Im Gegensatz zur Urheberrechtsfrage finde ich die o.g. Auseinandersetzung mit der Altersgrenze des aktiven Wahlrechts unerwartet sachlich und überlegt vorgetragen. Ob man den Piraten damit bewusste Eigennützigkeit zur Optimierung ihres Wählerpotentials aus niederen Beweggründen vorwerfen kann, bleibt für mich höchst spekulativ. Inhaltlich kann ich dem Ansatz, Jugendliche aktiver ins politische Geschehen einzubinden, durchaus einiges abgewinnen, wenngleich mir 12 möglicherweise doch zu früh ist.
Verweise auf fehlende Bildung und Reife Minderjähriger halte ich für Scheinargumente, wenn ich mir selbige bei etlichen jungen oder älteren Erwachsenen ansehe. Aber auch als halbwegs gebildete Menschen, für die ich die meisten hier halte, können wir die meisten politischen Prozesse, über die wir durch Stimmabgabe mit entscheiden, nur aus dem Bauch heraus beurteilen. Oder welcher Prozentsatz der Bürger liest die unterschiedlichen Partei- und Wahlprogramme aller relevanten Parteien? Also ich eher selten...
Und genau daher rührt mancher Menschen Begeisterung für, ebenso wie meine zunehmende Sorge vor den Piraten. Zu sehen, wie ( international !!! ) polemisierende und unschlüssige Standpunkte eine zunehmend breitere Gefolgschaft finden, gab es in unserer Geschichte doch schon einmal.
Ich betone, dass ich nicht die Inhalte, sondern lediglich die gesellschaftlichen Prozesse, aus denen dieses Phänomen entsteht, vergleiche!!!
Damals war ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg die Ignoranz etablierter Kräfte, die die aufkeimende Nazibewegung als vorüber gehendes Phänomen klein geredet haben, und derzeit erkenne ich bei den regierenden und oppositionellen Kräften unserer Republik ebenfalls noch keine Anzeichen für ein Realisieren dessen, was hier im Gange ist. Man nutzt seelenruhig weiterhin die alten Instrumente einer Politik, die in der Bevölkerung zunehmend an Glaubwürdigkeit verliert. Als jüngstes Beispiel fällt mir dazu das Bestreben verschiedener Fraktionen ein, das Rederecht im Bundestag zu überarbeiten, um z.B. Fraktionsabweichler "mundtot" zu machen.
Eine Politik, der es um das Wohl des Volkes geht, müsste spätestens jetzt erkannt haben, was für uns alle auf dem Spiel steht, und ihr eigenes Handeln grundlegend hinterfragen. Aber dazu müsste man sich ja Fehler eingestehen können, und wer das kann, ist heutzutage ja karrieremässig benachteiligt.
Vielleicht sollte man ausgewählte Piraten-Zitate zum Urheberrecht nicht nur in Foren oder Magazinen, sondern auch auf Plakaten an jeder Straßenecke aufstellen, damit die Öffentlichkeit sieht, welches Gedankengut manche Internet-Demokraten verbreiten.