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  • »Oliver_Stein« ist männlich
  • »Oliver_Stein« ist der Autor dieses Themas

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Mittwoch, 18. Dezember 2019, 22:19

Vergleich Focusrite/Behringer/Zoom Mic-Preamps und AD-Wandler

An anderer Stelle hatte ich diesen Vergleich bereits angekündigt, hier ist er nun also für alle zum Vergleichshören.
Folgende Geräte und Pre-Amp/Wandler Kombinationen kamen zum Einsatz:

-Behringer ADA 8000
-Focusrite Clarett 4Pre USB - Inputs 5-8 (Line-In mit Behringer PreQ 502 als Preamp davor)
-Focusrite Clarett 4Pre USB - Inputs 1-4 (Mic-In) ohne und mit AIR Feature
-Behringer X32 (die normalen XLR Local-Ins)
-Zoom H5 Aux-Input am XY-Mic (mit Behringer PreQ 502 davor)
-Zoom H5 Input 3 u. 4 (XLR mit Phantomspeisung)


Vielleicht ein paar Worte zur Auswahl der Testkandidaten: zunächst sind das einfach die Geräte, die mir momentan für Aufnahmen zur Verfügung stehen. Sie stehen aber gleichzeitig auch für drei Geräteklassen, die heutzutage sehr häufig für Aufnahmen zum Einsatz kommen: Da wäre zunächst der Vierspur-Handyrecorder, der in der Basisaustattung über ein internes X/Y-Mix mit Aux-Eingang sowie zwei separate Mic/Line-Eingänge mit Phantomspeisung verfügt.
Dann steht das Focusrite Clarett 4Pre USB als Stellvertreter für die große Zahl an Audiointerfaces für den Anschluss an einen Computer. Und schließlich das X32 (mit all seinen Ablegern wie XR18 usw.), das für die Klasse der neuen Digitalpulte mit Mehrkanal-Interfaces steht. Teurer geht immer, aber diese drei Gerätegattungen dürften zumindest im Amateurbereich derzeit für die Masse an Aufnahmen zum Einsatz kommen.

Zu den drei Grundgeräten kamen im Test noch der Behringer ADA8000 dazu, der über seinen ADAT-Ausgang das Clarett mit acht weiteren Kanälen erweitern kann. Außerdem noch der Stereo MIC-Preamp Behringer PreQ 502, der aus den Tagen stammt, als Behringer noch in Deutschland fertigte. Der PreQ ist ein solides Arbeitsgerät, kein High End, aber auch kein Schrott.

Nun zum Setup des Tests: Für einen Vergleich braucht man im Idealfall absolut identisches Aufnahmematerial - bereits hier scheitert man bzw. ich: die Mittel zur Abbahme eines kompletten Drumsets sind da, aber es bestand für mich keine Chance, Mikrofonsignale so in identische Wege aufzusplitten, das man mehrere Aufnahmegeräte gleichzeitig bestücken kann mit dem gleichen Audiomaterial. Da blieb nur, die Mikrofonierung unverändert zu lassen und die Geräte nacheinander zum Einsatz zu bringen. Um einen Vergleich zu ermöglichen, sollte man dann etwas möglichst gleichartiges spielen. Klingt erstmal einfach , ist es aber in der Praxis keineswegs: Im Laufe einer mehrstündigen Aufnahmesession verändert man das Spiel unbemerkt, der Vergleich wird dadurch erschwert. Dazu kommt, dass man unterschiedlich laut gepegelte Spuren auf der Festplatte hat, die vor einem Vergleich erst aufwändig angepasst werden müssen.

Der konkrete Aufbau sah wie folgt aus: das Drumset war mit acht Mikrofonen abgenommen, die wie folgt verteilt waren

BD Shure Beta52a
Snare Shure SM57
Overheads 2x Oktava Mk102
Tom1-3 Beyerdynamic M201TG
Tom 4 Ibanez TH800 TechII
Raum 2x AKG C414B-ULS in Einstellung Kugel

Damit habe ich in 12 verschiedenen Kombinationen von Geräten und Samplingfrequenzen Testaufnahmen erstellt.

