Kennt Ihr das, dass Euch oft die Sticks wegfliegen oder gerade die Hi-Hat-Hand schmerzt? Zudem merke ich auch, dass ich hier und da recht unentspannt nach links geneigt zur Hi-Hat sitze und dadurch irgendwie die Standtoms in weite Ferne rücken….
I. Wenn Du ständig unentspannt nach links geneigt spielst, also die linke Schulter immer etwas tiefer als Deine rechte Schulter ist, ist der Setaufbau verbesserungswürdig. Der Körper versucht, den fehlerhaften Aufbau durch die schiefe Haltung auszugleichen: mehrere Ursachen beim Setaufbau können dafür verantwortlich sein:
1. HiHat zu weit weg:
Wenn Du über Kreuz spielst, also mit rechts die links stehende HiHat spielst, muss sie auch nah genug dran sein. Steht sie zu weit weg, schiebt sich die rechte Schulter automatisch nach vorne, woraufhin der Rücken nach links verdreht wird und die linke Schulter runter geht (das würde dann auch die Schmerzen im Hihat-Arm erklären).
2. Bass-Drum zu nah:
Hört sich zunächst komisch an, ist aber häufig so (sehr häufig sogar in Verbindung mit einer zu niedrigen Sitzposition): Wenn Die BD zu nah am Körper steht, kannst Du keine ausreichende Bewegungen mehr mit dem Fussgelenk machen (der Winkel ist einfach zu ungünstig). Auch Heel-Toe-Technik hilft dann oft nicht mehr (weil du oftmals nicht hoch genug sitzt) , infolgedessen spielst du jeden Schlag aus dem rechten Bein, dabei musst du es jedesmal anheben, der Schwung beansprucht die ganze rechte Körperpartie. Dies wiederum erfolgt eine Instabilität der Sitzposition, du sitzt bzw. balancierst gewissermaßen auf der linken A....backe und dein linkes Bein fungiert als Anker in Sachen Stabilität. Wenn das linke Bein aber immer nach unten gepresst wird und das rechte angehoben wird, verschiebt sich der Körperschwerpunkt automatisch, es senkt sich die linke Schulter, weil die ganze Sitzposition nach links kippt.
3. Sitz zu niedrig:
Gleiches kann man beobachten, wenn die Sitzposition zu niedrig ist: Auch dort muss das rechte Bein ständig angehoben werden, was dann wieder zu 2) führt.
4. Sitz zu hoch:
Wenn der Sitz hoch ist, kannst du über die Heel-Toe-technik eigentlich bequem spielen. Aber auch hier sind der Physik Grenzen gesetzt. Ist der Sitz zu hoch, bringt die rechte Beinbewegung einen mit jedem Schlag aus dem Gleichgewicht, was dann wiederum zur Folge hat, dass man auch dort dann versucht, mit dem linken Bein den Schwerpunkt und den Anker des Körpers zu setzen. Auch hier ist also die rechte Körperhälfte in einem ständigen Auf und ab, während die linke Hälfte den Position halten muss.
Kontrolliere das mal und richte etwaig das Set neu aus. Erfahrungsgemäß gehen 50 % aller körperlichen Probleme nicht auf Überbeanspruchung oder falsche Stickhaltung sondern auf eine falsche Sitzposition zurück. Wobei es "falsch" im engeren Sinne eigentlich nicht gibt: Erlaubt ist, was gefällt und es gibt viele Spitzendrummer, die jeden Orthopäden und Drum-Lehrer zur Verzweiflung bringen würden: Buddy Rich bsp. hat eine katastrophale Sitzhaltung, Gavin Harrison sitzt nach Lehrbuch eigentlich viel zu tief u. Chad Smith hat seine Knie zwischen den Ohren, andere wiederum stehen förmlich am Set usw. usf. Wenns funktioniert, fein. Aber wenn man eben Schmerzen bekommt oder Verspannungen, funktioniert es eben nicht mehr, dann muss man was tun.
II. Hinsichtlich der wegfliegenden Stick würde ich mir zunächst keinen Kopp machen, dann hält du die Sticke ja ausreichend locker.
Wenn Du aber trotzdem Schmerzen hast, kann das aber auch bedeuten, dass du die Sticks zwar in der Hand locker hast, aber zu locker und nun versuchst, den Druck aus dem Arm zu holen (oder aus dem Handgelenk). Das funktioniert nicht: Du brauchst in der Hand einen Kontaktpunkt zwischen Hand und Stick, wo die Kraftübertragung stattfinden kann: Nur "Schwingen lassen" reicht nicht. Dann hast du keinen Getriebepunkt, wo die Kraft und die Bewegung auf den Stick weitergeleitet wird. Diesen "Pivot-Point" oder "Fulcrum" bilden viele beim Matched Grip aus Daumen und Zeigefinger, wobei die Gelehrten drüber streiten, an welchem Fingerglied das stattzufinden (Nur bei dem French Trip ist es klar).