Beiträge von m_tree

    Mit Live Mixing kenne ich mich nicht aus und werde ich auch nie ernsthaft betreiben, weil ich selber noch Gigs habe. Mit dem Produktionsprozess und vor allem Studio-Mixing allerdings schon.


    Es gibt viele sehr machtvolle Effekte (wozu m.E. allein schon Lautstärke Automation zählt, was es schon seit den 80ern an großen Studiopulten gibt). Mit all diesen Effekten kann man unglaublich viel kaputt machen. Allerdings kann man - wenn man weiß was man tut; in der Lage dazu ist, die Rohspuren zu analysieren und gleichzeitig eine künstlerische Vorstellung von dem zu bekommen, wo man letztendlich hin will; darauf aufbauend dann mit Know How und Erfahrung die einzelnen Eingriffe dahingehend vorzunehmen und schlicht und einfach auch ein Gefühl für Musik generell, für den Song und ein Verständnis für das "Wesen" der einzelnen Instrumente hat - damit auch sehr viel aus den Rohspuren rausholen und diese unterstützen, nicht kaputt machen. Es gibt durchaus den Mittelweg, der verschönert, verbessert, aber möglichst natürlich und echt bleibt.


    Wenn man das ernst meint kann man gut und gerne einen ganzen Arbeitstag pro Song investieren. Bei größeren Projekten auch mehr. Die ganz großen haben noch Mixing Assistenten, die die Spuren vorher aufbereiten. Da wird jeder noch so kleinste Furz in den Fokus genommen und trotzdem das Gesamtbild im Auge behalten. Und sehr wohl Song-dienlich gemischt.


    Sicher habt ihr damit recht. Allerdings hab ich auch schon echt schlechte Erfahrungen gemacht. Drumsound sollte doch, finde ich, irgendwie authentisch bleiben. Ich fühle mich sonst unwohl und spiele auch gehemmter, wenn ich -wenn auch indirekt über PA oder Monitor- nicht das höre, was ich erwarte. Wisst ihr was ich meine? Oft wird der Sound so verändert dargestellt, dass ich mein Spiel nicht mehr wiederkenne.


    Ich sehe bei normalem Monitoring live keinen Grund, vom Drumset was auf dem Monitor zu haben. Der Drummer hört von sich selbst i.d.R. genug, genau so wie die Band vom Drummer.


    Ansonsten scheint mir, dass du bisher viel mit schlechten Technikern und Mischern zusammen gearbeitet hast. Die Technik zu verstehen bedeutet noch nicht, dass man gut mischen kann.

    Keine Ahnung, wie man Posts zitiert die mehr als 10 Beiträge her sind. Aber zum SM57 bin ich noch hierüber gestolpert, was finde ich wieder der beste Beleg dafür ist, dass man vor allem einfach mal aufnehmen und mischen muss mit dem was man hat, anstatt ewig darüber zu brüten, ob man nicht noch diesen und jenen "Industriestandard" an Mikro braucht ^^ : Ein Aufnahme ausschließlich mit einem Paar SM57


    Wenn meine Mischungen so klingen würden, wäre ich persönlich schon mehr als zufrieden...


    Klingt schon gut. Da wurde im Mix aber halt auch einiges gemacht. Schon allein daran zu sehen / hören, wie nah ins SM57 gesungen wird und wie klar die Stimme dennoch klingt (Nahbesprechungseffekt kompensiert / Bässe abgesenkt).
    Für Gitarren Amps und Snare ist das SM57 ja sowieso immer noch ein Standard Mikro. Aber beim restlichen Schlagzeug und beim Gesang hört man finde ich schon, dass das SM57 irgendwie unpassend färbt. Zumindest für eine Aufnahme. Ich höre auch über dem gesamten Mix den "SM57 Schleier" mit Präsenzpeak bei 6-7kHz, klingt insgesamt halt etwas spitz. Andererseits könnte man auch mit gezieltem EQing die SM57 Farbe auf bestimmten Kanälen kompensieren ... aber dann sollte man sich lieber fragen, warum man nicht einfach ein anderes Mikro nimmt.


