Bibbelmann
Na da hat sich mein Beitrag doch noch gelohnt. Genau das meine ich. Es gibt gute Gründe für Hersteller Snares aus Stahl zu bauen. Diesen eben bitte, bitte per se KEINE Doofheit unterstellen. Genau darum geht es mir. Nicht selten klingen auch Stahlsnares gut und manche Modelle kommen dem Ludwig Sound für den soliden "Hausgebrauch" nahe genug. Und zig snares auf dem Markt haben als Vorbild den Ludwig Sound. Das weißt du doch selber... Bibbel-Man
das hat auch zunächst noch nix mit "Nahtlos" zu tun. Für viele geht es darum eine gutklingende, variable Snare zu bauen, und da steht nicht selten Ludwig Pate.
Und das zu einem günstigen Preis. Dies ist der Hauptgrund, dass manche kein Alu (denn das ist ja teurer in der Herstellung) oder sonstige Legierungen verwenden! Und nicht die von dir belachte Blödheit (oder Mißverständnisse) anderer Firmen in Bezug auf die von Ludwig verwendeten Materialien. Das mag es weiter zurück in der Historie durch aus ab und an (auch bei Reproduktionen anderer Snares) gegeben haben...
Wie bereits zweifach erwähnt gilt aber seit Jahren: will man einen Kessel weitestgehend identisch reproduzieren, dann analysiert man die Legierung. Und diese Option gibts eben nicht erst seit heute. Dann entscheidet "nur noch"... die weitere Verarbeitung, die Gratung und Kesselhardware über die Nähe am Originalsound. Will man das alles (sofern keine Patent-Sachen entgegenstehen) nachahmen, dann ist man schon sehr nahe am Original. Das Vintage Händler (ich meine nicht unseren Vintage
sowas natürlich dogmatisch ablehnen und für unmöglich halten, ist reiner Selbsterhaltungstrieb. Ihnen gilt es doch gerade die "Magie und Mythologie" und Preise der historischen Sahnestücke weiter aufrecht zu halten bzw. im Laufe der Jahre immer weiter durch episodenhafte Stories (ala die anderen sind zu blöd zu erkennen, das die Snare nicht Stahl sondern Alu ist) am Mythos zu feilen. Kann ich auch gut verstehen... hat was!
Trotzdem ist es dann immer noch ein zweites Paar Schuhe ob man die Snare wirklich 1 zu 1 reproduzieren will. Das kann je nach Fertigungsaufwand nämlich teurer sein als es z.B. für Ludwig ist. Und hier haben wir wiederum den ein oder anderen Grund, dass manche Firmen den Weg des Reproduktionswahns nicht konsequent zu Ende gehen. Wenn ein Replikant nahezu identisch im Preis (oder womöglich teurer) als das Original wird... warum sollte man als Kunde dann den Replikant kaufen?
Out-gesourcte" Aufträge an Enwicklungslabors zur Analyse von Drumlegierungen und Beckeninkredenzien (es sind nun mal Legierungen, ob du es glaubst oder nicht... nicht böse sein... ich habe das Vokabular der Metallurgie leider nicht erfunden - Ehrenwort - dafür mußt du andere haftbar machen
sind wirklich branchenüblich. Es mag sein das dir das nicht bekannt war. Meine ich wirklich nicht böse oder ironisch. Klar kostet das was, aber das Geld bringen nicht wenig Hersteller viel lieber auf, als in jahrelanger Fleißarbeit hunderte Prototypen von "Black Beauty", "Supraphonic" oder "Glockengußbronze" per Trial and Error Verfahren herzustellen, Hörvergleiche anzustellen und immer wieder zu resümieren, das der Sound immer noch weit vom Original entfernt ist 
Wichtig ist aber (sollten dir Analyse-Verfahren immer noch zu teuer erscheinen), das man auch mit anderen Legierungen durch Variationen der Fertigungsmethoden, Kesselspezifikationen etc. versuchen kann einem gewünschten Sound nahe zu kommen. Diesen Weg gehen manche Firmen parallel zu den Analyse-Verfahren, da man nie auschließen kann mit einem günstigeren Ausgangsmaterial recht Nahe an einen tollen Sound zu kommen oder aber perspektivisch für die Zukunft durch das experimentieren noch feinere Sounds zu entwickeln. Es ist ja prinzipiell fraglich, ob Kessel die vor 30, 40 oder 100 Jahren in ihren Spezifikationen festgelegt wurden bis ans Ende der Zeitrechnung die Referenz im Trommelbau sein müssen... oder ????
Also bitte nicht das Entwicklungspotential vieler Firmen unterschätzen. Ich weiß es gibt irre viele Schrottfirmen auf dem Markt (der gutherzige Willy.W. war ja auch dieses Jahr bei einzelnen Fernostherstellern am Messestand zu sehen, um ihnen Tips zu geben was sie alles falsch machen, respektive wie sie ihre Hardware besser machen können): aber zum Glück gibt es auch sehr viele nüchtern-analytisch und clever agierende Firmen, zu denen nicht nur die jetzigen Majors gehören.
Aber vielleicht sind wir hier in unserem kleinen Disput mehr oder weniger zufällig auf die überhebliche Denke mancher Traditionshersteller gekommen, die möglicherweise auf naivem Niveau (zugegeben) ein Stück weit erklärbar macht, warum ´ne Marke wie Ludwig heute da ist, wo sie ist. Was feines bauen, in der Hoffnung das reicht so bis zum judgement day und im Glauben die anderen sind zu doof unseren Klang annähernd nachzubilden... bzw. das Material bzw. die Legierung zu ermitteln
Viel wichtiger ist aber noch, nicht zu vergessen (auch wenn sich dieser Thread auf Ludwig bezieht) dass wie bereits Kollegen zurecht bemerkten, auch viele andere Firmen absolut eigenständige tolle Snare-Sounds entwickelt haben, bei denen ich mich frage warum die nicht genauso häufig kopiert werden. Ich war (obwohl ich manche Ludwig snares insbesondere die Super-Sensitive sowohl in gehämmerter Bronze als auch in Steel-Alu-Mossgummi-Version liebe) immer ein großer Fan von Sonor, insbesondere der Ferro-Mangan Snare.
Trotzdem bei allem Kopierwahn NEU-ENTWICKLUNGEN nicht aus dem Auge lassen. Es wäre ja gräßlich wenn eines Tages die Industrie diese Posts liest und denkt diese Triefnasen (Drumstudio & Bibbel) kleben nur an der Vergangenheit.
Rest gerne per PM. In jedem Falle kollegialer Gruß !