(Gernot & hueni: Übertreibt nicht so! Dolle Vids, Gernot - thx.)
Vorspiel
Die Vorfreude war lang und groß und am Samstach war's endlich soweit. Die DF-Renterfraktion (Gernot, hueni und ich) fand sich nach einem Begrüßungs-Mozambique im Keller mit anschließender Sportschau in der zwoten Reihe des CS ein. "Doors open" war um acht und freundlicherweise ließ uns Steve mit Freunden nicht länger als angekündigt warten. Pünktlich gegen neun ging's los. Wir hatten also noch eine Stunde Zeit für Fachsimpelei, Video-Programmvorschau und Equipment-Spannen. Steve hatte, wie erwartet, sein schwarzes Yamaha-Sig am Start mit dem bereits erwähnten riesen Resoloch, zwei Crashes, Ride und Hihat. Dem Augenschein nach waren das nicht seine Signature-Zildjians und dem Sound nach waren sie jeweils ca. 4 cm dick. Nur die Hihat war wohl ein dünneres Exemplar.
Mitspieler
Seine Mitstreiter waren Joey de Francesco (Orgel und zwo-, dreimal Trompete), Paul Bollenback (Gitarre) und Ronnie Cuber (Baritonsax). Bollenback und Cuber waren mir bis dato unbekannt mit Joey hatte ich schon öfter das Vergnügen. Musikalisch bewegte sich die Angelegenheit zwischen Blues, Rhythm'n Blues und Jazz mit vereinzelten Abstechern in Latin- und Fusiongefilde. Insgesamt sehr traditionell und old fashioned. Gadds Sound war, wie wir ihn in den letzten Jahren von ihm kennen. In der zwoten Reihe hatte ich kaum PA-Sound. Man hörte viel mehr vom akustischen Bühnensound. Der war nicht überragend, aber man hörte alles gut - wirklich alles.
Spielverlauf
Steves Spiel hat mich umgehauen. Anders kann ich's nicht sagen. Ich bin immer noch geflasht. Alles was man erwartete, berkam man geboten: die subtilen Snare-Hihat-Geschichten (gleich ausgiebigst im Solo der zwoten Nummer), die typischen BD-Tom-Breaks, bei denen er fast vom Hocker fällt, den Mozambique, sein Jazz-Riding in Vierteln wobei der Stock "im" Becken bleibt, das unnachahmliche Besenspiel etxpp… alles war dabei.
Die Zutaten sind brilliant, aber noch besser ist, was Steve damit kocht. Seine unglaubliche Musikalität unterscheidet ihn für mich vom Rest. Wie er mit seinen Bandkollegen kommuniziert, wie er auf sie eingeht, selbst Akzente setzt und dem Zug eine andere Richtung gibt, Platzt läßt, Raum zum Atmen und dann wieder Gas gibt und die Intensität bis zum geht-nicht-mehr steigert. Letzteres gelingt auch, ohne lauter zu werden. Er zeigte auch, daß er rein langen kann ohne Ende, wenn's erforderlich ist (jedes Becken ist ein Crashbecken!). Seine Dynamik ist fast beängstigend. Witzig war der Einsatz seines Doppelpedals. Besen mit Doublebass hört man nicht alle Tage und oft spielte er Figuren, die er geslockert auch mit einem hätte spielen können. Dank des großen Resolochs konnte man immer sehen, was man hört. Und der Meister ließ die Klöppel oft im Fell stehen. Warum auch sollte er das lassen, wenn er's schon beim Ride tut? Bei einem Hihat-Groove ließ er den Stock auf der getrenen Hihat bis zum letzten Zipfel liegen, er drücket ihn fast aufs Top. Er reizt das aus, bis aufs Letzte - grandios. Es ist schön zu sehen, daß es kein richtig oder falsch gibt, sondern allen der Zweck die Mitel heiligt. Hier im Forum hätte Steve grobe Schelte ob des Aufbaus, der Körperhaltung und einiger Spieltechniken zu fürchten.
Soll ich noch was über seine Time... nichts wäre überflüssiger als das. Falls die Atomuhr in Braunschweig einen schlechten Tag hat - einfach mal auf Steve schalten. Dann läuft die Welt wieder rund.
Die "Restband" überzeugte mich auch vollends. Am meisten Joey de Francesco, dessen Leibesfülle nur duch seine musikalischen Fähigkeiten übertroffen wird (ich schätze >200 kg - Bursche mach was, sonst werden wir nicht mehr allzu lange an Dir Freude haben!). Mann, Mann das war unglaublich, wie Steve und er zusammenspielten. Oft waren nur zwei Musiker zu hören (Steve und einer der anderen) und mir fehlte trotzdem nichts. Der Ausstieg aus Pianissimo-Passagen wurde ein paar mal durch Joeys Fußbaß eingeleitet und das gab dann einen unglaublichen Groove. Paul Bollenback spielte sehr interessante jazzy Lines, auch mit der ein oder andern "modernen" Technik (diese getappten Flageolet-Melodien fand ich klasse), immer sehr geschmackvoll und rund. Ronnie Cuber ist auch ein sehr guter Musiker, doch packe er mich nicht so wie die drei andern Herren.
Endergebnis
Was gibt's zu meckern? Steves Blastbeats kommen mir zu unrund rüber und 17 über 15 hab ich auch schon schneller gehört. Im Ernst: Für mich gar nichts. Ich hatte ganz vorne einen guten Sound und konnte ein umwerfend gutes Konzert erleben. Die genannten Kritikpunkte der Vorschreiber kann ich nicht teilen. Langweilig war für mich gar nichts und altmodisch - mmh… so viel Musikalität kann nie altmodisch sein, ganz egal, welche Musik gespielt wird. Es gibt bestimmt viele Trommler, die komplizierter, schneller, abgefahrenner und was weiß ich was doller können als Steve Gadd. Aber bei keinem bekomme ich soviel Gänsehaut. Alles andere ist primär. Steve Gadd ist für mich das Alphatier im Trommlerrudel, nur viel bescheidener und netter als alle anderen Alphas, dieich kenne.
Dank Steve!
fwdrums
Und Danke an hueni & Gernot für beste Gesellschaft & 1a "Rahmenprogramm". (hueni, den Mozambique hat er schon gespielt. Der klingt nur anders als bei uns!
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