Nach Sichtung des ganzen Materials war aber schnell klar, das für einen aussagekräftigen Vergleich die Mixe des gesamten Sets nicht geeignet sind, da sie immer aus unterschiedlichen Eingangskonfigurationen bestehen und damit Unterschiede der MicPreamps und der Wandler verdeckt werden. Daher habe ich mich entschieden, für den Vergleich hier nur die Stereo-Overheadspur heranzuziehen, da man damit die filigranen Unterschiede noch am ehesten heraushören kann.

Etwas außer Konkurrenz stehen auch noch die Aufbahmen der beiden Raummikrofone zur Verfügung, allerdings nur in drei Varianten: über den ADA8000, über die Mic Inputs des Focusrite Clarett ohne AIR Feature und dann nochmal mit AIR Feature.

Das folgende Material liegt als Wave-File in 48 kHz und 24 Bit vor und ist in der Lautheit angeglichen und vom Ablauf weitestgehend identisch, da es zu gleichen Playback eingespielt wurde. Diese Spuren kann man sich also in einer DAW untereinanderlegen und direkt hin- und herschalten:

Overhead-Aufnahmen zum Playalong:

Behringer-ADA800_Overheads_Playalong
Focusrite_Clarett_Line-Input_PreQ502_Overheads_Playalong
Focusrite_Clarett_Mic-Input_Overheads_Playalong
Behringer-X32_Local-Ins_Overheads_Playalong
Zoom_H5_Aux-In_PreQ502_Overheads_Playalong
Zoom-H5_XLR-Ins_Overheads_Playalong

Focusrite_Clarett_Mic-Input_AIR_Overheads_Playalong

Hier der Link für alle Dateien zusammen: https://app.box.com/s/rapo5mqr9luqti4g4v61951jpom3eeua


Hier die drei ebenfalls in der Lautheit angepassten Raumspuren zum Playalong:

Behringer-ADA800_Room-Mics_Playalong
Focusrite_Clarett_Mic-Input_Room-Mics_Playalong

Focusrite_Clarett_Mic-Input_AIR_Room_Mics_Playalong

Hier der Link für alle drei Dateien zusammen: https://app.box.com/s/s6ldc5l10l4zmmuh3mo42pjykbon6fnv


Die jetzt folgenden Ausschnitte aus den Testaufnahmen sind ähnlicher Natur, aber nicht immer gleichartig und auch nur grob in der Lautheit angepasst:

Becken leise: https://app.box.com/s/1j6iclvv409jm50x1vq25tu8jynid23o
Becken laut: https://app.box.com/s/ceswckfrqhgsekv872vvj45j8h2aj3um
Jazzpattern: https://app.box.com/s/1b235r5v4bwhd3wot6ed9ur57dvfx7rf
Toms: https://app.box.com/s/77r3im2p6v6rn2cqqwgpzxkpjz6qz8w6
Groove: https://app.box.com/s/lbjzoch9j206fo4lo6fj974wbjixtabd

(PS: die Links auf die einzelnen Dateien reiche ich ggf. noch nach - das war im Moment einfach zu viel Arbeit)


Das gesamte Material kann hier in einem Rutsch heruntergeladen werden zum Import in eine DAW: https://app.box.com/s/r0akk1obq1jodyxgk8l0wg3xau33wk3n

Ich bin gespannt auf eure Eindrücke zu den unterschiedlichen Pre-Amps/Wandlern. Die Aufnahmen mit aktiviertem AIR Feature fallen aus dem direkten Vergleich eigentlich heraus, da hier bewusst mit einer Filterschaltung die Höhen angehoben werden. Meine eigenen Eindrücke halte ich erstmal zurück und lasse euch für den Moment den Vortritt! Viel Spaß beim Hören und Vergleichen! :)
»Oliver_Stein« hat folgende Dateien angehängt:

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Oliver_Stein« (18. Dezember 2019, 22:37)


