Beiträge von Seven

    Die ganze Geschichte mit Technical Rider bei Amateur oder Semi-Pro Bands ist mittlerweile auf einem Niveau angelangt, das echt bedenklich ist. Manche Mischpulte und Mikrofone werden von passablen Coverbands abgelehnt, während diese für Bands der "30-Euro-Eintritt-und-trotzdem-kommen-1000-Leute" von den professionellen Technikern zwar nicht geliebt aber akzeptiert werden.


    Technisch machbar ist viel und so ziemlich jedes technische Gerät kann gemietet werden. Wenn man bereit ist den Preis zu zahlen. Ich klaue grade mal ein Zitat aus dem PA-Forum eines Kollegen, der seit über 30 Jahren seine Brötchen mit Faderschubsen verdient und dessen Zitat auf breiteste Zustimmung gestoßen ist:

    Zitat

    Mein Job ist nicht das Fordern, Rummäkeln oder Ablehnen. Mein Job ist es, unter jeder dieser Voraussetzungen einen mindestens anständigen FOH Sound für die Band herauszuholen. Bei jeder einzelnen Shows sind dafür 100 wichtigere Dinge und Probleme verantwortlich als das zur Verfügung stehende Mischpult. Die habe ich zu berücksichtigen bzw. zu lösen - und genau dafür bekomme ich meine Gage.


    Ersetze Mischpult durch Mikrofone oder PA und die generelle Aussage behält auch weiterhin ihre Richtigkeit.

    My 2 Cent:
    Ordentliche in der Bassdrum installierte Mikrofon nutze ich als Techniker in der Regel wenn vorhanden. Ausnahme: Aufgrund des Gesamteindrucks von Band, Trommler, Trommel und Mikro auf der einen und dem von Slo77y genannten Zeitdruck auf der anderen Seite, stelle ich lieber direkt mein Mikro so hin wie ich es für richtig halte.


    Für alle anderen fest in der Trommel installierten Mikros habe ich persönlich eher wenig Sympathien. Hier würde ich nur wenn der Trommler nachdrücklich darauf besteht diese nutzen. Ansonsten freue ich mich, wenn der Trommler bereits eines der marktüblichen Mikrofone selbst mitbringt und installiert. Mit einem SM 57, E604, E904, Opus 87/88, MD 421 oder Beta 98 kann ich eigentlich sowohl an Snare als auch Toms gut leben.


    Zweites Snare bzw. Bassdrummikro ist angenehm aber vorher zu klären: Sind genug Eingänge vorhanden? Hat das vorhandene Mischpult die Möglichkeit die Phase pro Kanal zu drehen?


    Wichtig ist weiter der von Slo77y genannte Faktor Zeit. Wenn ich als Techniker davon ausreichend zur Verfügung habe, kann ich viel probieren, nochmal ein anderes Mikro zum Vergleich, die Mikrofonpositionen mehrfach ändern und ganz lang an allen zur Verfügung stehenden Reglern drehen. Diesen Fall habe ich bislang bei etwa 5-10% aller Konzerte die ich gemischt habe gehabt. Selbst wenn es ganz kurze Umbaupausen gibt, gibt es immer wieder Gründe, warum Aufbau und Check unter Zeitdruck geraten. Und wenn es nur der Gitarrist ist, der schnell zu seiner Schnegge will oder der Keyboarder der Hunger hat...


    Wenn Du dem Tontechniker helfen magst und selbst mit dafür sorgen möchtest, dass Dein Set beim Publikum akustisch gut angekommt, dann erwirb einen Satz der oben genannten Standardmikrofone (plus was ordentliches für Overheads/Becken/Bassdrum), ordentliche Kabel und Stative, verzichte auf den festen Einbau in die Trommel (außer vielleicht bei der Bassdrum) und lerne etwas über die Ausrichtung der Mikrofone. Wenn Du dann dem Techniker 8 sauber gewickelte Kabelenden zeigst und bittest, diese auf Multicore oder Subsnake zu stecken hast Du ihm viel Arbeit abgenommen, der Band eventuell wertvolle Zeit für einen ausführlicheren Soundcheck gespart und beim Techniker in 95% der Fälle einen guten Eindruck hinterlassen. Wenn Du keine Ahnung und keine guten Mikrofone hast, lass den Kollegen einfach machen. Wird wahrscheinlich das beste für alle Beteiligten sein ;)

    dass es in der Preislage auch noch was gibt. Seit ihr Profis (Berufsmusiker), oder betreibt ihr euer Hobby in so einem Preisrange?


