Also wenn ich mich nicht irre, ist über das Thema "Krise" schon mehrfach diskutiert worden. Vielleicht nicht als Hauptthema, aber im Kontext mit anderen Thematiken. Nichtsdestotrotz hat druffnix das schon ganz gut formuliert. Was hier noch nicht erwähnt wurde, ist, dass viele der Marken genau mit der Rezession Anfang 2000 in wirtschaftliche Notlage geraten sind, weil die Banken plötzlich zunächst zugesagte Kredite für bereits georderte Ware plötzlich nicht mehr freigegeben habe, weil ihnen selbst das Wasser bis zum Hals stand dank der eigenen Unfähigkeit.
Die Folge war für einige Unternehmen, dass sie entweder Insolvenz anmelden mussten oder aber Alternativen zur Überbrückung der Produktionsengpässe entwickelten. Dass bedeutete auch für einige Serien, dass dort die Sets plötzlich Hardwarekomponenten der anderen (teureren oder aber billigeren) Serie spendiert bekamen (was halt gerade da war), nur, damit die Fabriken nicht stillstehen. Das wurde dann natürlich am Markt später als eine X-geartete Innovation in einer Serie verkauft. Besonders leichte (minderwertige) Hardware bei hochpreisigen Sets (in der Hoffnung, dass das nciht so auffliegt, wie bei Premier damals), "hochwertiger" Kunststoff hier und da ... oder aber plötzlich (noch vorhandenes) Metall statt Kunststoff in billigeren Serien, weil der billige Kunststoff nicht mehr geliefert wird, solange keine Knete da ist. Kein Hersteller wollte seinen Kunden sagen: Sorry, zwei Jahre lang wird es das Set nicht geben, weil wir keine Böckchen geliefert bekommen.
Dass die ganzen Kneiper, Wantander, Mülleniums etc. den Markt mit Schrott zudem kaputt machen, ist dann das Tüpfelchen auf dem i. Der Markt ist in Westeuropa, Japan und den USA ziemlich gesättigt. Und daran wird sich auch in den kommenden zehn Jahren wenig ändern. Vor allem auch deshalb, weil einige der renommierten großen Marken sich ihren eigenen Markt mit fragwürdigen Einsteigersets seit einigen Jahren selbst kaputt machen. Wer z.B. ein - sagen wir mal - Mapex Tornado zum Einstieg kauft und das übel findet, der bleibt wohl nicht bei Mapex. Der kauft sein nächstes, teureres Set vermutlich bei der Konkurrenz von z.B. Pearl oder auf dem Gebrauchtmarkt. Und wenn Sonor 300 Einsteigerserien auf den Markt wirft, macht es die Sache auch nicht besser. Und auch nicht die Gewa, die Kram auf den Markt wirft und bei leicht zu gernger Rendite wieder einstampft (Basix, DC... mal sehen, ob die dw und Gretsch auch irgendwann einstampfen). Vertrauensbildend, Kundenbindend ist das nicht.
Natürlich gibt es Unternehmen, wie DW oder Premier, die in einem einmaligen Blindflug gen Insolvenz geflogen sind, aber auch viele andere sind enorm ins Straucheln gekommen, und das nicht, weil sie im Grunde schlecht gewirtschaftet haben, sondern weil andere Wirtschaftsteilnehmer ihnen das Leben zur Hölle gemacht haben. Dazu zählt auch der Endverbraucher, der immer alles billiger haben will und auch alles haben will. Sonst ist er beleidigt. Die Wertschätzung für die Arbeit im Instrumentenbau ist, wie bei fast allen handwerklichen Dingen, fast nicht mehr vorhanden. Geiz ist geil. Leider.