    Sowas ist ein netter Beweis dafür, worauf es wirklich ankommt. Trotzdem hat es schon Gründe, warum man mit unterschiedlichen Mikros für unterschiedliche Zwecke besser beraten ist - und das müssen auch keine sündhaft teuren Mikros sein.

    Jetzt verkomplizierst du das Ding aber schon ein bisschen ;)


    Vielleicht spreche ich ja auch einfach nur den springenden Punkt an :D


    Kann es sein, dass gerade beim Spielen von durchgehenden 16teln auf der Bassdrum mit beiden Füßen es wichtig trotz Power locker zu bleiben? Ich stelle immer wieder fest, dass man zwar Heelup Power braucht, um sagen wir in den härteren Gangarten mitzuspielen, aber dabei die Lockerheit nicht abhanden kommen darf und gerade das immer wieder zu Problemen führt.


    Sowohl für schnelles als auch für kraftvolles / punchiges / lautes Spiel sollte man locker sein. Oder noch anders gesagt: Locker sollte man IMMER sein, egal was man spielt.


    Zitat

    Versuche ich schneller zu spielen oder mehr Power zu entwickeln, trete ich irgendwann unbewusst fester zu. Irgendwann kommt dann eine Wand und ich kann nicht mehr das Tempo halten.


    Wenn man mehr Power im Sound haben will muss man natürlich schon fester zutreten bzw. drauf hauen. Reine Physik. Allerdings sollte man auch da gefühlvoll bleiben, nicht verkrampfen und den Punch mehr durch Technik als durch Kraft hervorbringen. Richtig draufhauen will eben auch gelernt sein.


    Beim schneller Spielen versuchst du mit dem fester Zutreten aber unbewusst physikalische Zusammenhänge auszuhebeln. Weiter oben wurde der Einsatz von Samples bei sehr schnellen Double-Bass Läufen thematisiert. Das kann mehrere Gründe haben, aber je schneller man spielt und je mehr der Rebound genutzt werden muss, desto weniger Punch hat man halt auch einfach. Es gibt eine weite Spanne, bei der man mit entsprechenden Fähigkeiten schnell UND laut spielen kann. Aber es gibt einfach Grenzen (die jeder für sich auslotet ...).


    Zitat

    Versuche ich aber locker zu bleiben und den Beater so weit es geht zurückkommen zu lassen, klappt es viel besser und ich habe auch bei höherem Tempo das Gefühl, dass ich entspannt bin.


    Damit hast du dir die Antwort doch schon selbst gegeben. ;)

    Lockerheit ist doch nicht nur für Double-Bass, sondern fürs Schlagzeugspielen allgemein wichtig.


    Aber jetzt wirds paradox: Um locker spielen zu können, braucht man eine gewisse Anspannung. Wenn alle 4 Gliedmaßen unabhängig voneinander was machen, ohne sich mit den Füßen auf dem Boden abstützen zu können, braucht man einfach Körperspannung. Es ist also die richtige Mischung aus gezielter Anspannung und Lockerheit. Wenn man bspw. mit dem Stick schnell und punchig sein will, muss man den schon irgendwo feste in der Hand behalten, sonst fliegt er halt weg. :rolleyes:


    Und ansonsten natürlich: Technik und Üben.

    Habt ihr auch schonmal versucht, die Snare gar nicht extra abzunehmen? Also das Set nur mit Overheads und Bassdrum-Mikro einzufangen?


    Nicht nur versucht, sondern auch erfolgreich umgesetzt. Mit Recorderman sowieso, später auch mit einem AB-ähnlichen Aufbau schräg von hinten aufs Set zeigend (warum erschließt sich im nächsten Satz). Das Hauptproblem ist ein ausgewogenes Verhältnis von Trommeln und Becken. Die Bassdrum braucht für eine ausreichende Portion Bass sowieso ein eigenes Mikro. Aber nicht nur weil die Becken auf der Aufnahme selbst schnell mal Überhand nehmen ... fängt man dann an, das Schlagzeug in einen ganzen Bandmix zu mischen, werden die Becken nicht nur durch eine übliche Portion Höhenbetonung und Kompression überproportional laut - die Trommeln können sich sowohl wegen der Frequenzverteilung als auch der allgemeinen Dynamikverdichtung (spätestens auf der Summe) meist schlechter durchsetzen als die Becken. Die sind auch im Bass- und Mittenbereich zu Hause, wo auch Bass, so ziemliche alle Instrumente und Gesang zu Hause sind, während die Becken fast nur aus Höhen bestehen.


