Also zunächst mal finde ich den OH Sound gar nicht so schlimm. Diese "Boomy" Frequenz, von der du sprichst, liegt ungefähr bei 60Hz und ist der Bassdrum Grundton. Diese ist auf den Overheads hier sehr ausgeprägt. Das ist aber nicht per se schlecht, denn für gewöhnlich ist die Bassdrum auf Overheads viel zu dünn. In deinem Fall könntest du sogar auf das D112 verzichten und hättest dennoch einen ausgewogenen Sound.
Warum ist das hier so?
Zum einen kommt die Bassdrum mit dem Recorderman Verfahren, das du benutzt, besser durch. Eine A/B-ähnliche Aufstellung, die die Becken nicht überbetont, könnte also m.E. auch schon Abhilfe schaffen. Zum anderen betonen deine Mikrofone den Bassbereich ganz gut bzw. flachen dort nicht so ab wie viele Kleinmembraner, denke ich. A propos: Welche Mikros benutzt du denn überhaupt?
Und letztendlich ist das natürlich vor allem dem kleinen Raum geschuldet, klar. Die Bässe "sammeln" sich in den Raumecken. Bassabsorber sollten also in die Ecken. Nimmt man nun als tiefste zu absorbierende Frequenz 50Hz, sollten die Bassabsorber mindestens eine Dicke von ca. 70cm haben. Damit beziehe ich mich auf die Faustregel, dass poröse Absorber mindestens so dick wie 1/10 der Wellenlänge sein müssen, ab der sie absorbieren. Die Übergänge sind hier natürlich fließend und hängen auch vom Material ab. Ich hab das ganze mit dicken Packen Steinwolle in den Ecken gelöst, die aber nur ca. 60cm dick sind. Die nehmen natürlich auch ein bisschen Platz weg. Für eine effektive Absorbtion sollten schon mindestens 2, besser 3 Ecken Raum-hoch bestückt werden.
Es kann auch sein, dass der Grundton deiner Bassdrum genau eine Raummode trifft. Ich kann mich aber an eine Aussage vom "Trommelstimmer" nils hier aus dem Forum erinnern: er stimmt Bassdrums gerne auf den Raum und macht sich genau diesen Effekt zu Nutze, damit die Bassdrum mächtiger klingt.
Absorber sorgen auch nur für einen kürzeren Nachhall.
Davon abgesehen bin ich mir relativ sicher, dass du die Overheads schon bearbeitet hast. Was hast du denn gemacht? Rohdateien wären besser für eine Einschätzung. Low-Cuts würde ich übrigens nicht benutzen, um das Problem zu bekämpfen. Wenn dann schon breit und sachte mit einem Low-Shelf ausdünnen oder die störende Frequenz ganz gezielt (Sweepen) mit einem auch nicht zu schmalen Bell-Cut dämpfen. Low-Cuts sind wirklich nur dafür da um Rumpel unterhalb des Nutzsignals zu entfernen. In deinem Fall hier würde ich komplett drauf verzichten.
Hinzu kommt, dass EQing besonders im Bassbereich auffällig klingt, rumsaut und lange nachschwingt. Das gilt auch für linear-phase EQs.
Aber wie gesagt finde ich den OH Sound gar nicht so schlecht und ich würde darum bitten, mal die Rohfiles zu zeigen. Bzgl. Nachbearbeitung kann ich dann auch noch weitere Tipps geben. Wie gesagt ist es auch ne Idee mal eine andere Aufstellung zu testen. Und mal mit Laufzeit-Kompensation des BD Mikros zu experimentieren und ähnliches.
Auf Bassabsorber würde ich in dem kleinen Raum eher verzichten. Wie ich schon sagte klingen Overheads oft relativ dünn, besonders die Bassdrum, aber auch die restlichen Trommeln. Daher jammerst du hier m.E. eigentlich auf hohem Niveau, da du ja keine weiteren Stützmikros willst. 