Je einzigartiger und Niveau-voller das Ergebnis dann wird, desto stärker und größer sind die Persönlichkeiten.
Das "niveauvoller" würde ich eher streichen, das ist wohl eher keine "Gesetzmäßigkeit". Modern Talking, DJ Ötzi, DJ Bobo und Mickey Krause würde ich nicht gerade als nivauvoll bezeichnen, dennoch sind es unbestreibar große Persönlichkeiten der Musikbranche (gewesen).
Jetzt mal kurz zu meiner Selbstreflexion. (wem es zu langweilig ist, einfach skippen
).
Ich glaube, dass bei mir wie bei Vielen ein stetiger Veränderungsprozess stattgefunden hat. Dieser geht auch weiter, aber gewisse Muster haben sich bei mir im Laufe der Zeit am Schlagzeug herauskristallisiert (diese EInschätzung teilen auch Freunde von mir). Ich denke, ich habe einen gewissen Stil inzwischen herausgearbeitet, das war aber ein langer (vor allem Denk/Reife-)Prozess und es ist mir selbst wohl erst vor gut zwei Jahren so richtig bewusst geworden, als ich mich gefrate hatte "Was machst du da eigentlich und warum?".
Ich wollte, wie so viele, als Jugendlicher einmal wie Bonham, Moon, Barlow und Paice spielen können. Als ich merkte, dass ich alleine schon auf der Snare nie so schnell und sauber sein würde, wie Paice, gab ich es auf, wie Paice als Drummer sein zu wollen. Ich scheiterte kläglich an Bonhams "Fool in the rain" (Wen wundert es?), ich bekam Moons irre schnell und präzise gespielten Tom-snare-Kombos nie ordentlich hin. Und bei nem 7/8 von Barrymore Barlow winkte ich gleich ab.
Also spielte ich erstmal so in den Schulbands, wie ich es konnte und arbeitete daran, schneller und besser mit einfachen Fills zu werden.
Dann kam studienbedingt die große Schaffenspause und der Fokus wanderte vom selbst spielen zum zuhören. Was zog ich mir alles zu Gemüte, von der Musik der Renaissance zu Opern, von Swing bis Metal von Blues bis zu Drum'n'Bass und Breakbeats. EIne ordentliche Bandbreite des musikalischen Schaffens war mit dabei - vieles davon beruflich bedingt. Und ich sog viel, viel auf, verinnerlichte, was Musiker wie Brubeck, Elvis, Blakey, Chat Baker, Hancock, Brassens, Brel, Ravel, Caruso, Puccini, Lionel Ritchie, Tim Fischer und so weiter so besonders machte. Mein musikalischer Horizont erweiterte sich enorm in den kommenden Jahren, weit über den klassischen Pop/Rock-Bereich der Teenie-Zeit hinaus. Und das ließ mich vieles sehr viel anders als früher sehen. Insbesondere wurde das Schlagzeug für mich weniger zum "Hauptinstrument" der jugendlichen Wahrnehmung und mehr zum geschmackvoll eingesetzten Musikinstrument, das im Hintergrund das Fundament für alle anderen bereitet. Mein Verständnis von Musik und Musikinstrumenten wurde, sagen wir, "harmonischer".
Zudem fand ein - nicht unüblicher - Reifeprozess bei mir selbst statt. Als Teenager möchte man ja gerne mal im Mittelpunkt stehen. Davon bin ich - zum Glück - heutzutage weit weit entfernt. Ich bin, wie mir oft attestiert wird, ein ruhiger aber bestimmter Charakter, der aus dem Hintergrund heraus erst genau analysiert, was um ihn herum geschieht, bevor er reagiert. Das färbt auch auf das Schlagzeugspiel ab. Ich analysiere, was die anderen Musiker um mich herum machen und reagiere dann darauf, immer mit dem Fokus, den Gesamtklang des Liedes aufzuwerten, ein harmonisches Ganzes zu befördern.