    Nutze auch den Triple Fi 10 und ja nur als Hobby. Aber es macht eben immer mehr Spaß, mit gutem Equipment zu arbeiten. Und ich spiele eigentlich immer mit In Ear; egal ob üben, proben oder live. Letzten Endes
    trägt ein guter In Ear Hörer mehr zu meinem persönlichen (guten) Sound bei als z. B. der Schritt von einer Mittelklasse-Trommel zu einer Hi-End-Trommel. Muss jeder wissen, was er sich sein Hobby kosten lässt.

    Als Overhead eigentlich so gut wie immer Kleinmembran.
    LD D1009, AKG C391, AKG C451 oder auch Schoeps CMC6 mit KM4 Kapsel.
    Die LD 1009 und C391 hab ich selbst. Rest wird bei Bedarf zugeliehen.
    Schoeps ist für mich hier state-of-the-art. Persönlicher Favorit.
    Die LD1009 sollte man nicht unterschätzen. Sie klingen vielleicht weniger
    offen als die 391 oder 451, aber dafür eben nicht so spitz. Und die Dinger
    kosten eben auch grade mal gar nichts im Vergleich.


    Ich hatte auch als GM U87 sowie T.Bone SC 450 genutzt. U87 habe ich leider nur eins im "Zugriff". Das taugt schon.
    Ich würde das eher als Raummikro einsetzen, wenn ich einen Raum habe, den es sich lohnt aufzunehmen. Das ist
    bei mir in der Regel (Home Studio) nicht der Fall.


    OT:
    Das SC450 nutze und empfehle ich als absolutes Budget-GM-Mikro
    an Gitarrenverstärkern. Ich habe dies oft aus einer einigermaßen breiten Auswahl ausgewählt, weil es mir am besten gefiel.
    Man muss allerdings dazu sage, dass es hier leider relativ (zu teureren Mikros) Streuungen gibt. Da ich bislang keine zwei
    hatte, die in meinen Ohren gleich klangen habe ich das nie als (Stereo)Overhead genommen. Trotzdem kann man insbesondere
    an der Stromgitarre mit sonem billigen China-Ding prima Ergebnisse erzielen. Leider ist das SC 450 für Gesangsaufnahmen
    auch weniger gut geeignet, da es Pop und Zisch Laute sehr unschön heraushebt. Für 100 € bekommt man ein prima GM Mikrofon,
    für Stromgitarren, dass allerdings an vielen anderen Stellen einfach weniger geeignet ist. Eventuell fährt man am Ende mit allroundtauglicheren
    Mikrofonen besser und auch günstiger.


    Viele (günstige) KM klingen eben relativ dünn in Bass und Mitten und im Höhenbereich eher spitz und hart. Wenn die Overheads sowieso
    im Mix einen Low Cut erhalten weil eben primär die Becken und weniger die Trommeln aufgenommen werden sollen, dann ist das nicht so kriegsentscheidend.

    Letzten Endes können Preamps mehr oder weniger neutral sein. Wenn diese weniger neutral sind kann die Abweichung SUBJEKTIV als angenehm/gut (Stichwort: "harmonische Verzerrungen") oder unangenehm/schlecht empfunden werden.
    Problematisch ist wenn ich bereits bei der Aufnahme mit einem nicht neutralen Preamp übertrieben haben sollte, weil ich dass dann im Mix nicht mehr gefixt bekomme. Daher sollte man sehr gut wissen was man da tut. Da ist dann nichts mehr mit
    STRG+Z zu machen wenn es mal auf Band oder Disk ist.


    Es wird leider auch viel geredet und das dann geglaubt und weniger selbst gehört. Ich nehme mich da gar nicht aus. Wer mag auch schon zugeben, dass sein 4000 € teurer Preamp gar nicht zu überzeugend spielt wie man sich eigentlich eingestehen müsste.

    Zitat von »Seven«
    Zitat von »m_tree«
    Guter Sound ist wie schon gesagt Definitionssache.


    Guter Sound ist vor allem erst einmal Geschmacksache. Das was Du als "guten Sound" definierst kann mir absolut nicht zusagen.


    Definitionssache, Geschmackssache ... Synonymsache, Korintenkackerei?


    Falsch.


    Zitat

    Das war keine generelle Aussage. In einem Bierzelt, in das mehrere Tausend Menschen passen (und auch drin sind!), tut bestimmt keinem das akustische Schlagzeug in den Ohren weh, der weiter als 5m davon entfernt ist. Aus dem Grund hatte ich das auch wie folgt formuliert:


    Kommt drauf an. Aber so generell ausgedrückt tendenziell falsch.


    Zitat

    Bei den meisten ist das zwar wirklich so, aber das liegt meistens daran, dass deren Drummer nicht viel weiter können als einen sturen Beat zu halten, der auch fast immer gleich gespielt wird, nur in jeweils angepasstem Tempo.


