Im übrigen ist Klangqualität auch sehr subjektiv, saubere Kanaltrennung heißt nicht unbedingt dass es auch am besten klingt, das bewertet jeder anders. Viel Übersprechen kann auch "schön dirty" klingen, super Garage-Rock und anderen dreckigen Sachen.
Jepp. Aber es gibt eben oft auch das andere Extrem, wo alles klar und definiert sein soll, hier und da mit Effekten gearbeitet werden soll oder am Ende noch so viel weitere Instrumente und Spuren drüber kommen, dass die Basis einfach astrein sauber sein muss, damit man alles gut in Einklang bringen kann.
Ich war im besagten Thread der jenige, der Liveaufnahmen bzw. Liveaufnahmen mit eingeschränkten technischen Möglichkeiten kritisch gegenüber stand.
Meiner Meinung nach gibt es die verschiedensten Szenarien und Faktoren, die entweder eher eine Live- oder eben eine sequentielle Aufnahme rechtfertigen. Die da - z.B. - wären:
- technische Möglichkeiten / Voraussetzungen: Man kann z.B. im Proberaum mit einem Interface und einem Rechner hochwertige sequentielle Aufnahmen machen, aber Live Aufnahmen würden nicht nur wegen dem Übersprechen nicht funktionieren: fehlende Monitorausgänge / Spuren des Interfaces ... bei Studio Aufnahmen sollte das natürlich generell kein Thema sein, aber Homerecording gewinnt ja heutzutage immer mehr an Gewicht, weil man mittlerweile verhältnismäßig gute und günstige, simple Aufnahmen im Proberaum durchführen kann
- Musikgenre: Bei manchen Sachen gehts mehr um perfekte Tightness, technische Korrektheit (Komplexizität und Geschwindigkeit erheben höhere Ansprüche an die Musiker), andere Sachen dagegen brauchen mehr Feeling und Groove, wofür sich ne Liveaufnahme besser macht
- inwieweit kann - rein von der Besetzung her - live eingespielt werden? Gibt es evtl. einen Frontmann, der Rhythmusgitarre, Gitarrensoli und Gesang übernimmt? Wenn ja ist sequentielle Aufnahme sowieso ein Thema.
- Erfahrung und Routine der Musiker ... wenn man live nicht in der Lage ist im Studio auf einen Nenner zu kommen muss das nicht unbedingt an mangelnden Skills und Musikalität liegen, sondern einfach an mangelnder Erfahrung / Routine und dadurch einer Ermangelung der Fähigkeit, beim Recorden die nötige Mischung aus Konzentration und Lockerheit walten zu lassen, damit was vernünftiges bei raus kommt, wo eben auch das Feeling stimmt. Sequenzielle Aufnahme ist da definitiv "entspannter".
- Persönliche Vorlieben der Musiker (unabhängig von der Erfahrung) ... Bps.: Mit meiner "älteren" Band würde ich nach wie vor sequentielle Aufnahmen vorziehen, mit der neuen Instrumentalformation eher Liveaufnahmen ... aus verschiedensten Gründen, wie man sich beim Einspielen fühlt und wie das grundlegende Zusammenspiel funktioniert
- Sound: An einigen Stellen ist ein dreckiger Sound und Verwaschenheit auch im Timing erwünscht, was man ggf. nur mit Liveaufnahmen hinbekommt
Aber weil ja hier immer die Rede von guten Musikern (von wegen Shit in -> Shit out) ist: Wirklich gute undb routinierte Musiker schaffen es auch ganz sicher, einer sequenziellen Aufnahme die Aufnahmetechnik nicht anmerken zu lassen - die gefürchtete Sterilität also nicht so einfach durchblicken zu lassen. Das ist m.E. auch einfacher als vertracktete und hoch komplexe Sachen live einzuspielen.
Man kann also schlecht was pauschalisieren. Ich stehe Live Aufnahmen jetzt zwar unkritischer als noch im Hörzonen Thread gegenüber, aber es kommt eben immer auf den Spezialfall an ...