ch denke nicht, dass früher die Bekanntheit von Tour-Schlagzeugern beim "Normalo-Publikum" größer war als heute.
Reden wir über Normalo-Publikum? Dann hast du sicher Recht. Die Drummer, die die Kids in den 60ern, 70ern, 80ern beim Trommeln inspiriert haben und deshalb bis heute einen unverrückbaren Namen in der Geschichte des Schlagzeugspiels haben, waren aber allesamt Drummer, die durch ihr Engagement bei bekannten Bands oder Künstlern auf sich aufmerksam gemacht haben. Logisch, Clinics kamen erst zu der Zeit auf, und Videos produzieren war teuer, das konnte nur ein bereits bekannter Drummer finanzieren.
Heute gibt es eben den umgekehrten Weg auch. Junge Drummer nutzen die ubiquitär kostengünstige Verfügbarkeit der nötigen Digitaltechnik, um sich durch Videos nen Namen zu machen. Im Gegensatz zu früher braucht man dafür wenig soziale Kompetenz (auf Tour geht man eher nicht mit Leuten, mit denen man nach 3 Tagen schon nicht mehr klar kommt), Teamfähigkeit und musikalische Kommunikationsfähigkeit, spielen ebenfalls keine Rolle. Je größer der Anteil der Videodrummer wird, umso weniger muss man als Nachwuchsdrummer noch nach Vorbildern auf der Bühne Ausschau halten. Klar, jeder ist anfällig für den bequemen Weg, und die Welt der Musik zuhause auf der Couch zu entdecken, ist schon seeeehr bequem.
Und ehe jetzt jemand den "Früher war eben alles besser" - Spruch bringt. Nein, besser war's sicher nicht, die Voraussetzungen, die man haben musste, um als Drummer bekannt zu werden, waren nur anders. Dauerhaft etabliert haben sich damals wie heute wenige, gemessen an der Vielzahl derer, die davon träumten oder es tatsächlich versuchten. Schön, dass trotzdem noch Youtube-Drummer den Weg auf die Bühnen dieser Welt schaffen. Dann bleibt nämlich Musik als Produkt gemeinsamen Musizierens noch ne Weile erhalten 