Nick74

aka Martin6

  • »Nick74« ist männlich

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2

Donnerstag, 19. Dezember 2019, 11:54

Also erster Eindruck bei mir (mit meiner 20 Euro Consumer 2.1 Abhöre "Trust Cubo"), das Focusrite mit den internen PreAmps klingt am besten (edelsten): erdig, druckvoll, keine primitiven Höhen. Die Bassdrum hat z.B. diese geile Sub-Bass-Wärme und -Druck. Die Räumlichkeit (vor allem bei der OH-Spur) ist am ausdrucksstärksten. Die Sonne geht mehr auf. Die Behringer Adat-Gechichte finde ich am schwächsten und ausdruckslosesten: ganz schön flach. Das Zoom über die internen Pre's färbt ganz schön in Richtung Höhenboost, welcher mir aber ein wenig zu primitiv klingt. Der warme Bassdrum-Druck kommt auch nicht ganz ran, aber insgesmt würde ich beim Zoom sagen Platz 2. X32 und auch der alte PreQ502(egal woran) sind dann bei mir auf Platz 3 und 4 (in der Reihenfoge). X32 ist nicht wirklich oberschlecht aber auch nicht geil. Werd's vielleicht nochmal über hochwertigere Abhören gegenchecken. Vielen Dank für den Test und deine Mühe, Oliver.

m_tree

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  • »m_tree« ist männlich

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3

Donnerstag, 19. Dezember 2019, 13:51

Danke für die Mühe! :)

Ich hab nur mal kurz den ADA8000, das Clarett "neutral" (ohne Preamp und Air) und das X32 miteinander verglichen. Und auch nur "Becken laut" und "Groove". Später evtl. mehr, aber der unvoreingenommene Ersteindruck ist bei sowas sowieso besonders wichtig.

Und mir gefällt in dem Kontext das X32 irgendwie am besten. Mit dem ADA8000 hatte ich selber gearbeitet. Da hört man den Preis schon irgendwie noch. Was mir beim Clarett auffällt ist, dass es eben clean und sehr transparent klingt. Was zwar prinzipiell gute Klangeigenschaften sind, muss nicht zwangsläufig besser gefallen, schon gar nicht im musikalischen Kontext. Das ist auch der Grund dafür, dass alten, "rotzigen" Preamps und noch "rotzigeren" Tonband Aufnahmen immer noch so viel Prestige anhaftet. Was ich weniger für Voodoo halte als z.B., dass man teure Geräte im Blindflug generell als besser klingend einordnet.

Das X32 gefällt mir hier wohl genau aus diesem Grund am besten: Es verschluckt ein paar Details und klingt etwas kompakter und weniger scharf als das Clarett, ohne dabei so schwammig und anstrengend wie der ADA8000 zu klingen.

Den Zoom habe ich nicht verglichen, weil ich den nur mit den eingebauten Mikros benutzen würde (vom Notfall abgesehen) und die beiden "gefärbten" Clarett Versionen, weil sie halt gefärbt sind. Man hört da halt den Preamp und die Airfunktion (letztere gefällt mir übrigens nicht so).

Soundclass

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4

Montag, 23. Dezember 2019, 18:51

Und wer richtig einen auf dicke Hose machen will, besorgt sich dieses Teil hier: :D

https://www.youtube.com/watch?v=4ONbsA9uypU

  • »DrumForJesus« ist männlich

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5

Donnerstag, 9. Januar 2020, 06:52

Vielen Dank erstmal an Oliver für die Zeit und Mühe, die in diesen Vergleichstest gesteckt wurden! =)
Warum hier so wenig Feedback kommt, könnte auch daran liegen, dass für viele, beim Homerecording das Gras wachsen hören zu müssen, eine eher untergeordnete Priorität hat.
Tatsache ist, dass die heutige - auch preiswerte - Digitaltechnik ein Quantensprung gegenüber der Compact-Cassette aus meiner Jugendzeit ist.
Mit meinen abgenutzten Ohren nehme ich durchaus kleine Unterschiede wahr:

PreQ klingt, als ob ein ganz dünner Vorhang vor dem Drumset hängt,
Focusrite spritziger, jedoch noch nicht aggressiv,
X32 dagegen wieder etwas "muffiger", aber keineswegs so ausgeprägt wie PreQ,
Zoom klingt fast schon erschreckend frisch und "modern".

