Ob nun Grundwehrdienst oder Zivildienst sinnvoller für die Gesellschaft ist steht hier doch außer Frage.
Fakt ist, dass man beim Bund mehr oder weniger (je nach dem welche Ausbildung und weitere Verwendung man kriegt) schon etwas lernt, einfach mal was anderes kennen lernt (neue Gegenden, viele neue Leute, Militär ..) und des öfteren auch Spaß hat. Gerade in der Grundausbildung lernt man außerdem schwierige Situationen kameradschaftlich zu meistern und dem Druck von außen zusamnen stand zu halten. Das war imho schon ne Erfahrung wert. So gut wie jeder, den ich jetzt als Mannschafter kenne sagte mir, dass die AGA (Allgemeine Grund Ausbildung) Zeit die schönste Zeit war.
Nun, um das ganze mal grob zu beschreiben: Grundwehrdienst sind 9 Monate. Das ganze läuft immer Quartalsweise ab - sowohl die Einstellung als auch die Ausscheidung, genauso wie die Ausbildung und die beiden Beförderungen. Die ersten drei Monate sind Grundausbildung als Rekrut, das zweite und dritte Quartal dann "normaler Dienst" als Gefreiter bzw. Obergefreiter. Während der Grundausbildung hat man als Rekrut rein garnichts zu sagen - man wird halt gedrillt, um sich ins Militär einzugliedern und das Zeug zum Soldaten zu erlernen. Vorgeschriebenermaßen sind die ersten beiden Monate immer gleich, der letzte dann spezifisch (z.B. Sanitäter, Jäger, Funker etc.) - allerdings bekommen die Jäger z.B. generell viel härtere Ausbildungen als die Sanitäter. Was du danach machst kannst du meistens noch weniger beeinflussen - oftmals macht man als G oder OG im Gwdl aber nicht mehr besonders viel oder sinnvolles.
Ich bin z.B. Sanitäter und derzeit Gefreiter. Bin in der Sanstaffel in Donauwörth quasi ein Akten DJ, der die Akten für den Arzt pimpt und diverse Termine ausmacht und Leute "abfertigt". Im Prinzip ne ganz normale Arbeit, "Zivildienst in Uniform" - wir als Sanis sind vom restlichen Batallion entkoppelt. Wir müssen weder regelmäßig antreten, Schießübungen, Leistungsmärsche machen oder unsere Kompanien reinigen, dafür müssen wir allerdings immer für evtl. Notfälle bereitstehen und diverse Drecksarbeiten machen. Vorletzte Woche ist bei uns z.B. ein Virus ausgebrochen - wir durften zwei Tage hardcore Klos desinfizieren und uns um die Infizierten kümmern, während das restliche Batallion daheim pimmeln konnte.
Als GWDLer wirst du zu 99% niemals einen richtigen Ernstfall erleben. Du bist im Prinzip Reservist und stehst glaube 10 Jahre (oder ähnlich) nach deinem Wehrdienst zu Verfügung, falls das deutsche Vaterland mal angegriffen wird. Du kannst lediglich zur Vaterlandsverteidigung innerhalb selbigem eingesetzt werden. Aber bei den derzeitigen "Zuständen" werden wohl niemals mangelhaft ausgebildete Soldaten in großer Menge benötigt. Da gehts eher um die Spezialeinheiten und wirklich richtig ausgebildeten Soldaten. Als GWDLer wirst du nie ins Ausland gehen müssen, das kannst du als FWDLer machen und musst u.U. als SAZ - als Berufssoldat auf jeden Fall. Aber selbst als Manschafter bekommt man für einen solchen Einsatz nochmal ne Ausbildung über mindestens 3 Monate, ohne die man quasi aufgeschmissen wäre.
So gesehen ist ein Grundwehrdienst wirklich mehr oder weniger für die Katz, bei Verpflichtungen sieht das meistens etwas anders aus.
Viel Kohle kriegst du als GWDLer nicht. Der reine Wehrsold pendelt sich als Rekrut so bei 290€ ein. Dazu gibts einen Mobilitätszuschlag (je nach dem wie weit du zur Kaserne anreisen musst) und Verpflegungsgeld fürs Wochenende, Weihnachtsgeld bekamen wir sogar auch. Im Schnitt kannst du insgesamt so mit 350-500€ rechnen, je nach Dienstgrad und Entfernung von Eigenheim-Kaserne. Ich ärgere mich da im Moment auch etwas - ich will mich eigentlich nicht verpflichten lassen. Aber es gibt verdammt viele Leute, die noch bei den Eltern wohnen und FWDL oder SAZ machen und mehrere Jahre 1200€ aufwärts pro Monat ums Maul geschmiert bekommen. Die andere Frage ist, was man außer Kohle sonst noch davon hat ...
Im übrigen: 6 Monate Grundwehrdienst ist der reinste Dreck. 3 Monate dauert allein die Grundausbildung - für deine weitere Tätigkeit musst du aber auch eingearbeitet werden (spreche aus Erfahrung), sodass dann quasi maximal 1-2 Monate bleiben, in denen du dem Bund wirklich nen Dienst erweisen kannst.
Wenn man wirklich will kann man sich ausmustern lassen - das ist kein größeres Problem. Die heutigen GWDLer machen ihren Dienst auch mehr oder weniger freiwillig - die wenigsten sind zu blöd sich ausmustern zu lassen, obwohl sie es wirklich wollen. Die Frage ist halt nur, ob dir Zivildienst mehr bringt oder dir mehr Spaß macht als der Wehrdienst.