    Dennoch gibts einige sogar ziemlich berühmte Beispiele für Distanz Mikrofonie am Schlagzeug. Allen voran alle Led Zeppelin / Bonham Aufnahmen. Da kamen neben Overheads und 2 Bassdrum Mikros auch noch ein 3. Overhead von hinten und 2 Raum Mikrofone dazu. Bonhams Drum Tech hat das in diesem Video demonstriert (bei 5:18 gehts los mit der Mikrofonierung):


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    Der große und hohe Raum macht da übrigens einiges aus.


    Ein weiteres Beispiel ist das Album "Travelling Without Moving" von Jamiroquai. Dort kam tatsächlich Recorderman zum Einsatz. Ich find die Drums allerdings recht unausgewogen und vor allem die Hi-Hat tendenziell zu laut, obwohl die da eigentlich nur geschlossen gespielt wird.


    Zitat

    Wir arbeiten unser Leben lang an einer ausgewogenen Balance und Klangkultur. Und je nach Genre klingt dann die Snare vielleicht zu aufgesetzt im Verhältnis zu Rest. Mit Overheads gibt es einen sehr charmanten Raum auf den Sound.


    Wenn der Raum gut klingt, mag das gewünscht sein. Es gibt aber auch sehr bekannte Mischer wie Andy Wallace, der sehr viel bekanntes Zeug abgemischt hat, der den Raumanteil der Overheads trotz Aufnahmen in Top-Studios nicht mag und die Overheads bei Crashbecken Anschlägen bis zu 6dB lauter automatisiert. Kein Witz ...


    Schlagzeug wird in der Tontechnik nicht umsonst als die Königsdisziplin betrachtet. Vom Sound des Sets und dem Raum angefangen bis hin zum Mix - sehr komplexe Sache mit unzähligen Möglichkeiten der Umsetzung.

    Nö, warum, hat ja Hand und Fuß imho. Großartige Eingriffe mit dem EQ brauchte ich in meinem Leben eigentlich immer nur, um billige oder schlechte Mikrofone, zuwenig Kanäle, doofe Aufnahme-/Konzertlocations oder kaputte Drums zu fixen. Naja und bei Supersmile-Angeboten für die Demoaufnahme über's Wochenende, wenn das Mikrofonieren signifikant mehr Zeit in Anspruch nimmt, als mal eben mit einer Badewanne das Problem mit einem Handgriff der zu erwartenden Klangqualität entsprechend anzugehen.


    Jo, ist ja generell so: Je besser die Aufnahmen, desto weniger EQing ist im Mix nötig. Das fängt bei Störfrequenzen an (Brumm, Dröhn, Klirr, Nerv) und hört beim Sound Design auf. Gerade bei einer typischen Rock Kombo mit Drums, E-Bass, E-Gitarre(n) und Vocals kann man schon vorher sehr viel über den Instrumenten- bzw. Ampsound machen. Auch was die Leadvocals betrifft (Mikrofonauswahl), die im Optimalfall auch keinen EQ mehr brauchen.
    Standardmäßig ist halt nur etwas Verschönerung mit Höhenboosts (bei mir eigentlich nur auf den Drums, im Mastering und ab und zu auf Vocals) und im Mastering evtl. auch ein paar gezielte Betonungen im Bass- und Mittenbereich. Dennoch senke ich im Mix gerade auf Mittenlastigen Instrumenten im Bass- und Mittenbereich meistens zugunsten von Rhythmusgruppe, Präsenz und Leadvocals ab. Wirklich richtig gute und zusammenpassende Aufnahmen sind m.E. sehr selten und solche kriegen dann eh nur die ganz großen Mischer.


    Tja, das dachte ich beim ersten schauen auch. Es gib einen Produzenten (letztens in einem Podcast gehört) der ein komplettes Album AUSSCHLIESSLICH mit SM57 abgenommen hat. War Top 5 in den USA.


