.... die Sache mit dem (Live-) Klick:
I. Jeder, der mit seinen Trommeln mehr als Bumm-Bumm-Basch machen will, kommt letztlich am Üben mit Klick auf Dauer nicht herum. Wie oft dachte ich beim Spielen früher, alles sei klar und nachher bei den Aufnahmen hörte ich die Fehler des Schleppens und des Anziehens: Grausam ! Also zur Kontrolle des eigenen Spiels unbedingt unerläßlich.
II. Üben ist aber halt nicht alles: Die Phantasie fliegen lassen, Grooves entwickeln, Breaks erfinden, all das ist Spiel und verträgt sich schlecht mit einem Klick. Daher die eigentliche kreative Arbeit doch eigentlich immer ohne Klick abgeht. Desgleichen beim Jammen mit ganzer Band.
III. Zum Klick spielen ist letztlich Gewöhnungssache und kein Geheimnis, jeder der das regelmäßig gemacht hat, wird das bestätigen. Der Stress fängt ja nur da an, wo immer ohne Klick gearbeitet wurde und es dann auf einmal heißt: Und Aufnahme !! Der Rot-Licht-Effekt tut sein übriges und aus ist es mit der Lockerheit.
IV. Zudem: Zum Klick spielen ist einfacher, als viele annehmen: "There's Room to stretch", wie es immer heißt. Der Klick nagelt einen halt ja nicht gnadenlos fest, sondern läßt Raum und Zeit, ihn zu umspielen. Am Besten vergegenwärtigt man sich das, wenn man die BPMs nicht als einzelne LED Anzeige sieht, sondern als durchlaufenden Halbkreis von 80 Lichtpunkten, aufgeteilt in Grün und Rot: Solange man im grünen Bereich war, ists ok, erst im Roten wußte man, jetzt verläßt man das Time. (So ein Metronom gabs mal (ich glaub, dass hieß Dragon)).
V. Stressiger wirds dann da schon mit Sequenzer, wir spielen (das ganze Programm jetzt damit (und es ist keine Plastikmusik, Herr DF
), also da ist halt Konzentration pur angesagt, was aber auch sehr viel Spass macht.
VI. Was ich für Unsinn halte, dass Klick oder SequenzerMusik statisch klingen muss: Es gehört und das wird immer übersehen, eine Menge Feingefühl dazu, das richtige Time einzustellen, es braucht halt seine Zeit, bis man das absolut richtige Time gefunden hat. ich habe es schon oft erlebt: Das Time war in bsp. 94 angegeben und es klang ok, aber alle hatten irgendwie das Gefühl, dass es schleppt, und wenn auchnur in einigen Passagen, wir haben dann auf 96 umgestellt, eigentlich nicht zu hören, aber eben zu fühlen, und das sowohl beim Spielen als auch beim Hören; einfach einen Nuance treibender das Ganze und schon stimmte es.
VII. Gleichwohl: Das menschliche Hirn bzw. das menschliche Ohr ist tagesformabhängig: Ich empfinde die gleichen Stücke, auch wenn ich sie schon zigmal gespielt habe, je nach Tagesform immer wieder als langsamer oder schneller: Typische Frage bei der Probe: "Kinder, ist das richtige Tempo eingestellt ? Mir kommt das heute so langsam/schnell vor" (und das Gleiche ereilt alle Bandmitglieder regelmäßig).
VIII. Aber: Grooven muss man auch so, also ohne Klick, und wer ohne Klick nicht groovt, wird es auch mit Klick nicht tun, der Klick ist ja letztlich nur eine Kontanz-Hilfe, mehr nicht. Und die hier schon erwähnte Unterscheidung von MacroTime und Mictrotiming läßt sich dadurch auch nicht wegwischen: Was nutzt es mir, im Großen in Time zu spielen, im kleinen aber zu huddeln und dann immer rumzueiern, um irgendwie wieder auf die eins zu kommen.
IX. Alle Bandmitglieder müssen gleich atmen und grooven, was nutzt es, den Klick an zu haben und der Bass spielt vor dem Klick und der Drummer hinter dem Klick.
Daher insegesamt mein Fazit:
Jeder sollte regelmäßig mit Klick sein Timing überprüfen und damit üben, Kreativität ersetzt das Ding aber nicht, weder beim Solospiel, als auch in der Band, wenns nötig ist, sollte man es auch live beherrschen, schwieriger wird das Ganze eher noch beim Sequenzer, entscheidend ist aber letztens immer, ob die Band im ganzen groovt und atmet und wenn die Bandmitglieder nicht ein ähnliches Timing haben, hilft auch der beste Klick nix - Im Gegenteil, dann klingts nur noch nach Eimer.
Seelanne