Hallo Groucho,
komisch, so ein Threadtitel, und keiner Antwortet? Da war doch eine gewisse Effekthascherei schon eingebaut...
Ich finde ich deine Gedanken hier sehr anschaulich zusammengefasst. Jeder von uns kennt vermutlich phasenweise diesen Konflikt zwischen Anspruch und Wirklichkeit, egal ob er/sie nun schon Kinderstar war oder spät berufener Quereinsteiger.
Ich selbst gehöre zur Abteilung "in einem musischen Umfeld aufgewachsen und (relativ) früh mit dem Trommeln begonnen". Die erste Faszination erwischte mich mit ca. 10 Jahren Ende der 70er auf der Feier eines Mitschülers, wo eine Band mit E-Gitarren, Echoletteverstärker und Omo-Schlagzeug zu bewundern war. Das wollte ich auch!!!
Nach der Omo-Phase, und Ehe ich von meinen Eltern ein nagelneues Hoshino-Schlagzeug (
) bekam, durfte ich auf einem geliehenen (damals schon) Vintage - Set in "dreckig-und-vergilbt-gold-sparkle" üben. Damals nannte man das noch nicht vintage, sondern einfach nur "alt", aber ich hatte was zum Draufhauen 
Meine Feuertaufe hatte ich - noch auf diesem Set - mit einigen alten Feierabendjazzern - auf einer Silvesterfeier, da dürfte ich etwa 12 gewesen sein. Vermutlich dank viel Wohlwollen seitens Mitmusikern und Zuhörern war es für mich ein toller Abend, und vor allzu großer Selbstkritik schützte mich damals mein jugendlicher Leichtsinn.
Daher habe ich zu Beginn meiner "Laufbahn" nicht wirklich intensiv drüber nachgedacht, was ich da eigentlich tue, ich tat es einfach. Als Erwachsener im Berufsleben hatte ich dann zeitweise eine echte Schere im Kopf, weil ich irgendwie den Ehrgeiz hatte, "der Beste" zu sein, dem Anspruch aber natürlich in keinster Weise gerecht wurde. Irgendwas ließ mich wohl innerlich hoffen, durch einen Zufall doch noch Karriere im Musikgeschäft zu machen. Und jede Erkenntnis, dass mir hierfür gewisse Fähigkeiten fehlten, setzte mich unter Stress. Oder kleinere spielerische Fehler versauten mir gesamte Konzerte, weil ich mich vor lauter Anspannung in mich selbst verkroch, da ich glaubte, vor meinen Ansprüchen nicht bestehen zu können.
Hat ne Weile gedauert, aber inzwischen stelle ich mich auf die Bühne und will einfach Spaß mit ein bischen Anspruch haben, und wenn mal was daneben geht, lache ich drüber und mache einfach entspannt weiter. Da kann man auch mal - wie vor einigen Monaten geschehen - ein improvisiertes Konzert spielen, bei dem die Mitmusiker eine Nummer konsequent in zwei unterschiedlichen Tonarten spielen, ohne aus der Nummer raus zu kommen. Ich hab den Kopf geschüttelt, gelacht und bis zum Ende durchgehalten. Das schlimmste daran war, das Publikum war danach voll des Lobes

Während ich früher Zeit und Ehrgeiz hatte, zu üben, um besser zu werden, konzentriere ich mich heute vor allem drauf, besser zu spielen, was ich sicher kann, damit keiner merkt, was ich alles nicht (mehr) kann. Musikalisch fühle ich mich dadurch ... besser. 