    Meine Verwunderung darüber bezog sich schon explizit auf die Bassdrum, weil von den SM57 unter 200Hz halt nicht mehr viel kommt. Selbst für Toms sind die m.E. schon zu mager.


    Zitat

    Letztendlich bringt mich das wieder zu meiner Lieblingserkenntniss: Das wichtigste ist der Song in die Performance und die Ohren aller Beteiligten. Egal was da für ein Mikro an der Snare oder sonstwo hängt. Es muss halt alles zusammen passen und gut is. Auch wenn es Spaß macht sich mit solchem Musikbnerdigen Zeug wie Frequenzkurven zu beschäftigen. Solang das Mikro nicht totaler Schrott ist und es falsch positioniert wird... es is ja auch Kacke wenn alles gleich klingt.


    Ist aber auch immer Verhältnissache. Wenn die Produktion an sich schon auf nem sehr hohen Level ist, also gute Songs, Performances, gute Instrumente / Amps und viel Know How und Zeit / Aufwand vorhanden sind, dann lohnts sich schon die Mikrofone mit Bedacht auszuwählen. Umgekehrt lohnt sich das bei einer Nebenbei-Demo Produktion, bei der alles "irgendwie" und dahingerotzt klingt, halt überhaupt nicht.


    Die Frequenzdiagramme hatte ich eigentlich nur "der Form halber" gepostet. Unterm Strich war meine Aussage ja auch, dass die Mikrofonwahl im Prinzip fast egal ist (wenn nicht total unpassend).


    Zitat

    P.S.: Wobei gute Preamps natürlich immer helfen.... :D


    Genau. Am besten richtig heftig teure, die die mangelnden Skills dann schön auf dem Papier ausbügeln. :thumbup:

    Ohne EQ ineinander mischen, maximal ein Hochpass auf das M201.


    Noch so ein Thema ... ich sehe das nämlich genau so: Eine gute Snare Aufnahme sollte neben einem tief angesetztem Hochpass (bis 100Hz, wirklich nur zum Wegschneiden von Gerumpel) mit einem breiten Höhenboost auskommen können. Bei Bassdrum (am besten komplett ohne HP) und Toms evtl. zusätzlich noch etwas die unteren Mitten raus. Alles weitere kaschiert eigentlich nur Probleme oder verschlimmbessert gute Aufnahmen, wenn nicht wirklich gerade mal bei einer ganz bestimmten Frequenz etwas stört, das man erst durch Sweepen ausfindig machen kann. Bässe sind bei Nahmikrofonierung prinzipiell eh genug vorhanden. Gerade im Bassbereich "sauen" EQs eben ziemlich viel.


    Aber ich bin mal mal wieder still ... :rolleyes:

    Wenn ich mich richtig erinnere hatte Van Halen doch am ganzen Set nur SM57, oder? Warte mal ich such mal das Video... hier: https://www.youtube.com/watch?v=BpiZCV5iUU4


    Also nicht an allen Trommeln, aber quasi UNTER allen Trommeln. :) Aber im Video sieht man das gesamte Mic-Setup ( https://youtu.be/BpiZCV5iUU4?t=631 ). Auch, dass viele SM56 genutzt wurden.


    Das Video passt ja perfekt zum Thread Thema :thumbup:


    Noch eigenartiger als die SM57 unter allen Toms finde ich zwei SM57 in/an der Bassdrum und sonst nix. 8|


    Aber eben SM57 an der Snare top+bottom. An den 5 Toms sind die jeweils 4x so teuren MD421, an der Snare aber eben ein SM57. Was sagt das wohl aus? :whistling:


    Ich komme aber noch mal kurz auf meinen letzten Beitrag zurück. Also Snare-Mikrofonierung am Schlagfell mit SM57 vs. Freifeld mit einem MK-012 (Kleinmembran Kondensator). Habe die Aufnahmen vor dem Rendern auf die jeweils gleiche Lautheit (LUFS) gebracht:


    >> SM57 am Schlagfell <<


    >> MK-012 70-80cm schräg (45° +/-) von oben << (bzw. schräg von vorn - Snare stand im Set, wo sie übrigens anders als außerhalb vom Set klingt ...)


