was ist euer Trick die Obertöne oder den Sustain nicht im Live mix über die Mikrofone zu haben?
Ich kann das zwar nur aus der Studio-Mischer Sicht beurteilen. Aber die Obertöne und das Sustain gehören zu einem lebendigen Drums Sound einfach dazu. Und gerade nah aufgestellte Mikros brauchen die Obertöne auch, damit der Sound durchsetzungsfähig und Attack-reich ist. An den Schlagfellen klingen Trommeln deutlich anders als aus der Ferne, dazu kommt die Bassüberhöhung durch den Nahbesprechungseffekt.
Einen lebendigen Drums Sound gut umzusetzen verlangt nicht nur dem Trommelstimmer, sondern auch dem Tonmensch mehr ab.
Wenn heute der FoH alles tot will, ist er meist zu faul oder nicht fähig den Klang der Trommeln in kurzer Zeit zu handeln.
Oder die klingen so Scheisse wie oben geschrieben und das totkleben dient der Schadensbegrenzung
Mit den modernen Digitalpulten hat er jedenfalls alle Möglichkeiten dies zu tun.
Das trifft den Nagel auf den Kopf, finde ich.
Ich bin wahrlich kein Profi, aber spekuliere mal: live wird man vor allem die Nah-Mikros verwenden (um das Schlagzeug ein wenig vom sonstigen Lärm zu separieren), während man im Studio gerne einiges an OH/Raummikros zumischt. Nahabnahme hebt aber die Obertöne extrem hervor. Folglich muss man live mehr dämpfen.
Tendenziell ist live eher Nahabnahme als im Studio gefragt, ja. Man kann aber auch im Studio weitgehend trocken und nah abgenommen bleiben und die Drums zudem auf verschiedenste Arten mischen.
Nahabnahme färbt den Sound vor allem insofern, weil der Sound direkt am Schlagfell ganz anders als im Freifeld ist. Sicherlich nimmt das Mikrofon dann auch etwas mehr Obertöne des Schlagfells selbst als aus höherer Distanz auf. Aber das ist kein Grund für mehr Dämpfung. Der Sound ist einfach "anders" und tatsächlich klingen nah abgenommene Trommeln sogar oft eher dumpfer als aus der Distanz.
Ist der Klang der ungedämpften Trommel gut, kann ein fähiger Techniker diesen Klang auch gut umsetzen. Im Bandkontext bekommen Obertöne und das Sustain übrigens auch eine andere Bedeutung: Obertöne sorgen für mehr Durchsetzungskraft der Drums und das Sustain geht im Bandkontext sowieso ein Stück weit unter, wenn der Drums Sound nicht mit Frequenz- und Dynamikbearbeitung total "verunstaltet" wird.
Ein gedämpfterer Trommelsound sollte aus ästhetischen bzw. geschmacklichen Gründen zum Einsatz kommen, nicht wegen Unfähigkeit oder technischen Gegebenheiten. Aber das ist, abgesehen von der Oberliga, leider meistens Utopie. Die "Großen" haben fest angestellte Drum Techs und Tontechniker, die ein eingespieltes Team bilden und den Sound "designen". Da muss nicht eben mal schnell noch nachgedämpft werden, weil der Drummer nicht stimmen oder der Techniker nichts mit einem lebendigen (aber gutem) Drums Sound anfangen kann.
Ungedämpfte Felle können zudem gerne mal Rückkopplung mit der PA erzeugen, auch das verschlechtert den Gesammtsound der Band.
Also das erscheint mir doch ziemlich fragwürdig ... 
Naja, die Sache mit dem Abmischen kann schon nerven:
Kenn da schon einige Experten, die Live ordentlich mit Gates arbeiten und wo dann das Set am Ende etwas seltsam klingt, weil ganze Teile dessen, was man spielt, verschluckt werden. Stellt man dann fest, wenn man hinterher die Mitschnitte hört und dann konstatieren muss, dass bestimmte Passagen komplett verunstaltet wurden. Letztens noch passiert, als ein Techniker mir auf das eine Overhead wegen des Chinas ein derartiges Gate gelegt hatte, dass das klang wie aus der Rumpelkammer. Auch im Studio habe ich das schon erlebt, als ganze Ghostnotes-Kolonnen wie vom Erdboden verschluckt waren.
Unfähigkeit und Schlamperei ist sowas. Liegt live dann meistens auch einfach an einem zu hoch angesetzten Threshold. Haut man beim Soundcheck fürs Einpegeln ordentlich rein, kann der Threshold natürlich höher sein, damit das Gate aufmacht als bei normalem bzw. dynamischerem Spiel.
Live würde ich sowieso nur die Toms gaten. Es sei denn, es geht um AC-DC Drumming, vielleicht ...