Ich weiß jetzt nicht, ob ich das richtig verstehe, aber ich glaube, Du hast das, was wir früher die "Jazz-Krankheit" oder "No-singles-Krankheit" nannten:
Zunächst zum Verständnis:
Wenn Du bei 170 bpm eine doppelte Schlagfolge, also 8tel (=340 Schläge i.d.M.) mit 2 Händen nicht hinbekommst (egal mit welcher Schlagabfolge, Singles, Doubles oder Paradiddles) bzw. da bereits an deinem Limit bist, hast Du offensichtlich eine Problem, welches nicht zu lösen ist. In diesem Fall kann ich mir aber nicht vorstellen, wie du dann 15 Jahre lang Musik gemachst und Master-Classes besuchst und in Bands gespielt hast, das ist ausgeschlossen.
Ich gehe also davon aus, dass du die doppelte Schlagfolge einzig und allein nur mit einer Hand nicht hinbekommst. Wenn das so ist, kontrolliere bitte:
Kannst Du bei Tempo 170 16tel (also 680 Schläge) mit 2 Händen als Singles spielen ?
1. Wenn ja:
Eigentlich dürftest du das nicht können, weil die 16tel ja nur die Verdoppelung mittels 2 Händen ist, also die jeweils eine Hand auch nicht mehr als 8tel spielst. Wenn es aber doch so ist, dann ist die Lösung bereits gefunden: Du hast, wenn du mit 2 Händen 16tel spielst, einen anderen Bewegungsablauf als wenn du mit einer Hand 8tel spielst. Dann hast du ein lediglich ein mehr oder weniger technisches Problem, sprich: Dein Handhaltung und Sticktechnik ändert sich, sobald du mit einer Hand spielst bzw. dich auf eine Hand konzentrierst. Sowas gibt es: Es gibt Dinge, die man in einer zusammenhängenden Bewegung durchaus machen kann, in Einzelteile seziert,gelingt es einem aber nicht, die Bewegungen gesondert auszuführen. Dann liegts aber eben nicht am Körper oder an den Genen sondern an der Stickhaltung oder der "hirntechnischen" Koordination.
2. Wenn nein, dann folgende Frage:
Kannst du bei Tempo 170 16tel mit 2 Händen als Doubles (Doppelschlag) oder als Paradiddle spielen ?
Wenn ja (was ich vermute)
Du hast oben bezeichnete "Jazz-Krankheit" oder "No-Singles-Krankheit". Dir ist es offenbar möglich, diese Geschwindigkeiten als Doubles zu spielen, scheiterst aber bei derselben Geschwindigkeit mit den Singles. Das ist nun zwar grundsätzlich nichts ungewöhnliches: Viele Sachen kann man als Doubles besser spielen als mit Singles, das liegt daran, dass bei dem Doppelschlag der Reboundeffekt in der Regel besser genutzt werden kann, dies allein schon deshalb, weil bei dem Bewegungsablauf die Energie bei Doubles geschickter ausgenutzt wird. Bei den Geschwindigkeiten (170 bpm) ist es aber eigentlich noch im Bereih des absolut machbaren, mit entspr. Übung die 16tel auch als Singles zu spielen.
Allerdings haben die Singles einen anderen Bewegungsablauf als die Doubles. Diesen muss man lernen. Wenn man nun aber "von klein auf" gelernt hat, immer recht bequem und ohne muskulären Aufwand alles mit den Doubles zu erledigen, hat man komplett verlernt, sich eine brauchbare Single-Technik zu erarbeiten bzw, sich diesen Bewegungsablauf draufzuschaffen.
Diese Eigenart, alles mit Doubles zu spielen und mehr oder weniger faul und drucklos die Breaks in die Felle zu drücken, haben wir früher die "Jazz-Krankheit" genannt. (Zur Erklärung muss man dazu sagen, dass es seinerzeit (70iger und 80iger) eine typische Eigenart von -insbesondere europäischen- Jazz-Drummern war, technisch fein, aber drucklos und mit geringer Geschwindigkeit zu spielen. Der Doppelschlag wurde oft auch gar nicht komplett ausgeschlagen gelehrt sondern relativ häufig in den Presswirbel übergleitet, die Vereinigung des Rock-Drummens mit dem Jazz-Drummen zu einer umfassenden Drum-Technik war hierzulande noch nicht recht ausgeprägt.) In diese Falle sind früher insbesondere diejenigen geraten, die von Anfang mit Lehrer gearbeitet habe und zunähst selber nicht in Bands gespielt haben.
Nun bist du offensichtlich ne andere Generation, aber wenn die obigen Fragen zum genannten Ergebnis führen, ist einfach festzustellen, dass Du offensichtlich alles möglich gelernt hast, aber nicht, dir eine SingleRroll-Technik zu erarbeiten.
3. Als "Therapie" würde ich folgendes empfehlen:
Übe bei Tempo 150 (also in jedem Fall unter deinem Limit) einfach 8tel als Singles mit einer Hand.
Übe zunähst 4 x 8tel rechts, Pause, 4 x 8tel Pause rechts-. Dann steiger auf 8 x 8tel, dann auf 16 x 8tel und länger. Wenn dir ne Hand wehtut, verringere das Tempo oder mach ne Pause.
Setzt dabei auch Akzente: Erst auf der 1, dann auf der 4, dann auf der 1,2,3,4 und dann auf dem offbeat. Du wirst dabei merken, dass eventuelle die Bewegung und der Schwung "abstirbt".Nutz die Moeller-Technik (Ausholbewegung), um neuen Schwung zu holen. Zum Schluss spiele links und rechts zusammen die Singles (Keine flams). Erweitere das Programm und übe jeweils 3 x 8tel Triolen mit jeder Hand.
Wenn das alles läuft, erhöhe nach und nach das Tempo´ and so on.
4. Und wenn das alles nichts hilft, dann solltest du Dich nach einem guten Lehrer in deiner Umgebung umsehen, um doch mal zu kontrollieren, ob nicht eventuell doch alles von einer mangelnden Stickhaltung.