Meiner Erfahrung nach hängt die Spielstärke (nenn ich mal so) stark mit der Hörsituation zusammen. Hörst du dich nicht, haust du mehr rein
Das stimmt!
Wir spielen nur noch mit In Ear, da kann ich draufwemsen wie ich will.
Und trotzdem finde ich diese Herangehensweise gefährlich.
Ich spiele mittlerweile mindestens die erste halbe Stunde der Probe ohne Gehörschutz/InEars. Habe ich aus dem d&p Schlagabtausch Podcast mitgenommen. Das setzt den Ohren in aller Regel nicht so zu, wenn man sich an gewisse Dinge hält: Becken und Trommeln atmen lassen, locker spielen. Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass nur Bass Drum und Snare "knallen" müssen und das auch dürfen. Wichtig ist, dass man es mit den Becken und HiHat nicht übertreibt. Im Prinzip reicht es, den Stock einfach auf die HiHat "fallen zu lassen". Dadurch entfaltet sie dann auch plötzlich den Sound, den man vielleicht lange gesucht hat (plötzlich kann eine spitze B8 HiHat butterweich klingen und sich anfühlen). Dann löst sich der pauschale Eindruck, der Schlagzeuger sei von Natur aus zu laut, plötzlich in Luft auf.
Ist man für sich erstmal so entspannt unterwegs und schafft es zu grooven ohne zu prügeln, dann fängt es auch an Sinn zu machen, dass es z. B. bei Becken verschiedene Ausführungen wie light, medium, heavy gibt. Natürlich gibt es jede Menge Gegenbeispiele, aber ein bisschen gilt schon: möchte ich heavy klingen, streichel ich eine Heavy HiHat, soll es leichter zugehen, streichel ich eine Light HiHat...
So, und dann kommt das mit dem "sich richtig hören": Das Monitoring sollte so eingestellt sein, dass man diese entspannte Spielweise in jeder Situation an den Tag legen kann. Geht das nicht mehr und fängt man an zu dreschen, ist meist irgendwas zu laut, und man selber wird auch zu laut. Dann mal hinterfragen, ob man die Gitarren oder Bass oder was auch immer auf den eigenen Ohren nicht etwas zurückdrehen sollte? Oder ganz ohne InEar: evtl. doch die Amps etwas zurückdrehen lassen. Am Ende sollte jedes Bandmitglied aktiv zuhören und ehrlich sagen können, dass er alle anderen auch hört, sich nicht an der auswendig gelernten Songstruktur entlanghangeln, sondern mal ganz bewusst auf die anderen hören. Ist das nicht möglich, dann ist was anderes zu laut. Genau so gehe ich bei jedem Gig vor, wenn ich mir meinen InEar-Monitor einstelle: Nach 3-4 Songs habe ich so meistens den perfekten Sound auf den Ohren und fange auch nicht an zu prügeln. Ich glaube, man nennt dies auch den "subtraktiven Ansatz", das zu reduzieren, was zu viel ist, anstatt "additiv" alles noch lauter zu machen, was man nicht zu hören meint. Verlangt aber etwas Übung.
Am Ende muss man sich eben eingestehen, dass "Rockmusik" und seine Anverwandten eine gewisse Lautstärke braucht, die im ersten Moment laut wirkt, aber eigentlich gar nicht so laut wirklich sein muss. Setzt aber voraus, dass sich dessen alle Beteiligten bewusst sind und ihr Ego ablegen.
Man kann sich auch einen Wasserfarbkasten und ein Bild vorstellen: Wenn man alle Farben bewusst einsetzt, kann es ein schönes Bild ergeben, Wenn ein oder zwei oder 3 anfangen, ihre Farbe nicht mehr sehen zu meinen und als weiter ihre Farbe auf das Bild panschen, ist am Ende alles braun. Man nennt das additive Farbmischung. 