Ich wünsche mir tatsächlich ein Bio-Label für Musik, wie zum Beispiel "No Computers on this record".
Das wäre dann eigentlich eher ein "Vintage Label". Ohne Computer wird heutzutage nur in absoluten Ausnahmefällen produziert. Das "Stadium Arcadium" Album der Peppers wurde auf deren Wunsch hin so produziert: Auf Tonband aufgenommen, analog abgemischt und zusätzlich auf Vinyl veröffentlicht (und das ist jetzt auch schon wieder 13 Jahre her). Und das zieht zigfach höheren Aufwand und höhere Kosten nach sich. Das CD Mastering wurde natürlich wieder an den Loudness War angeglichen (und ist dafür stark in die Kritik geraten). Was übrigens m.E. einer der Hauptvorteile von Vinyl ist: Es kann dafür nicht so laut gemastert werden und das Konvertieren in verlustbehaftete Codecs wie MP3 und AAC ist schwieriger (die Hürde des Digitalisierens ...).
Aber auch was Vinyl betrifft: Die neuen Veröffentlichungen wurden dafür zum Großteil genau so digital aufgenommen und (teilweise) nachbearbeitet wie für CD und sonstige Releases.
Ein "Bio Label" (was ich durchaus verstehen kann ...) sollte Digitaltechnik allein schon aus dem Grund nicht ausschließen, weil es sonst kaum Anwendung finden würde. Eher würde ich das als ein Qualitätssiegel betrachten, bei dem eben gewissse technische Hilfsmittel nicht zum Einsatz kommen - in erster Linie eben Timing- und Tonhöhenkorrekturen.
Das hatte ich auch schon und für mich ist es irgendwie blutleer, wenn ich meinen Teil trocken einspielen soll. Wir haben das dann so gelöst, dass mind. ein Instrument (Gitarre) mit mir spielt, um mich zu unterstützen und eine bessere Energie zu bekommen, ohne dass dieses mit aufgenommen wurde.
Als erster auf Klick einspielen heißt ja nicht, dass man außer den Klick sonst kein Playback bzw. keinen Support hat. Wenn man alleine einspielt kann man auch vorher Pilotspuren aufnehmen.
Zitat
Das geht nicht immer. Ich hab mal 8 Tracks an einem Tag eingespielt und hatte vorher nur die Hälfte davon zu hören bekommen. Es musste spontan im Studio eine Schlagzeugspur entwickelt werden.
Bei einer anderen Produktion haben wir als komplettes Ensemble einen Track von 60 min Länge eingespielt. Das war Meditationsmusik, die davon lebt, dass die Band gemeinsam im Moment der Aufnahme die Musik fühlt und natürliche Spannungsbögen entwickelt.
Ganz grobe Richtungen waren abgesprochen und vorbereitet, aber insgesamt war es mehr wie auf der Bühne.
Auch für spontane Sachen ist eine gute Vorbereitung ja schon gefragt. Diese ist dann halt weniger spezifisch und betrifft allgemein die erlernte Fähigkeit, spontan und frei spielen und dabei eben trotzdem für 'ne Aufnahme abliefern zu können.
Es ist tatsächlich die Kombination aus Quantisierung und Drum Replacement, die jegliches "Feel" vernichtet.
Definitiv. Komplett quantisieren und komplett replacen tötet alles.
Wenn ein Take allerdings mit keinen oder nur ganz wenigen und zielgerichteten Timing Korrekturen auskommt und man Samples lediglich unterstützend dazu mischt, sieht die Sache schon etwas anders aus. In solchen Fällen habe ich auch nicht einfach aufs Raster quantisiert, sondern mich am natürlichen Timing orientiert, das eben mal ein paar Millisekunden vor oder hinter dem Klick ist und ggf. mal leicht anzieht oder bremst. Wenn man das genau nimmt und ein Gefühl dafür hat hört man auch nicht, dass geschnitten wurde. Das gleiche mit den Samples: Wenn man die nur dazu mischt, um die eigentliche Aufnahme eben etwas zu enhancen und anzufetten.
Dafür ist natürlich gutes Ausgangsmaterial gefragt und der Mischer sollte auf jeden Fall in der Lage dazu sein, eine gute Drums Aufnahme auch ohne Samples passend in den Song zu mischen. Was leider nicht immer der Fall ist.