    Es handelt sich um eine 14*5,5er Stahl (Tama SLP Vintage Hammered Steel), 20er Stahlteppich sowie beidseitig Ambassador (Snare Reso, coated Top) ohne weitere Dämpfung. Und natürlich um den selben Schlag. Klar kann man die Snare explizit für Nahmikrofonierung noch etwas anders stimmen und ggf. dämpfen, aber ich wollte ja hier, dass sie im Freifeld gut klingt.


    Dieses Freifeld Sample hatte ich erst kürzlich bei einer kleinen Produktion benutzt. Dort sogar hauptsächlich, weil die Snarespur so mager war. Und es klingt für meine Ohren einfach geil. Natürlichkeit hört bei Nahabnahme der einzelnen Trommeln sowieso auf :whistling:

    Da haste sicher recht m_tree, aber ich fand das SM57 an der Snare immer schon ein echt scheiße klingendes Teil. :D


    Ich find, dass Nahmikrofonierung von Snares sowieso beschissen klingt. :D


    Letztens bei Sample Aufnahmen wieder gehört. Ein Overhead (Oktava MK-012) hatte ich dann anders aufgebaut 70-80cm schräg (45° +/-) von oben auf die Snare zeigen lassen. Klang besser als das andere Overhead vertikal von oben und um Meilen besser als das SM57 am Schlagfell. Und dieser riesige Unterschied kommt sicher nicht vom SM57.


    Aber die grundlegende Abneigung von einigen gegen das SM57 kann ich mir eigentlich nur damit erklären, dass es so populär ist und man sich halt gerne eine eigene Meinung bildet. Ist aber immer noch kein Grund dafür das sooo schlecht zu reden, IMO. ;)


    Neutraler klingenden Kleinmembran Kondensator Mikros fehlt direkt am Schlagfell m.E. dann genau das, was die dynamischen Kollegen anders machen: Ungenauer abgebildete Transienten / geringere Schärfe, Präsenzboost im unteren Höhenbereich, dafür im oberen Höhenbereich schwächer und ein u.U. besser passender Nahbesprechungseffekt (200 statt 100Hz).

    Spannender fand ich die Diskussion, mit welchem Mikro ihr an der Snare zufrieden seit.


    Bleibt man bei dynamischen "Standard" Mikros wie einem Shure SM57, (mittlerweile auch) einem Audix i5 oder einem Sennheiser MD421 und dessen "kleinere Brüder" wie z.B. dem e604, spielt der Snare Sound selbst, die Mikrofon Ausrichtung und eben der Mix eine viel größere Rolle für den Sound. Weil die genannten Mikros alle in eine ähnliche Richtung färben und alle einen vernünftigen Job machen.


    Solche Knopf Mikros sind da schon experimenteller für Aufnahmen. Den Alex Van Halen Sound wirst du am ehesten mit einem SM57 kopieren können, weil das damals das Standard Mikro an der Snare war. M.E. übrigens zu recht, auch heute noch.


    Edit ...
    Neben dem Wandlerprinzip (dynamisch / Kondensator) und der Richtcharakteristik spielt vor allem der Frequenzgang eine große Rolle für den Klang eines Mikrofons. Nuancen kann man da natürlich nicht ablesen, die grobe Richtugn aber schon. Zum Frequenzgang gehört eigentlich auch der Nahbesprechungseffekt - also der Bassboost bei geringer Entfernung des Mikrofons zur Schallquelle. Und der macht sich bei der Nahmikrofonierung von Trommeln erheblich bemerkbar. ;)
    Weil der in den folgenden Frequenzgängen nicht überall eingezeichnet ist, schreibe ich das jeweils dazu.


    Shure SM57 - Nahbesprechngseffekt bei 200Hz


    Beyerdynamic TG D57C (Nachfolger des Opus 87):


    Audix i5


    Sennheiser MD421 - Nahbesprechungseffekt bei 100Hz (Bassschalter für dessen Kompensation ;) )


    Sennheiser e604


    Die Grundtöne von 14" Snares liegen eigentlich immer recht nah bei 200Hz, je nach Stimmung. Den Teppich bei 6-7kHz zu betonen steht Snares auch gut (auch bei der Nachbearbeitung). Man kann sich allein dadurch schon die Popularität des SM57 herleiten. Dass das Audix i5 z.Z. so gehyped wird hat m.E. eher damit zu tun, dass halt irgendwann mal was neues her muss ... was natürlich viiiieeel besser ist. ;)


    Alle der aufgelisteten Mikros haben Nierencharakteristik. Und alle sind dynamische Mikros, außer das TG D57C.


