Möchte noch darauf hinweisen, dass meine Darstellung und Argumentation vielleicht etwas zu einseitig rüberkam. Allerdings wollte ich damit vor allem so einseitigen Darstellungen widersprechen, weil es eben viele Wege und Möglichkeiten gibt und jeder auch Vorlieben für die eigene Vorgehensweise entwickelt.
Bei kreativen Schaffensprozessen ist die Idee, häufig verbunden mit einer Emotion, eigentlich immer zuerst da.
Das dann für sich und die Nachwelt festzuhalten ist erst der nächste Schritt. Das muss nach meiner Erfahrung und meines Wissens auch nicht sofort passieren, denn bis etwas wirklich fertig ist, kann es dauern. Meistens ist das Gehirn und der "Flow" des Kreativen ja groß und "fit" genug, um den Erguss in seiner Entstehung weiter zu formen, noch bevor es final niedergeschrieben oder aufgenommen wird. Und genau das sind dann auch die beiden Möglichkeiten, um es festzuhalten.
(Arbeits-)Aufnahmen oder Notationen können dann während des kreativen Prozesses behilflich sein, um das Ergebnis zu reflektieren und zu perfektionieren.
Wie man das genau macht ist allerdings Geschmackssache, würde ich mal behaupten.
Ganz anders sieht das aus, wenn man etwas nachspielt. Da haben Noten eine ganz andere Relevanz. Ähnlich auch, wenn man sich komplizierte Dinge auf dem Papier ausdenkt und man die Noten braucht, um sie zu verstehen. Ich würde aber mal behaupten, dass diese Herangehensweise nicht sehr verbreitet in kreativen Schaffensprozessen ist. Die Kunst ist ja letztendlich auch, das Instrument und die Performance nur als "Träger" einer Emotion zu nutzen.
Wenn man sich eine Aufnahme anhören kann, kann man es mit entsprechender Gehörbildung aber auch ohne Noten nachspielen!
Ich denke, dass sehr viel moderne Musik (abseits von klassischer Orchestermusik, die von Komponisten geschrieben wird) ohne Notationen entstanden ist. Arbeitsaufnahmen sind mögliche Zwischenschritte und die finale Studio-Aufnahme dann der Abschluss.
Und allein die Möglichkeiten der Soundgestaltung sind heutzutage so mannigfaltig - das kann keiner auch nur ansatzweise in Notenform unterbringen. Weder wie jemand groovt und "klingt" noch wie er sein Set zusammenstellt, befellt, stimmt, mikrofoniert usw. - vom Mixdown mal ganz abgesehen.
Gestern hatte ich wieder den Schüler im Unterricht, der wegen Lehrkräfte-Mangel z.Z. keinen Musikunterricht in der Schule hat.
Mir ist im Gespräch mit dem Papa dazu eingefallen, dass im Musikunterricht in der Schule i.d.R. gar keine Schlagzeugnoten behandelt werden.
Schlagzeugnoten sind gegenüber dem klassischen Tonsystem sowieso eine spezielle Randerscheinung und wie ich ja bereits schrieb, oft auch nicht einheitlich. Die Positionen und Symbole variieren da je nach Quelle / Autor durchaus immer mal wieder. Sind das dann unterschiedliche Dialekte oder Schriftsprachen? Wer weiß ... ich halte den Vergleich mit Sprache und Text jedenfalls nach wie vor für relativ weit hergeholt.