Beiträge von Seelanne

    negativ: gerade diese Absolutheit ist ja ihrerseits relativ. So kommen wir nicht weiter:
    Es wie mit dieser verdammten Immanenz: Die Immanenz ist permanent und zugleich die Permanenz immanent. Oder: Die Welt ist im Kopf und zugleich der Kopf in der Welt. Deshalb ist alles ein Witz und eine Tragödie gleichzeitig.


    Oder um es musikalisch auzudrücken: Slipknot ist Heino.


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    Das ist der Irrtum der Modernen, vielleicht ihr Größter: "Individualität".


    Nein, es klingt nicht jeder individuell, sondern einfach nur anders, ohne das es irgendjemanden noch interessiert. Individualität ist nur dort von Interesse, wo es etwas "mainstreammäßiges" gibt, von dem man sich abhebt. Wenn aber alle anderen, von den mann sich abheben will, ebenfalls individuell und eigen sind, ists keine Individualität mehr, sondern schlicht und ergreifend nichtssagende Beliebigkeit: Das moderne Individuum ist kein einzelständiges Etwas, sondern ein relatives Nichts.


    Okay-okay, ja ne, ist auch schon spät. Kurz und gut: Spielt was ihr wollt, interessieren tut das keine Sau.


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    I. Drums vs. Computer


    1. Live
    Also ich denke, die ganze Sache mit den Compi-Drums haben sich aufs NormalMaß runtergeschraubt:


    - Pop: Ich kenne keine einzige Band von Format, noch nicht mal einen Einzel-Künstler, der sich live die Trommeln vom Band schicken läßt. Sie alle lassen trommeln und warum auch nicht: Die Drummer sind derart auf breiter Ebene technisch und timingmäßig versiert geworden, dass es den Maschinen an den Kragen ging. Diese wurden ja nur zu einer Zeit schwerpunktmäßig gebraucht, als die ganzen Sequenzer-Sachen vom Band kamen und es nur wenig Drummer gab, die das spielen konnten. Die Drummer zogen aber schnellstens nach und heute - eigentlich schon seit 15 Jahren - gibts keine Drummer von Format mehr, die im Spielen mit Sequencer-Sachen Probleme hätten.
    Selbst musikalische Kindergarten-Boygroups-oder-Hupfdohlen-Truppen haben Backgroundcombos und damit auch Drummer, die einem (jedenfalls von der technischen Seite) die Zunge raushängen lassen, das war bei Take That so, N'sync, oder heutzutage eben Beyonce und Konsorten.


    - Rock/Metal: Die meisten Kombos brauchen keinen Sequencer und von daher auch wenig bis wenig Click. Aber die Güte auch der meisten der Drummer dort weiß mit einem Click zur Not sehr gut umzugehen, das Niveau ist insgesamt doch sehr hoch. Wobei die Metaller seltsamerweise disziplinierter erscheinen als die Whiskey-saufende und Zigarette-lose-im- Mundwinkel-hängen-lassende reine Rockfraktion. (Naja, Genie war schon immer lässiger als bemühtes Arbeiten =)


    - Unsere Jazzer habens nicht gebraucht, brauchens nicht und werden es nie brauchen. Und doch: Die besten, wir wissen es, sind zugleich auch teilweise zumindest mittlerweile die Perfektesten, wenns um Timing geht.
    Wobei das alte europäische Anti-Groove-Jazzdrumming auch mittlerweile der Vergangenheit angehört. Diese lange Zeit sehr verbreitete seltsame Art von europäischen Jazzdrummern, den Groove aus ihrem Stil zugunsten einer fast schon weinerlichen Vergeistigung zu verbannen, hört man immer seltener.


