Heftig, 30 Seiten über einen Drummer. Das hat bislang wohl noch keiner geschafft:
Ich hab noch nie irgendeine Musik gehört, in deren Kontext das typische Lang'sche Drummen Sinn gemacht oder auch nur für Furore gesorgt hätte. Dass er hunderte von Platten solide eingetrommelt hat, versteht sich bei der Qualität von selbst, aber wo ist sein musikalisches Statement ? Weniger hochtrabend: ich hab noch nix von ihm gehört, was mich anmacht.
Aber: Lang ist wohl eher exemplarisch, denn speziell: Drummer haben immer die Arschkarte gezogen und sind auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, dass sie entsprechend gebucht werden oder in einen musikalischen Zusammenhang reinrutschen, der von Bewandnis ist (Was wäre aus Vinnie geworden, wenn es keinen Zappa gegeben hätte, also zumindest bekanntheitsmäßig).
Aber anderen großen Drummern ist es seltsamerweise gelungen, TL nicht. Mag Zufall sein. Egal. Mein Leben hat sich durch das Hören und Sehen von Lang'schem Drummen jedenfalls nicht das Geringste geändert, man spricht da wohl von belanglos. Ihm wird dies nun wiederum egal sein. Also alles egal ..... ja, vielleicht ist das das Problem, was ich mit Drummen wie Lang habe: Drummen und Musik fängt an, egal zu werden. Aber auch das ist eben mein Problem, nicht seins.
Ein Kontrapunkt dazu: Ich war 13 geworden und bekam ein Sparbuch von meinen Großeltern geschenkt. Dazu gab's von der Sparkasse eine Schallplatte für Neukunden, eigentlich ein Sammelsurium von akustischen Scheußlichkeiten und Idiotien - bis auf Stück Nummer 1.
Ich legte die Platte auf: Sechs Noten einer Gitarre kommen aus dem Nichts, zerschneiden die Luft und heizen sie trotzdem dabei auf, eine kurze Beruhigung und was dann kam, flashte und elektrisierte mich vollständig, sowohl von der Musik her, als auch eben von den Drums, jeder Break, jeder einzelne Schlag: Hey Joe von Hendrix mit Mitch Mitchell an den Sticks. Ab sofort wollte ich nur noch eins: Drummen. So ist es bis heute geblieben. Wenn ich jemandem erklären müßte, was Drummen ist, was für mich die Essenz vom Drummen ist, würde ich ihm das vorspielen, das Ding trifft es. Mitchells Breaks auf 1:37 f., 2:12 f.und 2:35f. sind für mich schlicht das Geilste, was es auf Erden gibt; also nicht nur musikalisch: mehr geht nicht.
Warum fällt mir das gerade ein ? Keine Ahnung...... Vielleicht aus dem gleichen Grunde, weshalb man auf Beerdigungen an Geburten denkt.
See
PS 1: Apropos P. Hilton, für die älteren hier: könnten wir uns darauf einigen: Thomas Lang ist der Ivan Lendl der Drums.
PS 2: Für die jüngeren zur Vollständigkeit:
http://www.youtube.com/watch?v=m8Ebcx-mTns&feature=related
!! Nur anhören, das ist besagte Studioversion, das Video ist ein nicht-synchrones Playback aus dem Fernsehen!!