Cakedrummer:
Weder Newbeat noch Roger verherrlichen hier den Drogenkonsum. Sie durchleuchten schlicht die Hintergründe und gehen dabei tiefer als nur polemische Schwarz-Weiß-Malerei zu betreiben. Darüber, dass Drogenmissbrauch und -Sucht ernstzunehmende Probleme sind, sind sich hier doch alle einig. Die beiden haben lediglich dargelegt, dass das Problem nicht nur in den Substanzen selbst, sondern in erheblichem Maße auch im gesellschaftlichen Umgang damit liegt.
Eine Sucht ist immer eine Flucht. Wenn man nur den Zufluchtsort untersucht, wird man nie das eigentliche Problem erkennen.
Zur Ausgangsfrage:
Professioneller Musiker zu sein, bedeutet nicht automatisch total ausgebrannt und mindestens latent Drogenabhängig zu sein (oder zu werden). Das ist für mich Klischeedenken. Natürlich gibt es viele Beispiele von Stars, die an den Folgen des Missbrauchs verendet sind. Das sind in meinen Augen aber die Ausnahmen.
Unter den Kollegen, mit denen ich arbeite, gibt es natürlich einige, die gerne mehr Bier trinken, als gut für sie wäre. Die meisten jedoch sind sich sehr bewußt darüber, wie wichtig es ist, mit den eigenen Kräften hauszuhalten. Alkohol und andere Rauschmittel schlauchen ganz einfach und machen einen Gig mindestens doppelt so anstrengend, wie wenn man nur Wasser getrunken hätte.
Es ist natürlich nicht einfach, konsequent zu sein, da man als Musiker bei Gigs fast immer von Party und Alkoholgenuß umgeben ist. Wer hat da schon wirklich Lust, selbst nur Wasser zu trinken? Andererseits ist es halt ein Job. Wer kann es sich leisten, alkoholisiert (oder sonstwie berauscht) zur Arbeit zu gehen?
Ich brauche beim Spielen meine volle Konzentration - wie jeder andere auch, der seine Arbeit gut machen möchte. Ebenso brauche ich meine Erholungsphasen. Ein Wochenende, das mit Gigs belegt ist, ist anstrengend. Also versuche ich, es nicht noch anstrengender zu machen und auf das "Selber-Feiern" zu verzichten, denn ab Montag winkt schon wieder der Alltag.
Gruß,
Sven