Danke, Tom. Du triffst es auf den Punkt. Es geht nicht um abwerten sondern schlichtweg eine Einordnung seines Wirkens, seiner Persönlichkeit, seines künstlerischen Mehrwertes und Fähigkeiten. Das kann man auch gerne kontrovers sehen.
Fakten:
Gewirkt hat er, zweifellos.
Seine Persönlichkeit, sein Charakter waren schlimm.
Seine Drogensucht unglaublich.
Seine Agression äußerst ausgeprägt.
Seine Selbstüberschätzung ziemlich maßlos.
Sein Neid, seine Abwertung anderer Musiker waren scheinbar grenzenlos.
Sein musikalischer/künstlerischer Mehrwert war im gleichen Zuge deutlich begrenzter als oft postuliert wird.
Er gilt nach wie vor für viele als einer der wichtigsten Schlagzeuger - dabei war seine wirkliche "Schaffensperiode", wenn wir sie so nennen wollen, also Cream, nicht einmal einmal fünf Jahre umfassend. (Interssanterweise teilt er diese Besonderheit mit Mitch Mitchell.) Musikhistorisch ist das eher gering einzuordnen. Im Vergleich dazu haben andere viel ruhiger und unauffälliger über Jahrzehnte hinweg Musik geschaffen und weiterentwickelt. Hal Blaine, Ring Starr, John Bonham, Bill Ward, Bill Bruford, Alan White, Barriemore Barlow, Roger Taylor, Alex van Halen z.B. - die haben m.E. viel länger und deutlicher die Populärmusik der kommenden Jahre gerpägt, vorangetrieben, Menschen zu neuem inspiriert, als das Baker getan hat. Was ist denn aus seinem Spiel jetzt so herausragend gewesen, dass es Generationen geprägt hat? Fällt mir es ganz ehrlich schwer, da etwas zu benennen.
Und dass Baker als Vater der Doppel-Bassdrum oft genannt wird, ist zum Beispiel nicht zutreffend, auch so eine Legendenbildung, die ihn überhöht. Diese Ehre gebührt allem Anschein nach Louie Bellson, gefolgt von Sam Woodyard, Rufus Jones und Ed Shaughnessy. Er hat es - übrigens- zeitgleich mit Keith Moon - lediglich für den Rockzirkus adaptiert. Neu war da also erstmal nichts.