    Ist das so? Ich habe bislang relativ gutes vom Beyerdynamic TG D57 gehört, aber selber keine Erfahrung. Ich habe mir jetzt aber mal eins bestellt, um es herauszufinden ^^ . Generell sähe ich zumindest keinen Grund, warum ein kleines Kondensatormikrofon da Nachteile haben sollte.


    Ok, meine Aussage war ziemlich flapsig (hätte ich mir sparen sollen). Erlaubt ist natürlich, was gefällt.



    Ich finde ohnehin, dass die meisten Drummer sich da viel zu sehr der momentan angesagten Meinung unterwerfen. Im Moment ist es angesagt, einen eher offenen Drumsound zu haben, und diesen idealerweise ohne jegliche Dämpfungsmaßnahmen ausschließlich durch Stimmen zu erzeugen. Toningenieure sind da schon deutlich flexibler und machen halt, was für den aufgenommenen Songe gerade am dienlichsten ist (und sei es eine Gaffa-Orgie). Ein extremes Beispiel finde ich den Snaresound auf dem Social Distortion Album "White Light, White Heat, White Trash" (zugegeben von 1996). Der definitiv toteste Snaresound den ich auf einem Album bislang gehört habe. Und bei den Songs stört mich das kein bisschen, weil es einfach passt.


    Dass ein offener Drums Sound z.Z. angesagter als bisher ist, bezweifel ich. Spielt m.E. aber auch keine Rolle. Denn es geht doch darum, dass die zusätzliche Dämpfung auch wirklich einen ästhetischen Hintergrund und keinen "kaschierenden" hat. Will heißen, dass zusätzliche Dämpfung nicht zum Kaschieren einer schlechten Stimmung oder tontechnischen Umsetzung benutzt werden sollte, sondern wirklich nur zum Erreichen des gewünschten Sounds. Gegen ein Stück Gaffa oder (halbes) Stück Moongel ist ja nix einzuwenden. Aber bei allem, was darüber hinaus geht, sollte schon ganz klar sein warum man das nun macht. Ist der Grund einfach eine unpassende Fellwahl, eine unpassende Stimmung oder tontechnische Umsetzung oder eben tatsächlich die gewünschte Klangästhetik?

    Also erst mal würde ich das Zeug da vom Snare Schlagfell entfernen. So hat das Fell ja gar keine Chance mehr zu schwingen :whistling:
    Diese Knopf Mikros klingen i.d.R. auch so wie sie aussehen. Außerdem sind die alle zu mittig über dem Fell. Das klingt zum einen schlecht und zum anderen spielt es sich auch schlecht.


    Und mach's doch einfach so wie Simon Phillips. ;)


    Ein Teppich Mikro ohne das Schlagfell zu mikrofonieren funktioniert nicht. EIn Schlagfell Mikro ohne Teppich Mikro hingegen schon. Manche mögen's lieber komplett ohne Teppich Mikro, mich eingeschlossen. Für Aufnahmen stelle ich dann lieber ein Side / Shell Mic mit auf oder mische ein Freifeld-Sample der selben Snare dazu.


    Mach doch mal ein Foto von deinem Aufbau. Irgendwo wirst du doch noch ein Mikrofon ans Schlagfell stellen können. Zur Not unter der Hi-Hat ...

    Livemischen besonders in geschlossenen Räumen die man nicht kennt, mit Bands die man nie gehört hat
    und Zeit die man nicht hat ist für mich reine Schadensberenzung.
    Wenn dann das Schlagzeug noch Kacke klingt, kommen halt gnadenlos Gates, Taschentücher und Gaffa zum Einsatz.
    Man hat ja schliesslich noch anderes zu tun.