"Besser" und "schlechter" kann ich überhaupt nicht sagen, alles geht mehr nach persönlicher Vorliebe, bzw. welchen Sound man bevorzugt. Im Blindtest könnte ich sowieso keines der Geräte eindeutig identifizieren.
Wäre ich jetzt gezwungen, mich ungeachtet des Geldbeutels und der weiteren Features für ein Gerät zu entscheiden, würde ich Focusrite nehmen. Genau begründen kann ich das aber nicht. Irgendwie vermittelt dieses Gerät, dass es gegenüber den anderen noch "Luft nach oben" hat.... :S

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »DrumForJesus« (9. Januar 2020, 10:17)


Rampen

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  • »Rampen« ist männlich

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6

Donnerstag, 9. Januar 2020, 12:08

Der Hauptgrund für mich mich an der Diskussion nicht zu beteiligen war, dass ich fürchte dass die Unterschiede in der Performance nur schwer eine qualifizierte Aussage über die Unterschiede der Preamps/Wandler erlauben. Trotzdem aber natürlich vielen Dank an Oliver für das strukturierte Angehen der Mythen und Annahmen im Recording :thumbup: !
Nix da.

  • »Oliver_Stein« ist männlich
  • »Oliver_Stein« ist der Autor dieses Themas

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7

Donnerstag, 9. Januar 2020, 22:26

Dann will ich auch mal meine Eindrücke zum Besten geben:

Für mich am klarsten und transparentesten klingen die Focusrite Clarett Vorstufen ohne AIR-Schaltung - diese bilden auch den Raum besser ab als alle anderen Varianten. Im Druckbereich der Snare fehlt es hier im Vergleich etwas, da scheinen andere Kombinationen mehr zu verdichten.

Die Mic-Eingänge des H5 haben im Vergleich viel Höhen und klingen dadurch erstmal recht frisch - sie sind aber dabei nicht so transparent wie die Clarett Pres. Trotzdem ein sehr repektables Ergebnis in meinen Augen.

Der PreQ sorgt sowohl beim H5 als auch beim Line-Eingang des Focusrite Clarett für einen etwas drückenden Klang - man hat immer das Gefühl, dass es obenrum irgendwie unpräzise ist.

Die Inputs des X32 haben diese Tendenz auch - man hat das Gefühl, von oben hängt eine Decke nah über dem Kopf. Bei den Eingängen des ADA8000 ist dieser Effekt noch stärker, wobei letzterer auch im Tiefmittenbereich viel "Fleisch hat" - für manche Signale kann das auch mal passen.

Die Clarett-Pres mit AIR-Feature haben deutlich angehobene Höhen - das passt nur bei bestimmten Signalen. Gut funktionierte das z.B. bei Stimmaufnahmen mit dem AKG C414B-ULS, dass tendentiell eher etwas bedeckter im Hochtonbereich ist. Bei den Overheads ist es mir zuviel - bei einer Snare wiederum könnte es passen. Insgesamt aber eher nette Zugabe als wichtiges Feature für mich.

Mich würden jetzt persönlich zwei Sachen interessieren: welche Preamps muss von vor die Line-Ins des Clarett hängen, damit es ähnlich offen und frei wie bei dessen Mic-Ins klingt und wie schlagen sich die Preamps der MIDAS-Stageboxen gegenüber den X32 Preamps... letzeres kann ich ggf. mal testen, da ein Bekannter eine MIDAS Stagebox hat. Das andere ist wahrscheinlich sehr aufwendig - ich könnte einen RME Quad-Pre leihen, der mir bisher als sehr gut klingend aufgefallen ist. Also: to be continued...

Nick74

aka Martin6

  • »Nick74« ist männlich

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8

Donnerstag, 9. Januar 2020, 23:03

Sehr gut, da sind wir im Großen und Ganzen einer Meinung!

...ich denke, mit 'nem RME Quad-Pre kommst du garantiert in die Richtung.

  • »DrumForJesus« ist männlich

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9

Freitag, 10. Januar 2020, 09:45

...welche Preamps muss von vor die Line-Ins des Clarett hängen...

MÜSSEN (nur, weil die Line-Ins vorhanden sind) muss man ja gar nicht. ;)
Mit einem RME wäre die ganze Geschichte aber in Summe teurer als gleich ein 8er Clarett, oder täusche ich mich da? :huh:

Nick74

aka Martin6

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10

Freitag, 10. Januar 2020, 10:43

Mit einem RME wäre die ganze Geschichte aber in Summe teurer als gleich ein 8er Clarett, oder täusche ich mich da?
Vielleicht kommt er günstig ran...ansonsten guter Punkt!