Jetzt kommt aber der ganz weite Bogen. Musik für den Massengeschmack hat doch schon immer den Anspruch erfüllen müssen, möglichst viele Menschen anzusprechen. Und die große Mehrzahl der Konsumenten intersessiert sich null für instrumentale Virtuosität, vor allem nicht von Schlagzeugern. Die hören auch Rosanna oder 50 ways to leave your lover, merken dass es groovt wie Sau, haben aber keine Ahnung, dass das an den genialen Groove-Ideen der Herren Porcaro oder Gadd liegt und haben auch nicht die geringste Idee, was die da machen. Und dass bei großen Acts live Leute an den Trommeln sitzen, die ihr spielerisches Niveau dort nicht im Geringsten abrufen müssen, ist doch auch klar. Dafür kann man solche Leute heute bei Dua Lipa, morgen bei nem Country-Act und übermorgen bei ner Fusion-Kapelle hinsetzen. Thema Hired Guns, hier im Forum an anderer Stelle. Da sagt man dann immer schnell "glattgebügelt", aber das ist eben gerade oft das, was die jeweilige Musik braucht. Schönes Beispiel dafür ist noch mal Mike Portnoy bei Drumeo, wie er Shake it off von Taylor Swift interpretiert. Da sind teilweise ganz coole Ideen dabei, und man merkt was der alles kann. Aber dieser Song braucht das schlicht nicht. Und wenn er so aufgenommen worden wäre wäre es auch kein Hit geworden.
Und um mal den Bogen zu dem Xavier Ware zu schlagen: Ja, der kann echt spielen. Ja, er hat ein paar coole Ideen, die er da in die Musik reinkloppt. Aber macht er mit seinem Spiel eine dieser von begleiteten musikalischen Aufnahmen besser? Ich finde nicht. Er präsentiert seine Chops, an jeder Ecke irgendein Gewurschtel, schneller, höher, weiter. Bei dieser DrumCam-Aufnahme geht es noch, aber die Musik braucht auch da dieses Gerühre nicht. So beeindruckend das ist, es ist meilenweit von einem Rosanna-Shuffle (ist von Pretty Purdie, ich weiss
), den vom Namensgeber so gekonnt eingesetzten Bonham-Triplets, der um die Drum-Ideen herumkomponierten Strebermusik von Anika Nilles oder den durchkomponierten Drumparts eines Neil Peart bei Rush entfernt. Das ist ShowOff-Getrommel zur Eigenpräsentation. Wenn er immer so spielen will muss er sich Frickelheimer suchen, die auch so spielen wollen. Dann wird allerdings das breite Publikum ausbleiben, dann frickeln die für nen Hunderter, ne Wurst und ein Bier in Clubs rum. Ist das gerecht, wo er (und viele andere) es doch so gut kann? Ja, denn keiner muss ja Musik hören. Wenn er ein breites Publikum erreichen will, muss er halt was machen, was ein breites Publikum anspricht.