Interessanter Thread.
Ich finde den verlinkten "Zettel" im ersten Post erstmal gut.
Ohne den Zettel hätte ich 700 EUR bei 100 Gästen überraschend viel gefunden. MIt Blick auf den Zettel hätte ich bei den sonstigen RAhmenbedingungen mehr als 1.000 EUR erwartet.
Ich habe noch nie Pay-2-Play gemacht. Ich würde es aber nicht prinzipiell ausschließen. Früher hätte ich es kategorisch ausgeschlossen.
Hut hatte ich bei vielleicht 1-2% aller Gigs in den letzten 30 Jahren. Würde ich auch nicht prinzipiell ausschließen.
Ich habe für mich vor ein paar Jahren beschlossen, dass Gagen für mich ein stark nachgelagerte Bedeutung beim Musikmachen haben (sollten). Ich mache Auftritte wenn für mich Aufwand und Freude in einer für mich angemessenen Relation stehen. Und beim Spaß spielen viele mögliche Faktoren eine Rolle. Ich frage auch gar nicht mehr vorher, was es an Gage für einen Gig gibt. Das entspannt mich zumindest sehr.
Ich kenne eben auch die Veranstalterseite halbwegs und weiß um deren Herausforderungen. Für mich ist es vollkommen nachvollziehbar und in Ordnung, wenn Veranstalter primär wirtschaftliche Interessen haben und auch Risiken (kaum zahlende Gäste, geringer Konsum an Getränken, schlechtes Wetter bei Open Air) einpreisen müssen. Dafür haben Veranstaltung 2026 in Deutschland auch nicht wenig an Orga-Aufwand an der Backe.
Das verträgt sich gegebenenfalls nur bedingt mit Bands, die eine aus ihrer Sicht "faire Gage" haben wollen. Spätestens wenn Bands dann Zeitaufwand für Proben und Anfahrt oder auch Investitionen in Instrumente mit in Betracht ziehen, werden die meisten Bands mit den Gagenvorstellungen scheitern. Und selbst Auftritte organisieren ist eben für Bands auch mit Aufwand und Risiken verbunden.
Ich bin da ganz bei Seelanne:
Zitat von Seelanne
1) Schlagzeug spielen 2) Musik machen mit anderen und 3) Musik machen vor Publikum.
Wenn ich vor Publikum Musik machen will (Level 3), muss ich ggfs. die Konditionen von Veranstaltern (bis hin zu Pay-2-Play) akzeptieren. Als Alternative bliebe dann in einigen Fällen nur Level 2: Musik machen mit anderen (ohne Publikum).
Ich (im Sinne von nicht die Band sondern wirklich ich) habe 2019 mal ein Konzert organisiert. Wir haben die Eintrittsgelder kassiert und davon Techniker und Technik bezahlt. Location hat die Bewirtung und das Bereitstellen der Location an sich, sowie freie Getränke und Essen für Musiker und Techniker übernommen. Am Ende habe ich - obwohl die Show ausverkauft war - einen geringen dreistelligen Betrag draufgelegt, weil eben gute Technik aufgefahren wurde und gute (nicht billige) Techniker gebucht worden. Dafür war es am Ende ein tolles Event, von dem Leute noch heute schwärmen.
Ich mache mir nichts vor: Vieles an Musik/Kunst wird nicht mehr existieren, wenn nicht irgendjemand am Ende (einen Teil) der Zeche zahlt. Sei es über Sponsoring, oder darüber, dass jemand auf Einnahmen verzichtet, Risiken übernimmt. Und man muss auch ehrlich sein: Nicht jedes "Stück" Kunst/Musik kann oder muss gefördert werden.