I. Charlie Antonlini:
1982 in der Dortmund-Aplerbecker "Scheune": nicht zu beschreibendes großartiges Konzert, intim, mit annähernd 25 (!) Zuschauern, Charlie hatte eine Band dabei, die alles wegriss mit dem besten Saxophonisten, den ich jemals gehört habe, irgendein unbekannter Tscheche. Bei den St.-Wonder Zugaben "Is'nt she lovely" und "You are the sunshine of my love" fing das Gebälk der ehrwürdigen Scheune an zu ächzen vor Glück.
II. Zappa:
Ich weiß nicht, es muss 87,88 oder 89 gewesen sein. Westfalenhalle 2 mit Chad Wackermann. 2 Stunden lang Staunen mit offenem Mund, dabei gleichzeitig ein Menge Spass und Fun. Ich war vorher kein Zappa Fan, mag bis heute viele seiner Sachen überhaupt nicht, aber das Ding war das Nonplusultra.
III. Al Jarreau
Rockpalast 1985 meine ich, wäre es gewesen. Ich war als Ordner im Dienst, stand ca. 2 Meter von der Bühne entfernt, als Al die Bühne enterte: Ich kann nicht sagen, dass ich jemals ein intensiveres Konzert gesehen habe. Die Bühne, ja die ganze Grugahalle schien eingeschmolzen in den einen Ur-Groove, den insbesondere Alex Acuna an den Drums entfachte. Wenn ich mich richtig entsinne, war das auch das erste Mal, dass ich Mike Stern gesehen habe, dessen Rhytmusgitarre klar machte, dass dieser Part eine eigene Kunstrichtung sein kann.
IV. Prince
"Sign of the times Tour"-Concert, "Alphabet Street"-Tour und Diamonds and Pearls"-Tour, alles Westfalenhalle I zwischen 1987 und 1991. Keine Ahnung, welches Concert von den dreien nun besser war, jedenfalls musste man jeweils nach den Gigs die Definition von dem Begriff "Konzert" nochmal neu erfinden.
Musik auf allerhöchstem Niveau, eine schon nicht mehr fassbare Leichtigkeit im Umgang mit allerschwierigsten Passagen, fast alle Stücke waren zu einem einzigen Organismus verschweißt worden, bei dem "Sign-of-the Times"-Concert gab es eigene Überleitungsstücke, aus denen man locker hätte 2 Cd's hätte brennen müssen, und eine Show, ja wie soll man sagen: Ich rezitiere mal George Clooney aus "From Dusk til Dawn": "Das nenn ich mal ne geile Show"................. Und das wäre die Untertreibung des Jahrhunderts. Gegen die beiden Tänzerinnen bei der Diamonds-and-Pearl-Tour war Hayeks Schlangentanz im Hause der Vampire ein müdes Gähn-Nümmerchen. Unser Gitarrist reüssierte sodenn auch anschließend treffend: "Prince ist der Musik gewordene Orgasmus" ....................... Recht hatte er.
V. Herbie Hancock -
2002 in Duisburg im Rahmen vom Klaviersommer. Mit TLCarrington an den Drums. Trotz der etwas kalten unintimen Hallen-Atmosphäre teilweise nicht mehr nachzuvollziehendes Konzert, welches in einer anderen Dimension stattzufinden schien. Die rhythmischen Verdichtungen von Hancock und Carrington waren von einer einem inneren Band gepägt, als wenn ein Musiker zwei Instrumente gleichzeitig spielen würde. Es war schon fast zu viel des Guten. Unser Pianist, nun wirklich nicht grade schwach auf der Brust, schüttelte ab und an ungläubig und völlig geflasht den Kopf mit den Worten: "Ich habe keine Ahnung, was der da spielt, ich meine, ich weiß nicht nur nicht, wie er das macht, ich weiß noch nicht mal, was er überhaupt spielt." Aber die Erhabenheit der Musik entband von jeglicher Frage nach Technik und dergleichen und so war es einer der einzigartigsten Momente ever für mich.
Was allerdings jemand mit der Musik anfangen konnte, der nicht Musik macht, die Frage konnte ich grade anläßlich dieses Konzertes nicht beantworten.
Und: Nachher die Konzertaufnahme über Radio war nicht halb so gut, was folgerichtig war und ist: Bei solcher Musik muss man dabei sein, wenn sie entsteht, diese Musik entzieht sich der Aufnahmetechnik. Gut so.
Zudem wurde die Sache auch anschließend noch runder als rund: : Auf meine Mail an TLC erhielt ich dann sogar postwendend von der Guten ausführliche Antwort: Nicht nur die beste Drummerin aller Zeiten, sondern auch noch eine feine Frau, keine Frage.
IV. George Clinton and his Parliament of Funk
Mitte der 80iger auf der Loreley. Ich weiß noch, es war heiß, sehr heiß sogar, die Ordner-Kleidung hatten wir über Bord geworfen, als George 10 Minuten spielte. Man weiß bis heute nicht, was das war, was abging , warum es abging und wie es funktionierte: Innerhalb von Minuten griff eine Stimmung um sich, in der man nur an Eins dachte, und zwar alle Zuschauer.
Man konnte auch teilweise nicht mehr ausmachen, wer Zuschauer und wer Musiker war. Musiker und Tänzer funkten teilweise hinter die Bühne und ins VipZelt. Der eine Gitarrist kam "funkend" herein, dudelte auf seiner Axt weiter, die ja nun nicht mehr angeschlossen war, holte sich was zu essen und funkte wieder heraus, zurück auf die Bühne. Dann wieder groovten die Backgroundsängerinnen hinter die Bühne, bis zur hinteren Steinbalustrade, dem besten Aussichtspunkt an der Lorelexy, fernab von jeglichem Publikum und sangen und groovten weiter. So ging es die ganze Zeit. Hinter der gesamten Bühne und im VIP Bereich war der Teufel los, die ganze Welt schien nur noch im Funk Rhyhtmus zu pulsieren.
Wenn jemals Musik Vernunft geschlagen hat, dann an dem Abend. Erst als das magische "Maggit Brain" erklang, trat halbwegs Beruhigung an. Schade, dass Dennis Chambers das nicht miterlebt hat. Der mußte derweil drummen. Fazit: "One world under one Groove" ? : JA.
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