    2. Studio
    Eigentlich alles siehe oben. Mit der Radiotauglichkeit als allein auschlaggebendes Kriterium für Güte kam der Ruf nach Norm, was in Sachen Zeit halt der Click ist. Ich kanns ja irgendwie auch verstehen. Wenn man Millionen in eine Band steckt, will man auch halt im Studio das beste Ergebnis haben.
    Aber hier waren auch wieder nur solange die Comps in Vorteil, wie die Drummer das nicht bringen konnten, was die Produzenten wollten: Schnelle perfekte Ergebnisse. Aber auch da haben die Drummer eben aufgeholt und den Vorsprung eingeholt und noch mehr: Für einen Produzenten, der nicht gerade nur mit Drums'bass arbeitet ist es teilweise einfach billiger einen Drummer zu holen, der das ganze in 1 - 2 Takes einspielt, als sich selber mit dem ganzen Programmieren zu stressen bzw. einen zu bezahlen, der das für ihn tut.
    Beste Beispiele sind - als unabhängiger Drummer - Kenny Aronoff, sicherlich kein Technik-Schwein, hat aber für einen bestimmten Stil einfach DEN Mörder-Groove, der ihn nicht arbeitslos werden läßt. Oder als lokales Beispiel: Ralf Gustke. Ausgerechnet bei einer Musik, in der Programming eigentlich an der Tagesordnung ist, zeigt Gustke jedem Computer und jedem Programmierer 'ne lange Nase. Bis irgeneiner seine traumhaften Hihat-Sequenzen einprogrammiert hat, ist Ralf schon in den Urlaub, aus dem Urlaub zurück und hat die nächste Scheibe eingespielt.


    II. Allgemein
    Bleibt eigentlich letzlich nur noch die Frage nach dem Grundsätzlichen: Also Click hin Click her, im kommerziellen Bereich mag es angesagt sein, zum Üben unerläßlich, aber die ganze Sache hat eben auch einen Haken:


    Ich kenn immer mehr Drummer, die nicht richtig grooven. Vor lauter Click-Gebolze haben die offenbar vergessen, eine innere Uhr zu bilden. Ich habe das selbst schon bei Profis gehört oder höre es hier bei lokalen Jazzsessions: Es klingt alles sauber und nett, aber grooven, also so richtig, ne das tuts nicht. Aber wie ich meine zeigt sich da nach wie vor das Talent des Drummers: Ob er einen Groove hat.


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    genau, dann dürfte die Entscheidung nicht schwer fallen. Alles, was es nur einmal gibt, ist kappes und ein Witz. Deshalb ist das ja auch so.
    (Das Leben im übrigen auch.)


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    das ist doch im Leben kein 6er, wenn dann das 9,5er, aber ich meine, es wäre ohnehin kein Zilbel, sondern ein LP Ice Bell.


    EDITH: nehme alles zurück, is nen Zilbel, aber ich bleib mein meinem Tip des 9,5er

    Die Übersichtlichkeit ist bei allen Firmen mittlerweile zum Kotzen: Mit gehts bei Ziljian und ihren "Complex-Dry-Signature-Super-Ping-Constantinopel". "Oriental-Hasteschongesehen" und "A-Custom-Super-Fast-Geschichten" ähnlich.


    Das Problem ist aber ein Zeichen der Zeit: Weil die Leute immer weniger kaufen, müssen immer neue Produkte erfunden werden, egal ob gut oder nicht,
    weil in der Logik der Marktwirtschaft sich nur Neues gut (=häufig) verkauft. Die Rechnung geht aber nicht auf: Am Ende sind alle nur noch damit beschäftigt, den Markt zu sichten und kommt vor lauter Suchen und Sondieren, Testen und Schrauben nicht mehr zum spielen und auch nicht mehr zum Kaufen.


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    Nach wie vor für mich der Inbegriff des Jazz:


    - Miles Davis - The complete Concert 1964 - mit einem 20jährigen Tony Williams und einem auch erst 24jährigen Herbie Hancock. Die ersten 3 Minuten des Konzert-Intro's mit Miles KurzSolo sind irgendwie Musik eines Außerirdischen und wenn Miles den Dämpfer wegnimmt, sind die folgenden Noten DAS Amen der Modernen.


