Bis Ende der 90er wurde noch fast alles auf Tonband aufgenommen und da kann man mit viel Aufwand zwar einzelne Stellen korrigieren. Aber es gibt kein Taktraster in der DAW, wo man jeden Schlag einfach drauf schieben kann, damit alles zu 100% auf Klick ist. Diese Marotte, die sich wirklich nur entwickelt hat, weil es eben möglich ist, war zu dieser Zeit schlichtweg nicht vorhanden. Da musste der Take einfach genagelt werden und "Shit In -> Shit Out" hatte eine noch viel größere Bedeutung als heute.
Gewagt ist meinerseits wohl eher, dass ich sowas hören kann. Bzw. glaube, raushören zu können ...
Bis Ende der 90er wurde noch fast alles auf Tonband aufgenommen und da kann man mit viel Aufwand zwar einzelne Stellen korrigieren. Aber es gibt kein Taktraster in der DAW, wo man jeden Schlag einfach drauf schieben kann, damit alles zu 100% auf Klick ist. Diese Marotte, die sich wirklich nur entwickelt hat, weil es eben möglich ist, war zu dieser Zeit schlichtweg nicht vorhanden. Da musste der Take einfach genagelt werden und "Shit In -> Shit Out" hatte eine noch viel größere Bedeutung als heute.
Gewagt ist meinerseits wohl eher, dass ich sowas hören kann. Bzw. glaube, raushören zu können ...
Ich will mich da jetzt gar nicht drüber streiten, vielleicht hast du Recht, wenn es um das Quantisieren geht. Aber z.B. in dem Video "a year and a half in the life of Metallica" (1991) sieht man, wie die Drumtracks von Lars Ulrich in mühevoller Kleinarbeit im wahrsten Sinne des Wortes zusammengeschnibbelt werden.
Das was Drumstudio1 geschildert hat, finde ich im Gesamtzusammenhang, wie Musik seit Jahrzehnten häufig aufgenommen wird, weder überraschend noch besonders schlimm. Es verdeutlicht für mich eher die Absurdität der "Leistungsgesellschaft". Aber es gehört für mich in die selbe Schublade, wie z.B, folgende Dinge, die keine Einzelfälle sind:
- Auf der Aufnahme haben nicht die gleichen Musiker gespielt, wie angegeben. Ich habe einen Kumpel, der ist Metal-Gitarrist und spielt in mehrern Formationen. Für eine seiner Bands schreibt er die Songs UND SPIELT SIE EIN. Außer dem Sänger und ihm hat niemand das Studio betreten. Das Schlagzeug programmiert er (und zwar ziemlich gut). Auf der Platte werden aber alle Musiker angegeben.
- Live ist nicht mehr Live. Eine befreundete Band hat vor kurzem ein Live-Video herausgebracht. Für das "mischen" haben sie sich "etwas" Zeit genommen. Teilweise wurden die Stücke zusammen geschnitten, weil zum Beispiel die erste Strophe nicht so gut war die zweite. Da wurde dann einfach die zweite Strophe für die erste eingefügt. Außerdem wurden mehrere Spuren geoverdubbt.
- Kleine Korrekturen sind bis in den untersten Hobbybereich selbstverständlich , das wird ja auch hier im Forum, auch in diesem Beitrag, immer wieder geäußert. Da ein bisschen quantisieren, da was schieben, copy+paste, Autotune....aber niemand definiert, was kleine Korrekturen sind und ob es eine Grenzen gibt. Wieso ist die Grenze beim Schieben von Noten eines teuren Spitzendrummers scheinbar eindeutig erreicht, aber kleine Korrekturen sind ok.
Ich komme immer wieder zum gleichen Schluss. Ich will ein "Bio-Label" für Musikaufnahmen (s.o) und zitiere mich selbst:
Was ich mir wünschen würde, wäre ein Manifest. Ähnlich zum Beispiel des Dogma 95-Mainfests, das für Filme gilt.
Über die genauen Anforderungen kann man diskutieren. Wirklich interessieren würden mich persönlich "strenge" Anforderungen:
- Live, gleichzeitig und an einem Stück eingespielt von allen Instrumentalisten
- Overdubs nur im Bereich Gesang
- Keine Schnibbeleien, keine Quantisierungen, keine Tonhöhenveränderungen o.ä.
Übrigens gibt es ähnliches nicht nur beim Essen oder beim Film. Mir ist noch das Sport-Klettern eingefallen. "Rot-Punkt-Begehung" bedeutet dort, dass man eine Tour geklettert ist ohne die Sicherungskette zu belasten...einfacher gesagt: man klettert von oben bis unten und nutzt nur seine Hände und Füße zur Fortbewegung (gesichert ist man trotzdem). Hilfsmittel sind nicht erlaubt. Interessant ist, dass sich das durchgesetzt hat, weil eine kleine Gruppe Kletterer angefangen hat, ihre auf diese Art gekletterten Touren mit einem roten Punkt zu kennzeichnen. Heute ist das Rotpunkt-Klettern olympisch. Vor dem Rotpunkt-Klettern hat man Haken in die Wand eingeschlagen und kleine Leitern drangehängt und ähnliches. Das ist dann schon was anderes. Heute nennt man das "technisches Klettern" und das interessiert kaum noch jemanden. Stellt euch mal eine ähnliche Entwicklung im Bereich der Musik vor
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