Wenn ich versuche sehr nüchtern zu unterstellen, dass die hier gemachten Behauptungen annähernd stimmen und nicht überwiegend subjektiv geprägt sind (was man leider NIE ausschließen kann), dann würden sich mir wirklich nur 3-4 Schlußfolgerungen aufdrängen:
1.) Es wurde jemand als Experte ausgewiesen der womöglich keiner ist. Anders wären die schwammigen bis ungenauen bzw. Falschauskünfte (sofern es zu diesen wirklich kam) nicht zu erklären.
2.) Als Verbraucher der derartiges erlebt würde ich Expertenwissen woanders nachfragen vielleicht auch mal irgendwo VOR ORT. Oder aber vielelicht sogar am Selbsterwerb des Expertenwissens arbeiten. Das ist mühsam ja, hilft aber auf Dauer mehr als sich am Telefon zu ärgern.
3.) Der Tonfall (sollte dieser tatsächlich wie beschrieben sein) ist nochmals ein ganz anderes! Thema. Hier ist Fakt, dass diverse Firmen, Teile des Personals aber auch einige Endkunden massiven Schulungsbedarf in zielorienterter aber auch respektwahrender! Kommunikation haben. Aber Schulung abseits der Branchenkenntnisse kostet auch Zeit und Geld!
4.) Mit ein klein wenig Phantasie könnte man auch mutmaßen, dass Punkt 1 und 3 in Verknüpfung vorliegen. Dass also der Tonfall womöglich ruppiger und kundenunfreundlicher wurde, da sich jemand an den Grenzen seines Wissens befand - und jedes weitere Stochern in der Wunde (durch den Kunden, der aufzeigte dass die ein oder andere Auskunft fachlich nicht korrekt ist) am Verkäufer und dessen "Selbstwert"
nagte. Da ist es in aller Regel aus Verkäufersicht besser zu sagen, "geben sie mir etwas Zeit ich mache mich sachkundig für diese Detailfrage und melde mich später" - als mit Reaktanz bzw. so wie beschrieben zu reagieren.
Aber zu allem obig erwähnten sind auch ganz andere Erklärungsansätze möglich... das kann man hier von Außen nicht ausschließen.
Es gibt durchaus heutzutage viele, viele Kunden, die eine fundierte Beratung gratis wollen - nach Erhalt der Information dann aber Landes-, Europa- oder gar weltweit den günstigsten Anbieter suchen und dann dort bestellen. Gekrönt nur noch durch die Folge-Episode wenn bei Bedienungsmängeln dann wieder der kleinere, regionale Händler vor Ort gefragt wird, bei dem man nicht kaufte.
Für viele ist dies sicher wieder zu moralisierend von mir. Ich persönlich werde mich mit dieser Form des "Kaufverhaltens" aber nie anfreunden können und dies immer privat wie öffentlich als Frech, unverschämt und unfair benennen!
Aber auch hier kann und darf ich dem Threadstarter nichts unterstellen, da ich KEINERLEI Hinweis habe, dass er zu dieser Gruppe gehört. Auch ein Händler hat kein Recht aufgrund seiner vielleicht negativen Vor-Erfahrungen mit einzelnen Kunden, einem Neukunden das zu unterstellen. Das ist ein no-go.
Ich halte es für völlig legitim kritische Erfahrungen auch mal zur Diksussion zu stellen. Selbst (oder gerade) wenn diese nicht einer etwaigen Mehrheitsmeinung entsprechen. Ich würde mir aber auch Wünschen, dass mancher Händler mal einige krasse Stories mit natürlich anonymisierten Kunden mitteilt. Es gibt durchaus Dinge die so unglaublich sind... das sie eigentlich ein Podium bräuchten. Es würde sicher immens beitragen manche Sichtweise etwas besser nachzuvollziehen.
Ein Problem ist leider tatsächlich, dass viele kleine, aber auch mittlere oder gar ehemals große Händler massiv unter dem "Preisdiktat" (vereinfacht gesprochen) von Thomann und dem Music Store leiden. Es ist wahrlich kein Branchengeheimnis dass viele, viele Händler (auch diverse große), nicht mehr ihre Preise "selbst kalkulieren" sondern SOFORT auf die Website von Thomann gehen, dass Produkt und den dortigen Preis suchen und dann ihre Preise dahingehend anpassen... oftmals mit Sorgenfalten auf der Stirn, wie sie so betriebswirtschafltich überleben sollen.
Jetzt wird es noch komplizierter. Es gibt diverse Händler, die schaffen es trotz der fast obermächtigen Konkurrenz von Thomann und dem Store Kunden zu halten oder auch mal 1-2 neue zu gewinnen. Mein Eindruck ist aber dass dies sehr viel KOMPETENZ, Herzblut für Musikinstrumente, Kundennähe, SERVICEFREUNDLICHKEIT und einige weitere Attribute erfordert die mancher hier vielleicht als altbacken bezeichnet. Dir einigen Kunden aber viel bedeuten.
Ich kann den Kummer mancher Händler mit der fast übermächtigen Konkurrenz sehr gut nachvollziehen, viele traditionelle Musikshops die über (Familien)Generationen weitergführt wurden, stehen seit Jahren vor dem Kollaps oder sind in den letzten 10 Jahren schon zugrunde gegangen. Das ist interessanterweise nur selten ein Thema. Selten bei uns hier - noch seltener in den Gazetten. Es ist faktisch eine sehr deutliche Entwicklung die sich da vollzieht.
Shops wo man noch Instrumente ungestört in beschaulicher Atmosphäre antesten kann werden immer seltener. Diverse Musik-Shops werden immer mehr zum Bestellwesen-Programm am PC. Das heißt Ware wird nur noch bestellt und an den Kunden weitergereicht wenn er diese dezidiert kaufen will. Für mich ist das ein Horrorszenario.
Und doch ist das reiten auf der Mitleidsschiene schwierig. Aus Mitleid kauft man vielleicht eine Sozialprojekt-Zeitung in der Fußgängerzone. Aber ein Instrument? Das Jammern und Klagen schafft eher eine negative Asoziation mit dem Händler bzw. dem Instrument. In aller Regel musizieren wir aber zum Spaß bzw. um Spaß zu haben. Ich denke das "Jammern alleine" (ohne daraus konkrete Handlungsschritte zum Überleben des Unternehmens abzuleiten) das ich tatsächlich von diversen Händlern kenne, ist sehr kontraproduktiv. Es ist irgendwie durchaus verständlich keine Frage... aber eben nicht wirklich sinnhaft bzw. zielorientiert.
Mitunter ist manches Problem aber noch banaler. Manche Personen passen einfach nicht zusammen. Das kennen wir alle. Aus allen Lebensbereichen. Vielleicht wäre es sinnvoller als Kunde sich an seinen Wunschberater zu wenden - genauso wie es als Verkäufer nicht unüblich ist zu sagen "da kommt wieder die Babsi, mit den Blähungen - bitte bediene Du diese Kundin, ich halte das nicht aus".
edits: inhaltklich nichts verändert. Nur Texte eingefärbt und Fettdruck