Ein materialprüfungstechnischen Gutachten ist oftmals monetär jenseits von Gut und Böse. Man darf auch nicht vergessen wann üblicher- bzw. sinnvollerweise solche Verfahren in Auftrag gegeben werden: Granate bleibt bei Übung mit scharfer Muni in Panzerfaust stecken und zündet - Soldat tot, oder Autocrash mit dramatischen Folgen, Kindersitzsicherheit, Kinderspielzeug und Inhaltstoffe oder Gefahren durch Falschanwendung, Sicherheit von Bau- oder Heimwerkergeräten, Sicherheit von Haushaltsgeräten, gerichtlichen Auseinandersetzungen etc. etc.
Wir kennen viele Beispiele die alle wichtig und bedeutsam und WIRKLICH UNTERSUCHENSWERT sind bzw. Kosten/Aufwand in einer gewissen Verhältnismäßigkeit zum Nutzen stehen. Für ein Einzelstück hingegen, ohne nennenswerten Schaden bzw. nennenswertes Risiko tausendfacher Wiederholung dieser Schäden - wird man in aller Regel aber keinen großen Kosten/Aufwand betreiben wollen... schon garnicht privat - oder?
Was nützt es mir, wenn ich für XXX Euro etwas Begutachen und schriftlich festhalten lasse (welches eventuell nur ein Gegengutachten zur Folge hat) - was mir der Vertrieb oder Händler im "harsch-kulanten"-Austausch (wenn er partout nicht austauschen will) vielleicht statt zum Neupreis für 299.- aufgrund des nicht eindeutig geklärten Schadensfalles für 100.- oder 150.- überläßt?
Ich habe so etwas früher (20 - 30 Jahre her) bei Cymbals nur 2 mal gemacht (da im Umfeld eine materialwisschenschaftliche Koryphäe mit internationalem Ruf erreichbar war und es mich deshalb nichts kostete).
In einen Fall tat ich das auch nur weil ein weltweit bekanntes Cymbal-Unternehmen bei (m)einem ca. einem Jahr alten High-End-Cymbal, dass einen Riß am Rand hatte, behauptete solch ein Schaden könne nur entstehen, wenn man das Cymbal aus 2 Metern Höhe auf Beton!!! fallen lasse. Ein Gratis-Aussägen anbot - aber keinen Umtausch. In Anbetracht der Tatsache dass ich spieltechnisch und im Umgang mit dem Becken Warmduscher war - es somit super-pfleglich behandelt hatte - konnte ich mir so eine kafka-esque-Surrealität in meinem Alltagshandling nicht unterstellen lassen. Ich ließ mich zähneknirschend auf das Aussägen durch den Hersteller! (those were the days) ein - nur um frustriert festzustellen, dass wenige Wochen darauf ein weiterer Riß entstand.
Somit folgte ein Brief mit einer Analyse jener Koryphäe. Der Brief stützte sich auf Materialverlaufs- und Bearbeitungs bzw. Herstellungsdetails GENAU DIESES BECKENS - (die ich damals - und wahrscheinlich 99,999% aller Drummer auch heute nicht entdeckt hätten da sie sich garnicht in so unmittelbarer Nähe zu den Rissen befanden). Der Brief lieferte eine wissenschaftliche Begründung warum diese "Herstellungs- und Bearbeitungsdetails" mit höherer Wahrscheinlichkeit zu einer Rißentstehung an den bei meinem Becken aufgetretenen Stellen führen wird. Es war weitweg von Kaffesatzlesen - sondern "komprimiert-konzentriertes" Fachwissen mit der dezidierten Auflistung "wo am konkreten Cymbal was nicht stimmt" aber auch keine seitenlange Abhandlung sowie ohne Meßdiagramme oder Prüfprotokolle von aufwendigen Geräteparks.
Man kann aber davon ausgehen, dass irgendein Schrieb irgendeines Menschen auf Firmenseite eher ein müdes Lächelns auslöst. Entweder sind sie kulant, oder einsichtig - oder nicht.
In meinen 2 Fällen (sonst habe ich sowas nie in Anspruch nehmen wollen!!! Vorausgegangen war eine unverschämt-infame Unterstellung des einen Herstellers - siehe oben - in meine Richtung) war wahrscheinlich eher der Briefkopf bzw. die Bekanntheit des Gutachters im Zusammenhang mit den fachlich nicht bestreitbaren Aussagen von ihm, die Ursache dafür, dass sofort nach Erhalt des Briefes das Unternehmen einlenkte.
Mir ging es damals (wie heute) um die Frage des Respekts - des Umgangs miteinander. Nicht um Kraftmeierei. Ich empfand es als unerträglich jemanden der sein Taschengeld spart um sich einmal was tolles zu leisten - das dann geradezu übervorsichtig wie ein Phobiker vor jeder Bakterie schützt und zärtlich streichelt - mutwillige Zerstörung oder dummdreiste Tollpatschigkeit und Fallenlassen auf Beton zu unterstellen.
[size=8]Edits: Rechtschreibfehlerteufel war bestialisch aktiv, danach Text mittels Leerzeilen besser strukturiert - da es ja durchaus ein interessantes Thema ist