Zitat
Doch krieg ich bei den Toms irgendwie keinen wirklich guten Klang hin, außer ich verwende massiv viel Equalizer. Die Bassdrum ist hingegen kein Problem, das Teil klingt genau so, wie ich es haben will. Doch ich hab bereits bei ein paar Auftritten ein gutes Gegenbeispiel zu den Toms gehabt und auch schon von mehreren Leuten gehört, dass es durchaus möglich ist, da einen guten Klang rauszubekommen. Nur nie, wie eigentlich genau.
Die Bass ist insofern kein Problem, da sie "von jeher" so aufgenommen wird... (selige Bigband-Zeiten oder Retro-Anordnungen
mal ausgenommen) wir den innen mikrofonierten Kick-Sound also von unzähligen CD´s und Gigs kennen. Dieser Sound unsere Wahrnehmung und unsere Hörerwartungen ("wie klingt eine Bass") maßgeblich geprägt hat.
Auch ist durch ihren im Vergleich zu Snare und Toms großen "Hubraum"
längst nicht so eine extreme "interne Reflektion" zu erwarten. Kick-Fazit: Sie ist klanglich wesentlich leichter zu handeln und wir alle kennen (ja erwarten regelrecht) diesen von innen mikrofonierten Kick-Sound. Reagieren somit bei der Kick eher entzückt als befremdet.
Ich hatte früher intensiv mit May experimentiert. Ich hatte alles so mikrofoniert: Bass, Snare, alle Toms. Noch zu seligen Zeiten als die teuren EV- Neodym-Mikros der große Hype waren. Danach noch abseits May mit den eher.... hust... günstig produzierten SIB Mikros inklusive deren Halterungen.... Jahre später dann nochmals mit unzähligen Mikros und eigenen "wüsten"
Konstruktionen - sofern diese irgendie in die Kessel zu bringen waren... einfach um herauszufinden wo und warum die Klang- und Handling-Grenzen mitunter (so eng) liegen.
1.) Es ist super wichtig mit EQ radikal auf die Mitten EInfluß zu nehmen. In aller Regel diese massiv abzusenken. Ein parametrischer EQ im Kanalzug ist da das mindeste. Wenn man da womöghlich nur 2-Band "Bass" und "Treble" hätte... kann man die Mikros gleich ausbauen. Keine Chance! Im Kesselinnern herrscht durch die extrem-Reflektion zwischen Kesselwänden sowie Schlag- und Resonanzfell eine "dosenartige" Klangatmosphäre... ich kann nach unzähligen Mikrofontypen die ich dort platzierte sagen... diese Effekt tritt je nach Typ in der Ausprägung mehr oder weniger auf. Aber er tritt immer auf! Viele werden diesen Post vielleicht inhaltlich nicht nachvollziehen können. Man kann sich diesen Sound im Tomkessel deshalb so schlecht vorstellen, da wir unseren Kopf so schlecht in einen Tomkessel bekommen und schon garnicht dann noch das Reso aufziehen und jemand ´draufhaut
Auch ist der Sound innen nicht wirklich (wie viele fälschlicherweise vermuten) mit Concerttoms zu vergleichen, wo unten das Reso fehlt und man einfach dort ein Mikro hineinführt. Ein Concerttom ist mitnichten ein geschlossenes System... dementsprechend ist das Ausmaß der Schall-Reflektionen im Innern ein gänzlich anderes.
2.) Prinzipiell/theoretisch sehr gute Isolation der Klangquellen durch Close-Miking. Ich empfand trotz heftiger Klangschrauberei an EQ´s... aber selbst dann diesen Sound immer noch als eher steril bzw. unnatürlich und hart.
Das Pro ist die tolle klangliche "Isolation" jeder Spur (jeder Trommel). Aber der eher eigenwillige Klang liess sich in meinen Ohren nur dadurch entschärfen, dass ich Overheads oder andere "Sachen" deutlicher als geplant hinzugemischt habe. Und dann ist die Isolation der Sounds schon wieder hinfällig. Aber da ich hier kein Kurz-Review verfassen möchte... sondern praktische Hilfe
hier noch ein Tip: versuche eventuell auch mehr über die Einbeziehung/Positionierung der Overheads und deren Einfluß auf den Tomsound nachzudenken.