    Kommt drauf an. Aber so generell ausgedrückt tendenziell falsch.


    Zitat

    Dass ich da etwas vorbelastet bin hängt evtl. damit zusammen, dass im oberfränkischen (Bamberger) Raum beinahe jedes Livekonzert standard top40 Cover ist. Das ist deutschlandweit die dickste top40 Coverhochburg, kann man sagen.


    Wohl richtig.


    Offenbar leben wir nicht in derselben Welt.

    Das Pearl Masters ist die Einstiegsserie von Pearl. Angesiedelt irgendwo zwischen Millenium und Basix. Wobei letzteres definitiv besser ist,
    sowohl von der Verarbeitung wie vom Sound. Generell kommt Pearl nicht an Tama ran - hinten nicht, vorne nicht. Ich spiele selber Pearl und
    ärgere mich, es gekauft zu haben, dabei habe ich mir wenigstens ein untere Mittelklassenset gegönnt. Sound ist unterirdisch (kannste hier
    im Forum fragen) aber was am schlimmsten ist, ist die Farbe. Ich hatte rot bestellt


    Endlich sprichst Du es mal aus. Ich vermute Dir geht es nun VIEL besser :D

    Guter Sound ist wie schon gesagt Definitionssache.


    Guter Sound ist vor allem erst einmal Geschmacksache. Das was Du als "guten Sound" definierst kann mir absolut nicht zusagen.


    Was ist mit folgendem Szenario:
    Band A spielt in einem kleinen Club harte Rock-Musik. Der Drummer spielt schwerste Zildjian Zymbel der Z-Serie und eine Snare in 14x8 mit einem Gewicht von fast 10 Kilo.
    Dazu haut der Kollege auf alles was was nicht wegläuft mit seinen 2B Sticks und richtig Energie rein. Das Kit klingt an sich prima. ABER: Die Stimme kommt nicht gegen den Lärm an,
    die lauten Becken klingen sehr aufdringlich laut in den Ohren und bei jedem Snareschlag zuckt das gesamte Publikum vor Schmerz zusammen. Zudem kann der Sänger sich nicht wirklich hören
    und seine Intonation ist für die Füße.


    Band B spielt in einem kleinen Club harte Rock-Musik. Der Drummer spielt ein E-Drum. Die Sounds klingen ein wenig synthetisch, aber das fällt nur ca. 10% der anwesenden Gäste (alles Musiker)
    auf. Dafür hat die gesamte Band einen ausgewogenen und sehr druckvollen Sound. Es tut nichts im Ohr weh, es schiebt und drückt aber ganz gewaltig. Die Becken und Snare sind nicht zu laut,
    der Monitorsound scheint sehr gut, da der Sänger jeden noch so hohen Ton auf Anhieb trifft.


    Da das Schlagzeug bekanntlich kein Solo-Instrument ist, sondern so gut wie immer im Band-Kontext eingesetzt wird stellt sich nun die Frage:
    Was gefällt dem Publikum besser? Wird das Publikum den schädelspaltenden Sound der 10 Kilo-Glockenbronze-Snare höher bewerten als den optimal bezüglich Frequenz und Lautstärke
    passenden Sound der leider ein wenig nach Synthetik klingt?


    Bitte nicht falsch verstehen: Ich bin kein E-Drum-Fan, habe nie eins besessen und plane keines zu kaufen. Aber so generelle Aussagen gehen mir ein wenig auf den... you now what ;)
    Weitermachen.

    Die Physik lässt sich eben nicht so einfach überlisten.
    Ein Raum von 120x30 Meter und dann eventuell noch mit einer hohen Decke und viel glatten (Beton)Flächen ist leider ein Alptraum, wenn man einen guten Sound haben will.
    Ich hatte mal einen Auftritt in einem Flugzeug-Hangar zu mischen. Auf die Erfahrung hätte ich gerne verzichtet.


    Ich gehe jede Wette ein, dass z. B. Bon Jovi nie wieder in Frankfurt in der Commerzbank Arena spielen werden. Zumindest hat der smarte Halb-Italiener auf der Bühne
    mehrfach mit Kraftausdrücken seine Abneigung gegen den Sound auf der Bühne und in der Arena an das Publikum vermittelt. Da hilft dann auch das größte Budget, das fähigste Personal
    und die beste Technik nichts.


    Grundsätzlich sollte man schlecht klingende Räume so wenig wie möglich anregen, meint leise spielen und alle Instrumente und Boxen, deren Schall sich richten lässt, so strahlen, dass man
    Reflexionen vermeidet. Praktisch: Eine Box möglichst nicht direkt gegen eine Wand ausrichten, auch wenn diese einige Meter entfernt ist. Nicht umsonst klingt es Open Air oft besser als Indoor,
    weil eben die leidigen Reflexionen weitestgehend entfallen.

