I. Drums vs. Computer
1. Live
Also ich denke, die ganze Sache mit den Compi-Drums haben sich aufs NormalMaß runtergeschraubt:
- Pop: Ich kenne keine einzige Band von Format, noch nicht mal einen Einzel-Künstler, der sich live die Trommeln vom Band schicken läßt. Sie alle lassen trommeln und warum auch nicht: Die Drummer sind derart auf breiter Ebene technisch und timingmäßig versiert geworden, dass es den Maschinen an den Kragen ging. Diese wurden ja nur zu einer Zeit schwerpunktmäßig gebraucht, als die ganzen Sequenzer-Sachen vom Band kamen und es nur wenig Drummer gab, die das spielen konnten. Die Drummer zogen aber schnellstens nach und heute - eigentlich schon seit 15 Jahren - gibts keine Drummer von Format mehr, die im Spielen mit Sequencer-Sachen Probleme hätten.
Selbst musikalische Kindergarten-Boygroups-oder-Hupfdohlen-Truppen haben Backgroundcombos und damit auch Drummer, die einem (jedenfalls von der technischen Seite) die Zunge raushängen lassen, das war bei Take That so, N'sync, oder heutzutage eben Beyonce und Konsorten.
- Rock/Metal: Die meisten Kombos brauchen keinen Sequencer und von daher auch wenig bis wenig Click. Aber die Güte auch der meisten der Drummer dort weiß mit einem Click zur Not sehr gut umzugehen, das Niveau ist insgesamt doch sehr hoch. Wobei die Metaller seltsamerweise disziplinierter erscheinen als die Whiskey-saufende und Zigarette-lose-im- Mundwinkel-hängen-lassende reine Rockfraktion. (Naja, Genie war schon immer lässiger als bemühtes Arbeiten 
- Unsere Jazzer habens nicht gebraucht, brauchens nicht und werden es nie brauchen. Und doch: Die besten, wir wissen es, sind zugleich auch teilweise zumindest mittlerweile die Perfektesten, wenns um Timing geht.
Wobei das alte europäische Anti-Groove-Jazzdrumming auch mittlerweile der Vergangenheit angehört. Diese lange Zeit sehr verbreitete seltsame Art von europäischen Jazzdrummern, den Groove aus ihrem Stil zugunsten einer fast schon weinerlichen Vergeistigung zu verbannen, hört man immer seltener.
2. Studio
Eigentlich alles siehe oben. Mit der Radiotauglichkeit als allein auschlaggebendes Kriterium für Güte kam der Ruf nach Norm, was in Sachen Zeit halt der Click ist. Ich kanns ja irgendwie auch verstehen. Wenn man Millionen in eine Band steckt, will man auch halt im Studio das beste Ergebnis haben.
Aber hier waren auch wieder nur solange die Comps in Vorteil, wie die Drummer das nicht bringen konnten, was die Produzenten wollten: Schnelle perfekte Ergebnisse. Aber auch da haben die Drummer eben aufgeholt und den Vorsprung eingeholt und noch mehr: Für einen Produzenten, der nicht gerade nur mit Drums'bass arbeitet ist es teilweise einfach billiger einen Drummer zu holen, der das ganze in 1 - 2 Takes einspielt, als sich selber mit dem ganzen Programmieren zu stressen bzw. einen zu bezahlen, der das für ihn tut.
Beste Beispiele sind - als unabhängiger Drummer - Kenny Aronoff, sicherlich kein Technik-Schwein, hat aber für einen bestimmten Stil einfach DEN Mörder-Groove, der ihn nicht arbeitslos werden läßt. Oder als lokales Beispiel: Ralf Gustke. Ausgerechnet bei einer Musik, in der Programming eigentlich an der Tagesordnung ist, zeigt Gustke jedem Computer und jedem Programmierer 'ne lange Nase. Bis irgeneiner seine traumhaften Hihat-Sequenzen einprogrammiert hat, ist Ralf schon in den Urlaub, aus dem Urlaub zurück und hat die nächste Scheibe eingespielt.
II. Allgemein
Bleibt eigentlich letzlich nur noch die Frage nach dem Grundsätzlichen: Also Click hin Click her, im kommerziellen Bereich mag es angesagt sein, zum Üben unerläßlich, aber die ganze Sache hat eben auch einen Haken:
Ich kenn immer mehr Drummer, die nicht richtig grooven. Vor lauter Click-Gebolze haben die offenbar vergessen, eine innere Uhr zu bilden. Ich habe das selbst schon bei Profis gehört oder höre es hier bei lokalen Jazzsessions: Es klingt alles sauber und nett, aber grooven, also so richtig, ne das tuts nicht. Aber wie ich meine zeigt sich da nach wie vor das Talent des Drummers: Ob er einen Groove hat.
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