3.) Perkussiver Sound. EIn deutlicher Anschlag oder gar ein etwas überrepräsentierter ist oft eine feine Sache - insbesondere bei rocklastiger Mucke. Bei interner Mikrofonierung kann das aber auch auf den Senkel gehen. Insbesondere bei kleineren (kürzeren Toms). Jeder kann sich ausmalen, wie weit man bei einem 8 x 7 Tom oder einem 10 x 6,5 Hyper oder 12 x 7 das Mikro innen noch vom Schlagfell weg bekommt. Jetzt wird mancher einwenden: "von Außen fahre ich meine Mikros bisher doch auch im Close-Miking-Betrieb". "Was soll denn bei Innenmikrofonierung anders sein?, da richte ich die Kapsel logischerweise auch sehr dicht vor das Fell, so wie außen!" Es ist deutlich anders. Der Attack ist deutlich direkter... aber auch etwas "härter". Das kann man mögen - muß aber nicht. Ich empfand es als wiederum eher unnatürlich. Dazu kommt: die Wechselwirkung dieses massiveren Attacks mit den vielen Kesselresonanzen. Diese Wechselwirkung ist ganz schwer in Worte zu fassen. Nur soviel: die oben schon erwähnt deutliche Absenkung der Mitten ist ein einfacher "Trick"... um die Folgen bzw,. das Ausmaß dieser Wechselwirkungen etwas zu mindern.
Ist ein Tom größer (wie z.B. früher bei X-Tra und/oder gar quadratischen Maßen hat man wesentlich mehr "Luft"/Raum zum Experimentieren. Dann kann man durch verschiedene Distanzen auf diesen härteren, perkussiveren Attack recht gut Einfluß nehmen. Aber derartige Sets sind nicht mehr sooo häufig anzutreffen. Sie kommen wieder... eines Tages... aber gegenwärtig?
4.) Änderung der Mikroausrichtung um auf Klang Einfluß zu nehmen.
Natürlich kann man versuchen dem direkteren Attacksound durch eine Verdrehung der Mikrofonkapsel bzw. deren Anordnung entgegenzuwirken. Bei all diesen Experimenten kommt aber hinzu, dass man sie wirklich realistisch nur testen kann bei montiertem Schlag- und Resonanzfell. Eben weil die Wechselwirkung aller Reflektionsseiten/Parameter im Trommelkessel so massiv auf den Klang Einfluß nimmt. Da ist man, wenn man Soundfetischist ist, durchaus mal dabei 10 mal ein Fell einer Trommel auf- und abzumontieren umd daas Mikro nochmal 3 Millimeter neu auszurichten. Es kann sich aber lohnen hier zu experimentieren. Nur der warnende
Hinweis, dass die erste Veränderung der Justage nicht die beste sein muß. Das man also zur systematischen Verbesserung des Sounds (nach eigenem Geschmack) oftmals viel Geduld mitbringen sollte.
5.) Wer gerne (wie ich) den tiefstmöglichen Grundton sucht und danach seine Stimmung ausrichtet... im Idealfall auch mit langem Sustain... kann (muß nicht) mitunter (insbesondere bei dünnwandigen Kesseln) auch nochmal einen Dämpfer erhalten. Es gab vereinzelt Mikropositionen wo das Mikro nebst Halterung eindeutig auf die Kesselschwingung bzw. den Klang Einfluß nahm. Es passiert nicht! oft hörbar. Aber manchmal. Wie erwähnt insbesondere bei Thin shells kann es hörbar auftreten. Desweiteren ist, wenn man langes Sustain liebt gerade die interne Mikrofonierung sehr heikel, da man sich im Inneren zwischen den Kesselwänden und den Fellen natürlich im "Herz" der Sustain-Interaktion befindet. Dies läßt dann manche Drummer wieder über Gates etc. weitere materialtechnischen Aufwand bzw. Nachbehandlung nachdenken.... Wenn man Felle aber etwas abklebt ist das natürlich handelbar.
Das sollte für´s erste helfen... sich klangtechnisch noch etwas den eigenen Klang-Wünschen anzunähern.
Wenn nicht... poste weiter. Ich bin sicher dass wir noch ein paar konkrete Tips haben, wenn Dein Problem bzw. Dein Wunschsound genauer umrissen ist.
Viel Erfolg!
edits: only Rechtschreibung... sonst nix