Ein Eindruck, den ich in den vergangenen Jahren vermehrt gewonnen habe, ist, dass Stahlsnares, jetzt ganz unabhängig von der Kesseltiefe, oft - und völlig zu unrecht - verpönt sind. Ich denke, dass das wohl damit zusammenhängt, dass Stahlsnares oftmals günstiger hergestellt werden können und somit bei Einsteigersets, wie eben dem Pearl Export einst, in Massen mitgeliefert wurden und den Markt überschwemmt haben. Doch diese Snares sind halt nicht zu vergleichen mit wirklich wertigen Stahlsnares, es ist ein wenig wie Spielzeug vs. echte Instrumente in meinen Augen.
Was sicher - teils hierdurch bedingt - zum eher negativen Image beigetragen hat, ist dass Stahlsnares halt durch die "breite Verfügbarkeit" wenig sexy waren. Sie waren und sind vielen nicht individuell genug, sondern "Einheitsbrei". Und wie wir so sind, suchen wir ja immer DEN Sound und der soll sich oftmals auch noch von allem anderen dagewesenen Abheben. Dann greift man lieber zur Raw Brushed Bronze Snare mit 40er Carbonstahl-Snareteppich. Hat ja keine andere Sau, sowas. *hust* Und bei diesem Trend nach Individualisierung, Abgrenzung, wird oft verkannt, was ein gutes Instrument auch ausmachen kann: Vielseitigkeit. Und genau hier spielen viele Qualitäts-Stahlsnares ihre Stärken aus. Eine gute Stahlsnare kann man in allen Genres einsetzen und laut, wie leise spielen, in vielen Dynamikbereichen und der Stahlkessel garantiert eigentlich - sofern kein Bockmist gemacht wird - dass eine hohe Sensibilität, eine sehr direkte Ansprache vorhanden ist. Nicht ganz ohne Grund sind z.B. für das Spiel mit Besen Stahl-, Messing- und Alusnares recht gefragte Kandidaten.
Ich weiß nicht wieso oftmals auch mit Stahlsnares eine enorme Lautstärke assoziiert wird. Es gibt solche und solche Stahlsnares, wie bei Holz auch. Meine Star Bubinga ist vermutlich lauter als meine SLP Vintage Steel, wenn es drauf ankommt. Dennoch hat Bubinga nicht den Ruf weg, ein Lautstärkeeimer zu sein. Stahl hingegen schon, obgleich eine Stahlsnare auch sehr leise und fein akzentuiert gespielt werden kann. Wichtig, wie immer, ist primär der Schlagzeuger und die Wahl der Sticks, gefolgt von Kesseldicke unt -tiefe. Das Material ist da eher vernachlässigbar, würde ich vermuten.
Bei mir sieht es so aus, dass ich immer wieder gerne auf meine Stahlsnare zurückgreife. Denn sie ist mit inzwischen sehr vertraut, ein solides, berechenbares Arbeitstier und im Grunde bräuchte ich keine weitere Snare als diesen echten Allrounder, wenn ich ganz ehrlich bin. Meine Alu - und Holzsnares gebe ich dennoch ungerne weg. Ich hänge halt an dem Kram.
Aber ein Drummerleben ohne die Vintage Steel? Schwer vorstellbar für mich. Ich würde sie sofort vermissen.