    - Ansonsten auch alles vom Michel Camillo: Sowohl seine ersten Sachen mit Weckl und Rosenblatt an den Drums ("We three", "In trio" und "Why Not"), sein Bigbandausflug ("One more Once"), mit schlicht nicht mehr fassbaren Pianosoli und Bläsersätzen und dem schießlich völlig ausgereift und ruhigem "Thru my Eyes". Letzteres mit schlichtweg DER "Afro Blue" Version aller Zeiten: unglaublich.


    - Im übrigen auch immer wieder ein Anspieltip wert: Die gelben Hosen mit Will Kennedy. "Storyteller" gehört zu meinen Alltimfavorites mit Russel Ferrante's bestem Solo.



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    Original von macmarkus
    da du dich wohl noch nicht ganz durchgerungen hast, werfe ich mal folgendes "männer"set für $2750 (in euro geradezu ein schnäppchen) ein ... du kannst dich ja mal mit dem verkaufswilligen ("gmrakich", zu finden in drummerworld.com) kurzschließen.



    Den Augenkrebsauslöser seh ich ja jetzt erst: Da schlimmste Finish aller Zeiten aller-aller-aller, und doch: einen Vorteil hat es : Kein Mensch achtet dabei mehr auf die Böckchen :-).


    Im übrigen: Mensch Phil, ich würde mal nichts überhasten: Tu dir die Ruhe, ninmm dir 'nen Keks und besorge dir nochmal auch die neuesten Kataloge von Yamaha, Pearl, Spaun, Pork Pie und usw. und dann lass das alles nochmal Revue passieren. Ich denk, du gehts an die ganze Nunmmer doch am Ende eine Terz zu hektisch ran. Nur Gemach: Jetzt bloß nicht kurz vor Toresschluss in panische Schnellfeueraktionen geraten, die man am Ende doch wieder nur bereut. Das will alles gut durchdacht sein. Gut Ding will .. und so.


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    [
    @ seelanne: Soll heißen, dass das coated fell "härter" klingt oder was?


    Seltsamer Weise: Ja. Keine Ahnung warum. Es müßte andersherum sein. Kann auch sein, dass es an den Frequenzen im Proberaum liegt, kann ich mir dann aber auch nicht schlußendlich vorstellen. Es klingt konkreter, das clear ist plastschiger, nasser.


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    bei den Soundvostellungne käme auch ne


    Paiste Dark Energy
    in Betracht. Da hast du dann deinen warmen weichen ausgeglichen Sound.
    Wenn du das finanztechnsich stemmen kannst, dann ran an den Speck.


    Ansonsten: es kommt vor, dass nichts auf dem Markt den eigenen Vorstellungen entspricht. Ich habe 20 Jahre lang keine Crashs gekauft, weil ich alle irgendwie ungut fand. Dann kamen die Dark Energys und : voila!.
    Nun werde ich wieder 20 jahre lang keine kaufen.


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    Original von evil
    kann jemand was über den klanglichen unterschied zwischen dem clear und dem coated emad aussagen? lohnt ggf. ein wechsel?


    Ich dachte eigentlich, dass coated müßte gegenüber dem Clear noch etwas breiter und wäremer mit weniger Attack sei, aber es war genau umgekehrt: Keine Ahnung warum. Bin jetzt wieder zum Clear zurückgekehrt.


    Allerdings das doppelagige würde mich schon mal reizen, aber ich denke, das wird dann doch ne Terz zu heftig. Das dürfte es mit der Dynamik anonsten dann gewesen sein.


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    Original von Philippe
    trommeln lernen.


    Man muß nicht trommeln lernen, man muss auch nicht besser werden:
    Einfach vergessen, wie schlecht man ist.


    Das hebt die Stimmung ungemein und geht auch noch schneller.