    Wenn es wirklich kacke klingt, ist das vollkommen verständlich. Aber hier gehts ja um einen scheinbar guten Drums Sound, der von Technikern, die nur schlechte Drums Sounds gewöhnt sind, zu Unrecht "verunstaltet" wird.


    Zitat

    Das ist auch in keinster Weise mit Studioarbeit zu vergleichen.


    Nur teilweise. Allerdings wird eine gut eingespielte und gut klingende Band sowohl live als auch im Studio immer besser klingen als eine schlecht eingespielte und schlecht klingende Band. Ein paar der Gegebenheiten haben da schon den gleichen Stellenwert.

    was ist euer Trick die Obertöne oder den Sustain nicht im Live mix über die Mikrofone zu haben?


    Ich kann das zwar nur aus der Studio-Mischer Sicht beurteilen. Aber die Obertöne und das Sustain gehören zu einem lebendigen Drums Sound einfach dazu. Und gerade nah aufgestellte Mikros brauchen die Obertöne auch, damit der Sound durchsetzungsfähig und Attack-reich ist. An den Schlagfellen klingen Trommeln deutlich anders als aus der Ferne, dazu kommt die Bassüberhöhung durch den Nahbesprechungseffekt.


    Einen lebendigen Drums Sound gut umzusetzen verlangt nicht nur dem Trommelstimmer, sondern auch dem Tonmensch mehr ab.


    Wenn heute der FoH alles tot will, ist er meist zu faul oder nicht fähig den Klang der Trommeln in kurzer Zeit zu handeln.
    Oder die klingen so Scheisse wie oben geschrieben und das totkleben dient der Schadensbegrenzung ^^
    Mit den modernen Digitalpulten hat er jedenfalls alle Möglichkeiten dies zu tun.


    Das trifft den Nagel auf den Kopf, finde ich.


    Ich bin wahrlich kein Profi, aber spekuliere mal: live wird man vor allem die Nah-Mikros verwenden (um das Schlagzeug ein wenig vom sonstigen Lärm zu separieren), während man im Studio gerne einiges an OH/Raummikros zumischt. Nahabnahme hebt aber die Obertöne extrem hervor. Folglich muss man live mehr dämpfen.


    Tendenziell ist live eher Nahabnahme als im Studio gefragt, ja. Man kann aber auch im Studio weitgehend trocken und nah abgenommen bleiben und die Drums zudem auf verschiedenste Arten mischen.
    Nahabnahme färbt den Sound vor allem insofern, weil der Sound direkt am Schlagfell ganz anders als im Freifeld ist. Sicherlich nimmt das Mikrofon dann auch etwas mehr Obertöne des Schlagfells selbst als aus höherer Distanz auf. Aber das ist kein Grund für mehr Dämpfung. Der Sound ist einfach "anders" und tatsächlich klingen nah abgenommene Trommeln sogar oft eher dumpfer als aus der Distanz.


    Ist der Klang der ungedämpften Trommel gut, kann ein fähiger Techniker diesen Klang auch gut umsetzen. Im Bandkontext bekommen Obertöne und das Sustain übrigens auch eine andere Bedeutung: Obertöne sorgen für mehr Durchsetzungskraft der Drums und das Sustain geht im Bandkontext sowieso ein Stück weit unter, wenn der Drums Sound nicht mit Frequenz- und Dynamikbearbeitung total "verunstaltet" wird.


    Ein gedämpfterer Trommelsound sollte aus ästhetischen bzw. geschmacklichen Gründen zum Einsatz kommen, nicht wegen Unfähigkeit oder technischen Gegebenheiten. Aber das ist, abgesehen von der Oberliga, leider meistens Utopie. Die "Großen" haben fest angestellte Drum Techs und Tontechniker, die ein eingespieltes Team bilden und den Sound "designen". Da muss nicht eben mal schnell noch nachgedämpft werden, weil der Drummer nicht stimmen oder der Techniker nichts mit einem lebendigen (aber gutem) Drums Sound anfangen kann.


    Ungedämpfte Felle können zudem gerne mal Rückkopplung mit der PA erzeugen, auch das verschlechtert den Gesammtsound der Band.


