Mich würde mal interessieren: Was sind eurer Meinung nach die "Mindeststandards", wenn es um's Schlagzeugspielen geht?
Die spezifischen Antworten darauf werden so vielfältig wie die Drummer sein, die sie geben. Denn das ist sehr individuell. Bzw. vor allem eine Frage des Niveaus generell und was man genau macht. Ein Metaldrummer braucht z.B. ganz andere Skills als ein Jazz Drummer - was nicht ausschließt, dass einige Drummer auch beide Stile in verschiedensten Ausprägungen bedienen können.
Von "Mindeststandards" kann man aber zumindest überall da sprechen, wo es um Ausbildungen und Abschlüsse geht. Bzw. um Abschlussprüfungen zu bestehen oder als staatlich anerkannter Musiklehrer tätig zu sein. Trotzdem können auch da die "Skills" und auch einfach die Art und Weise sehr unterschiedlich sein. Denn gerade das ist ja das schöne an Kunst, Musik und Selbstausdruck durch ein Instrument: Die individuelle Note und die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit. Bestimmte "Schwergewichte" in der Musikgeschichte sind nicht ohne Grund so bekannt und prägent, denn die haben halt eine starke Persönlichkeitsentfaltung in ihrem Schaffen gehabt und u.U. Maßstäbe gesetzt.
Es gibt auf Youtube übrigens auch einfach sehr viel Mist. Je nach dem ... aber wenn man halt wirklich was zu zeigen hat, dann sollte man das auch tun, finde ich. Welche Videos bzw. Drummer meinst du denn konkret? 
- Von wie viel bis wie viel BPM sollte SchlagzeugerIn spielen können?
Eine reine BPM Zahl ist immer so eine Sache. In einem 4/4 bezieht sich die BPM Angabe typischerweise auf die 4tel. Ob man da dann 8el, 16tel, 8el Triolen, 32el usw. reinspielt, steht auf einem anderen Blatt.
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- Sind wirklich alle 40 Rudiments "essential"?
Ein paar sind schon essenziell. Aber man muss nicht alle 40 Rudiments bis zum Erbrechen geübt haben, um ein guter Drummer zu sein. Rudiments haben auch nur sehr begrenzt was mit einem "Wortschatz" zu tun. Letztendlich gehts um ganz andere Dinge.
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- "Muss" man mehr als 4/4-Takt beherrschen? Reichen Viertel, Achtel, Sechzehntel? Binär und ternär?
Die genannten Dinge sollte ein Drummer, der es irgendwie ernst meint (wenn auch nur als Hobby) m.E. definitiv beherrschen. 3/4 und 6/8 sind spielerisch auch noch relativ zugänglich. 5/4, 7/8 usw. sind dann schon spezieller und braucht man für eine durchschnittliche Coverband i.d.R. nicht.
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- Es wäre mindestens gut, den HiHat-Fuß nicht nur zum Beschweren des Pedals zu benutzen.
Wenn man den Hi-Hat Fuß nur zum Beschweren des Pedals benutzt, verbaut man sich so einige Möglichkeiten.
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Man könnte auch fragen: Was kann man "weglassen"?
Nach meiner Auffassung kann man etwas nur dann "weglassen", wenn man es beherrscht.
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- Bspw.: Doppelfußmaschine - da sehr Genre(s)-spezifisch, aber kein "basic skill".
Man muss kein (reiner) Metaller sein, um eine Dofuma gewinnbringend einsetzen zu können. Damit meine ich keine akrobatischen Blasts bei sehr hohen Geschwindigkeiten.
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- ... das, was man spielt, sicher berrscht? (Weil vielleicht ein "einfaches", aber "tightes" Bummbumm-Tschack im entsprechenden Kontext besser passt als ein forcierter und verkrampfender [Achtung, Übertreibung:] 67/8-Takt?)
Das ist sehr wichtig. Denn es geht eben nicht nur darum, "was" man spielt, sondern auch darum, "wie" man es spielt. Und von reiner Tightness und Rundheit abgesehen kommt man da auch schon zu den Feinheiten wie dem individuellen Groove, den keine Maschine ersetzen kann.
Lautes und druckvolles Spiel ist meiner Erfahrung nach übrigens auch nur dann wirklich gut klingend machbar, wenn man das notwendige Feingefühl am Start hat.
Nils hat m.E. noch ein paar wichtige Dinge angesprochen. Dynamik - und ich weise hier noch darauf hin, dass es nicht nur die Verlaufsdynamik oder generell leises und lautes Spiel gibt (die Dynamikspanne wächst übrigens nicht nur damit, wie leise man kann, sondern auch damit, wie laut man kann), sondern auch Dynamik innerhalb des Spiels selbst. Beispiel Ghostnotes auf der Snare, generell lauter und leiser gespielte Schläge usw.
Ein guter Sound ist m.E. auch sehr wichtig (Felle, Stimmung, Beckenwahl, tontechnische Umsetzung, Spielweise ...). Und bzgl. "Musik machen ist wichtiger als Noten zu spielen" - Musik ist letztendlich eine Kunstform und dabei gehts um Emotionen. Ich habe mal irgendwo ein Zitat von Tony Royster Jr. gesehen, in etwa: "If you don't feel it, how do you expect others to do?".
Und gerade als Drummer kann man am besten zusammen mit anderen Musik machen. Ist man ein guter Teamplayer mit der nötigen Empathie für ein wirklich unterstützendes Spiel, kann man sich u.U. auch sehr vielseitig in Bands austoben. 