    Slo77y und meine Wenigkeit bevorzugen es, die Toms abzunehmen diese im Gesamtkontext aufgrund des Klangcharakters und der Lautstärke oft weniger gut wahrgenommen werden.
    Die Problematik wird insbesondere bei "dicken, tiefen, warmen" Tomsounds nach verschärft.
    Ich stehe zudem persönlich auf relativ laute Toms. Bei meinen Mixes sind Toms oft auch im Kontext des Drumkits lauter in Relation zu den anderen Teilen des Schlagzeugs, als diese beim Natursound sind.
    Ich hebe Toms alleine von der Lautstärke gerne bis auf das Niveau der Snaredrum, wobei eine Snaredrum mit Rimshot gespielt in natura immer viel lauter als ein Tom sein wird.
    Wenn ich zudem "hart & laut" spiele, dann werden die Toms auch gegenüber den Crashes und offenen Hihats kaum eine Chance haben, es sei denn der Trommelführer langt bei den Toms richtig hin, hält
    sich aber bei Crashes diszipliniert zumindest ein wenig zurück. Tut er das nicht, gleiche ich das eben als Techniker aus.


    Slo77y weiß aber genau was er tut, wenn er ein Mischpult bedient und auch ich mache sowas nicht zum ersten Mal.
    Wenn jemand wenig Ahnung hat und am Ende noch eine komplexe und große Band von der Bühne selbst mischen soll, dann lieber 2 Overheads genommen.
    Denn man kann mit mehr Möglichkeiten (wie Einzelabnahme, Noise Gates, Compressoren, tolle Mischpulte) leider auch viel mehr kaputt machen.


    Es gibt aber auch kein Patentrezept. Wenn der Sänger direkt vor dem Drumset steht und dort schon viel Snare und Becken aufgenommen werden und zudem der Drummer singt und dort auch Snare und Becken gut übertragen werden,
    dann kann man sich eben Overheads meistens sparen.

    My 2 Cent:
    "Virtual Soundcheck" im Sinne von "ich nehme die Signale auf und checke mit den aufgenommen Signalen im Raum über die PA" funktioniert in der Praxis eigentlich nur bei richtig großen Veranstaltungen. In allen anderen Fällen ist der Anteil des Direktschalls von der Bühne am Gesamtsound einfach zu groß, als das man mit dem Virtual Soundcheck auch nur annähernd in die Richtung von "So klingt es wirklich" kommen würde.


    Beispiel: Es wird eine sehr tief gestimmte Snare gespielt, die sich im Kontext schlecht durchsetzt. Nun würde ich die am Mischpult so bearbeiten, dass diese sich eben durchsetzt. Ich höre aber immer noch zu einem nennenswerten Anteil den Originalsound an meiner Hörposition, dazu mische ich dann einen mittigen attackreichen Snaresound zu bis es passt. Wenn ich nun die live gespielte Snare weg lassen würde und nur das bearbeitete Signal höre, wäre dies für sich genommen "ohne Eier" und viel zu dünn und attacklastig.


    Ich nehme live eigentlich immer Bassdrum, Snaredrum und Toms ab. Es kann nur sehr gut passieren, dass der Fader für die Snare ganz unten bleibt. Aber ich schiebe ab und an auch gerne mal nur einen Snare Effekt zu, ohne die Snare an sich zu verstärken. Und in den meisten Bands werden mittlerweile IEM Systeme genutzt, wo die Snare dann auch hin geroutet werden soll. Overheads setze ich wirklich selten ein. Vorher werden bei mir meist Hihat und Ride abgenommen. Ich habe meist 3-7 Gesangsmikrofone auf der Bühne und auch singende Drummer. Da kommt schon genug Becken und Snare rein.


    Bassdrum würde ich auch immer verstärken wenn es irgendwie in die Richtung Pop/Rock oder härter geht.


    Ab gewissen Größenordnungen sollte immer fähiges technisches Personal gebucht sein, dem man dann auch vertrauen muss.
    Wenn ich nicht weiß was ich eigentlich mache, ist weniger mehr.


    Letzten Endes entscheiden immer die Ohren. Ob ein Sound nun gut, geil oder grütze ist, ist eben auch sehr stark subjektiv.
    Wichtig ist eben, dass man weiß was man da eigentlich tut bzw. wie man auf gewisse Sachen reagiert.


    Wenn man sich selbst von der Bühne mischt, kann man kaum alle Parameter und vor allem das Ergebnis im Blick haben.
    Also Keep it simple, wenn kein fähiges Personal vorhanden ist.