    Also das erscheint mir doch ziemlich fragwürdig ... ?(


    Naja, die Sache mit dem Abmischen kann schon nerven:
    Kenn da schon einige Experten, die Live ordentlich mit Gates arbeiten und wo dann das Set am Ende etwas seltsam klingt, weil ganze Teile dessen, was man spielt, verschluckt werden. Stellt man dann fest, wenn man hinterher die Mitschnitte hört und dann konstatieren muss, dass bestimmte Passagen komplett verunstaltet wurden. Letztens noch passiert, als ein Techniker mir auf das eine Overhead wegen des Chinas ein derartiges Gate gelegt hatte, dass das klang wie aus der Rumpelkammer. Auch im Studio habe ich das schon erlebt, als ganze Ghostnotes-Kolonnen wie vom Erdboden verschluckt waren.


    Unfähigkeit und Schlamperei ist sowas. Liegt live dann meistens auch einfach an einem zu hoch angesetzten Threshold. Haut man beim Soundcheck fürs Einpegeln ordentlich rein, kann der Threshold natürlich höher sein, damit das Gate aufmacht als bei normalem bzw. dynamischerem Spiel.
    Live würde ich sowieso nur die Toms gaten. Es sei denn, es geht um AC-DC Drumming, vielleicht ...


    Der Meister selbst ;)

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    Ab ca. 01:55 zu sehen bzw. zu hören. wobei er den Schlag so leise spielt, dass man den Unterschied wohl kaum merken dürfte.


    Genau in das Video hatte ich vorhin noch mal kurz reingeschaut, bevor ich geantwortet hatte. Aber nicht aufmerksam genug. Er sagt ja selbst "... and I'm gonna ghost the second note of the third triplet". Dort spielt er auch die Bassdrum zusammen mit dem 2. Backbeat, so wie hier notiert:



    Von beidem höre zumindet ich nichts im Drums-Only Track. Aber mal sehen, ob ich diese Ghostnote noch hinkriege.


    Das Feedback hier ist echt sehr, sehr nützlich und konstruktiv. :thumbup:

    Hatte nicht damit gerechnet, dass es so gut ankommt. Ziemlich cool, danke :)


    trommla
    Du hast mir das Outfit fürs finale Video wirklich ausreden können. Ein schwarzes Hemd und 'ne dunkelblaue Jeans werden 's dann wohl. Für eine positivere und coolere Ausstrahlung muss ich den Track auch einfach noch ein bisschen üben.


    Hab übrigens gestern einen Test mit weitaus tiefer gestimmter Snare und einem Teppich Mikro, aber ohne Raum Mikro gemacht und das Ergebnis haut mich vergleichsweise nicht so vom Hocker. Werde zum Vergleich noch eins der SC-140 am Teppich testen. Für mich eine weitere Bestätigung dafür, dass ich Teppich Mikros nicht mag. Ein Phasendreher auf dem Side- bzw. Kesselmikro brachte Licht ins Dunkel, obwohl die Phasenverläufe der beiden Snarespuren eigentlich keinen Phasendreher verlangen. Da merkt man wieder mal, dass man letztendlich nur seinen Ohren trauen sollte. :whistling:
    Ein Phasendreher auf dem off-axis zum Set ausgerichteten Raum Mikro (Niere) brachte auch was. Werde die finale Aufnahme dann doch so machen, nur mit etwas tiefer gestimmter Snare und ausgereifterem Mix.


    furio
    Porcaro lässt hier und da immer mal einige Ghostnotes weg. Es ist sowohl fast unmöglich, das exakt so zu spielen als auch einfach nicht notwendig. In Live-Versionen hat J.P. selbst das auch nie zu 100% so wie auf der Studio Aufnahme gespielt.
    Allerdings sind meine Ghostnotes im Main Groove eigentlich schon richtig. Es gibt Notationen, wo auch die Ghostes direkt nach dem Backbeat gespielt werden - ich frag mich aber ernsthaft, wer sowas glaubt rauszuhören oder auf solche Ideen kommt. Weil diese Ghostnotes schlicht und einfach nicht im Original gespielt werden. Hört man gut im Drums-Only Track: https://youtu.be/DQ-gfb6nUus


    2 der Extrafills am Ende sind allerdings schief gelaufen ... alles noch nicht ganz da, wo ich sein will. Aber fast.