Ich schau ja nicht so viele Werbevideos und dergleichen. Zum einen, weil ich mir vieles z.Z. eh nicht leisten kann und zum anderen, weil vieles halt wirklich nicht vom Equipment abhängt. Sondern einfach davon, was man damit macht. Auch was den Sound betrifft.
Mir fällt da ein Werbevideo von DW für die neue 4er Serie der 5000er Fußmaschinen (TD4 / AD4) ein. Da wurden natürlich auch einige prominente, langjährige DW- und 5000er-Spieler interviewt. Das war z.T. auch ein wenig amüsant. Und spätestens nachdem ich die dann mal am eigenen Set probiert hatte wusste ich, dass die natürlich auch immer noch nur mit Wasser kochen und die Fußmaschine eine von vielen ist, mit der man gut spielen kann. Spielt sich halt ein bisschen anders als andere.
So wie Becken eben auch unterschiedlich klingen. Das schöne ist bei der ganzen Sache, dass man sich sein Zeug ja nach dem eigenen Gusto aussuchen kann. Denn es ist einfach Geschmackssache.
Es geht mir darum, dass das, wovon er redet, einfach herzlich wenig zu dem passt, was marketingtechnisch für genau jenes Genre eigentlich als gesetzt gilt: DIe Becken müssen sich durchsetzen, schneiden, klar und brilliant im Ton sein. Ob das Crash-Becken A nun sich harmonischer einfügt zu Becken B, pardon, solche Sätze hört man eher aus denm Munde von Drummern in anderen, ruhigeren Genres, World-Music, Pop, Jazz, Latin. Und angesichts der Tatsache, dass im finalen Mix bei etlichen Metal-Scheiben die Becken meist eh nicht ihre ganze Pracht entfalten (Dank der Amps und manchen brachial auftrumpfenden Sänger*innen (Max Cavalera et all)), wirkt es einfach nur... komisch, absurd, was in dem Video erzählt wird.
Ich kenne mich ja nun ein bisschen aus mit der Aufnahme und dem Mixdown von Akustik-Drums.
Und ganz so abwegig ist das nicht. Wenn die Becken grundsätlich leiser sind, können sie ja trotzdem noch schneiden und zum Genre passend klingen. Es geht bei solchen Größenordnungen und besonders bei Metal lang nicht mehr nur um den Natursound, sondern Mehrfach- und Nahmikrofonierung und Nachbearbeitung. Mitunter auch Triggering und den Einsatz von Samples. Soll auf letzteres verzichtet werden, ist der Engineer froh, wenn er eine bessere Signaltrennung am Schlagzeug hat. Becken einzeln abnehmen und verstärken geht sowieso.
Ich erinnere mich auch an Alben wie "Songs For The Deaf" von QUOTSA, eingetrommelt von Mr. Dave Grohl. Zwar kein Metaller, aber definitiv ein Heavyhitter. Da wollte der Engineer Trommeln und Becken getrennt eingespielt haben (was Dave gar keinen Spaß gemacht hat, soweit ich weiß). Und warum? Damit die Becken nicht in die Trommelmikros "bluten".
Auch nicht ohne Grund wird es bei Studiodrummern als Qualität betrachtet, wenn die Trommeln im Verhältnis zu den Becken ordentlich Schmackes haben. Z.B. sind brechend laute Hi-Hats und eine viel zu leise und durchsetzungsschwache Snare durchaus (meistens) ein Problem.