muss einfach nur noch einen knopf am telefon drücken und schon wird jeder unfug den man sich vorstellen kann (und noch viel mehr unfug den man sich nicht vorstellen kann, mag oder will) für die ewigkeit bzw. mindestens für die lebensdauer des verwendeten mediums konserviert. der ganze kladderadatsch verschwindet auch nicht in einer kiste auf dem dachboden oder wird überspielt ("alter, die neue slayer !!") sondern landet unweigerlich auf einer sog. videoplattform wo sich jeder mit einem internetzugang darauf stürzen kann um mit mehr oder weniger sinnvollen sätzen ( JoAr, du rocHsT FOll, alda !) dem rest der welt mitzuteilen was er nun wieder davon hält.
da kritik zu üben ist kompletter unfug, die welt hat sich weitergedreht.
in diesem sinne:
gute nacht