Da ich als Instrumentalist mich nicht in den Vordergrund drängen will und meine vielfältigen technischen Unzulänglichkeiten
mich davon abhalten, ein Doppelbassdrumgewitter abzuliefern oder ein Snaresolo à la Steve Smith hinzulegen, habe ich mein Spiel teils bewusst, teils unbewusst dem angepasst oder anpassen müssen, was sich als meine Stärke herauskristallisiert hat. Groove und Feel, Dynamik, Ghostnotes. Es gibt bei mir bestimmte (vermutlich von Jazz- und Motown-inspirierte) Fills, die ich immer wieder mal einbaue - das würde ich dann schon als Eigenheit von mir bezeichnen. Und meine Fills sind - auch wieder Motown-verwandt- kurz. Vermutlich auch ein Markenzeichen von mir. Mein eher perkussiver Umgang mit Becken ist von Leuten wie Katché beeinflusst worden und definiert meinen "Sound" zudem. Bei meinem Bassdrumspiel sind, so schätze ich, Einflüsse von Bonham und diversen Funk/Soul-Nummern wiederzufinden. Ich bin in der Quintessenz also die Summe meiner prägenden musikalischen Einflüsse und meiner technischen Limitationen. (Habe ich das nicht schön formuliert?
)
Aber auch die intensive Beschäftigung mit Instrumenten, ihren Bauarten, Eigenschaften, Klangwirkungen und Setaufbauten hat dazu beigetragen, dass mein Stil und mein Sound sich allmählich herauskristallisiert haben. Ich bin z.B. nie mit einer Bassdrum zurecht gekommen, die mehr als 22" hatte, bei 20" fühle ich mich seit einigen Jahren persönlich am wohlsten. 1 up, 1 down, da fühle ich mich wohl. Große ausladende Drumsets brauche ich für mein Spiel einfach nicht. Tiefe Snares und ulltraflache sind nicht meins, ebenso dicke Kessel - das ist ganz und gar nicht meins. Ich mag perkussive, warm klingende Toms und befelle und stimme sie entsprechend. Ich mag generell "warme Klänge", auch bei Becken. Aggressive, dominante Töne sind nicht meins. Vielleicht bin ich total "old-School", hinsichtlich meiner Klangvorstellungen,... aber immerhin, ich weiß inzwischen welchen Sound ich will und wie ich ihn in die Musik einbringen kann. Das sehe ich als Gewinn an. Hat 'ne Weile gedauert, dahin zu kommen, aber besser spät als nie. 
Und nun zu anderem als mir.
Bzgl. Konservatorien und Stil aberziehen: Ich denke, dass es durchaus passieren kann, dass einem der eigene Stil wegerzogen wird. Ein guter Lehrer sollte m.E. aber die Eigenheiten des individuellen Musikers erkennen und fördern, nicht zerstören. Und ich schätze und hoffe, dass die Mehrzahl der Lehrer auch so agieren.
Es gibt aber bestimmt auch Situationen, wo es nicht verkehrt ist, jemand seinen Stil wegzuerziehen, wenn dieser einem nämlich Steine in den Weg für die weitere Entwicklung legt. Stell dir vor, du bist Trompetenspieler und dein Klang ist gut, könnte aber noch viel viel besser und vielfältiger werden, wenn erstmal die richtige Atemtechnik gelernt wird. Da ist es dann vielleicht sinnvoll, einen Schritt zurück zu machen, um dann zwei vorwärts zu kommen. So denke ich jedenfalls.
Und Porcaro finde ich eine schwierige Kiste. Wenn nach dem Procaro-Stil gefragt wird, wird immer der Rosanna-Shuffle erwähnt. Den gab es aber nur in diesem einen Lied in dieser Art und nicht nochmal irgendwo. Beat it ist genauso Porcaro, aber da ist nix shuffelig-frickelig. Der "Rosannaschaffel" ist für mich ein Rhythmusmuster, das Porcaro zusammengezimmert hat, aber kein Stil an sich. Der Porcaro-Stil ist eher, das WIE Porcaro diesen und andere Rhythmen gespielt hat, nicht DASS er ihn erschaffen und gespielt hat. Meine 2 Cent dazu. 