HUTKASSE - JA - NEIN - ODER?

  • ....Auf der anderen Seite geht das abgehalfterte Duo mit schlecht gespielten Cover-Versionen von Songs die jeder mitgröhlen kann einen mit schlanken 500 EUR pro Nase nach Hause; einfach weil dafür eine Nachfrage da ist und irgendein Wirt das Ganze mit dem Umsatz von Getränken gewinnbringend flankieren kann.

    :thumbup: :thumbup:  :thumbup:

    "Schlecht gespielt" ging ja vielleicht noch, aber wenn dann noch 80% "vom Band" kommen ist das ja schon fast "Betrug".

    Was mich dabei aber am meisten aufregt/ärgert ist, dass das Publikum das zu 95% überhaupt nicht mit bekommt (interessiert) und ein plötzlich "ertönender" dreistimmiger Bläsersatz (bei einem Duo) als "normal" angesehen wird. Oder ein Saxophon-Solo mit voller Hingabe "Playback" auf dem Keyboard gespielt wird...ok ich schweife ab.


    Zum Thema:

    Aus den verschiedenen Beiträgen ist eigentlich, wie so Oft, erkennbar das es sehr viele unterschiedliche Meinungen, Erfahrungen, Situationen, (Lebens-) Umstände usw. dazu gibt die sich schwer (oder gar nicht) miteinander vergleichen lassen.

    Insofern halte ich eine generelle Aussage "Hutkasse JA/NEIN" für sinnlos, denn letztendlich muss das jeder (in Abstimmung mit seinen Mitmusiker/innen) selbst entscheiden.

    Wenn man in mehreren Formationen spielt kann es auch Unterschiede geben. Z. B. in einer "3 Mann Spaßtruppe" auf kleinen Veranstaltungen kann es Sinn machen den Hut herum gehen zu lassen, was hingegen bei einem Gig mit der "Tanzband" auf einem Ball o. ä. natürlich überhaupt nicht geht.


    Gruß

    Ralf

    Bier und die Pfalz, Gott erhalt's ;)

  • Meiner Meinung nach ist "Pay 2 Play" immer schlecht für alle, die Musik machen, egal ob man davon lebt oder nicht.
    Auch wenn's einem Hobbymusiker nicht ums Geldverdienen geht, stehe ich einer solchen Entwertung der Musik sehr kritisch gegenüber.

    Kann ich nachvollziehen. Im Zweifel präsentiert man dann seine Musik aber gar nicht in der Öffentlichkeit. Das wäre dann konsequent.


    Sobald es um Geld geht, kommen eben Regeln von Marktwirtschaft und Ökonomie zum Tragen. Kunst und Kultur kosten erstmal immer Geld, weil es mindestens mit zeitlichem Aufwand und oft auch mit materiellem Aufwand zur Konzeption, Erstellung, Darbietung etc. verbunden ist. Wer trägt den Aufwand:

    • Der Musiker (zwischen 0 und 100%)
    • Der Gast (zwischen 0 und 100%) über den Eintritt
    • Sponsoren (zwischen 0 und 100%)
    • Öffentliche Hand (zwischen 0 und 100%) über Subventionen, Kulturförderung etc.

    Ich erinnere mich an die Touren von Pink Floyd, Genesis und Bon Jovi in den 1990ern, die zwar Stadien voller (gut) zahlender Gäste hatten, aber trotzdem auf das Sponsoring von VW angewiesen waren, um den Aufwand zu finanzieren. Heute hat in meinem Umfeld jede Stadtfestbühne ein Unternehmen als Sponsor, da Bühne, Technik und Bands ansonsten nicht finanzierbar wären. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten müssen aber sowohl Unternehmen als auch Öffentliche Hand noch mehr als in früheren Jahren abwägen, was konkret finanziell unterstützt wird.


    Die Zahl an möglichen Auftrittsorten im Sinne von Clubs, Kneipen, Kulturvereinen etc. ist in den letzten 30 Jahren in meinem Umfeld stetig gesunken. Sicherlich nicht, weil die Besitzer als Veranstalter mit diesen Einrichtungen einen großen Gewinn gemacht haben. Gleichzeitig haben viele Menschen aktuell (gefühlt oder real) weniger disponierbare Mittel, die sie frei für Live-Musik ausgeben können oder auch ausgeben wollen.


    Kunst und Kultur sind im Grunde volkswirtschaftlich meritorische Güter. Es ist gesellschaft anerkannt, dass die ohne staatliche Eingriffe (Förderung) nicht das gewünschte Angebot des Gutes erreicht wird. Das gilt insbesondere für (schulische) Bildung, die Rentenversicherung, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk aber eben auch für Kultur. Gleichzeitig hat auch der Staat nur begrenzte Mittel für die Förderung/Subvention von Kultur.


    Und wenn ich mir das Gesamtbild anschaue komme ich leider zu dem Ergebnis, dass die Musiker heute mehr als früher auf ihrem Aufwand sitzen bleiben. Aber ich wüsste jetzt nicht, wem man da konkret einen Vorwurf machen sollte. Sollen Unternehmen Mitarbeitende entlassen und mehr Kultur-Sponsoring betreiben? Sollen Städte mehr Kulturförderung betreiben und dafür Kita-Plätze streichen?

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