Zuvor:
Immer Recht zu haben und trotz absoluter Ahnungslosigkeit den Stein der Weisen gefunden zu haben ist zunächst das ewige Vorrecht der Jugend. Das ist so und es hat auch seine Gründe. Von daher dürfte es nicht verwunderlich sein, wenn mit jeder neuen Generation alte Vorgaben, Vorlieben, Benchmarks, Rekorde und Bewunderungen turnusmäßig auf den Müllhaufen der Geschichte befördert werden. So auch in der Musikszene, so auch bei Drummern. (im übrigen auch in jeder anderen Sparte, Technik wie Kunst).
Und da unser Wirtschaftssystem davon lebt, immer neues produzieren zu müssen, wird dieser Prozeß auch noch zusätzlich mit Werbung, Imagemache und immer neuen Produkten befeuert, sodass sich dieser Mechanismus in der modernen Welt noch zusätzlich vervielfacht. Dies auch umgekehrt: Auch die Wehmut über längst Vergangenes, welches der Antipode zur Neo-Wut ist, gibt es und hat zusätzlich Tritt gefasst, als entdeckt wurde, dass auch hervorragend mit diesem "Vintage"-Nimbus verdient werden kann, gleich, ob es sich hierbei um Produkte oder aber um Personen handelt. Heroenverehrung funktioniert in beide Zeitschienen gleichermaßen hinein.
In der Sache stehen sich also in der Regel junge Leute, die immer nur das derzeit aktuellst Hippe gelten lassen und ältere leute gegenüber, denen einfach nicht beizukommen ist, dass Ihre vergangenen Helden das Non-Plus-ultra sind, hinter denen niemehr was nachkam.
Beide Lager liegen zur Hälfte falsch; beide sind blind, nur in jeweils entgegengestezte Richtungen.
Für einen Drummer kann ein guter Drummer, ein Könner, ein Gott nicht vergehen. Wer Musik wirklich liebt, wer Drummen liebt, dem ist es egal, wann, wo und wie ein spezieller Drummer uns mit seinem Talent beglückt hat. Mit der Musik im Ganzen ist es ja ebenso. Ist ein Mozart antiquiert ? (Wenn ja, ist das ganze Leben antiquiert). Einen Buddy Rich kann ich auch heute noch genießen und er ist auf seine Weise noch immer aktuell. Güteklasse hat keine Verfallszeit, jedenfalls nicht für den, der hören kann.
Was stimmt: Ein Musikinstrument, grade das Drummen als noch sehr junges Instrument, entwickelt sich. Ein Gene Krupa, ein B. Rich oder ein L. Bellson wirken einimensionaler als ein Colaiuta, als ein Weckl oder dergleichen mehr. Ein Düsenflugzeug ist halt komplexer als die alten Luftfahrräder. Aber für den, der hören kann, steckt halt die Essenz in allem Guten, egal welcher Jahrgang.
Was auch stimmt: Drummen steht seltenst im luftleeren Raum sondern zumeist in einem musikalischen Kontext. Und gerade dieser ändert sich immer schneller und auch extremer. Wenn also einige Drummer als "überholt" gelten, dann zumeist deshalb, weil die Musik, in der ihr Drummen stattgefunden hat, nicht mehr exsitiert oder antiquiert wirkt. So kommt es halt, dass aktuelle Drummer nur deshalb hoch im Kurs stehen, weil ihre Musik grade angesagt ist. Grade hier im Forum sehen wir es ja immer wieder: Drummer wie bsp. Ulrich oder der Dschoi sind schlagzeugerisch eigentlich nur bloße Fußnoten der Geschichte, werden aber von irgendwelchen Epigonen derart in den Himmel gelobt, dass sie ganze Kapitel füllen und das nur deshalb, weil der muskikalische Kontext, in denen sie sich bewegen, grade hip ist oder grade war.
Für mich persönlich klingen die Großen immer groß, egal in welchem Jahrzehnt sie grade gewirkt haben. Und ab und an wünschte ich mir schon mal wieder einen Drummer, der mich flasht, mitreißt oder die Augen öffnet. Aber ich sehe da derzeit keinen, der mit einer neuen Variante des Drummens neue Factten hinzufügt, mal etwas macht, was so noch gar nicht da war (Die Ungnade der frühen Geburt gewissermaßen). Und dann greife ich doch wieder zu dem althergebrachten, höre altes wieder neu und siehe da, es gelingt tatsächlich: bei den Großen wird man immer fündig.
Letztlich ist es wie überall: Man muss immer auf der Suche nach Neuem sein ohne das Alte zu verleugnen. So das Leben, so das Drummen,alles andere ist Firlefanz. ommmmmmmmmmm .........
See