Nochmals: ich finde den Thread gut. Denn er bietet insbesondere Rookies eine sehr schnelle Möglichkeit zu einer fundamental-wichtigen Erkenntnis zu gelangen (Natursound eines Sets schlecht mikrofoniert vs. polierter-immens manipulierter Drumsound aufwendiger Studio-Produktionen für CDs etc).
Gleichwohl habe ich (wie zu erwarten war) eine etwas andere Meinung in Bezug auf das "Material". Ich hoffe nicht zu sehr off-topic.
Ausdrucksstarke tolle drummer finde ich super. Ich höre sie aber am liebsten auf toll gestimmten, wohlklingenden Drumsets.
Es ist außer Frage, das diese immer noch immens beeindrucken, wenn sie auf einer Billigkiste loslegen. Aber am liebsten höre ich sie... siehe Zeile vorher.
Natürlich suggerieren viele Werbebrochüren von Firmen, dass besonders ihr Material uns besser klingen läßt - und implizieren der Zielgruppe auch durch mehr oder wneiger geschickte Formulierungen dass es uns zum besseren Drummer macht. Das sind die üblichen Gepflogenheiten von Werbung. Diese "Methodik" finden wir in jedem Lebensbereich. Mit Durex zum besseren Sex, mit Adidas zum schnelleren Läufer, mit Maggi Knorr Studio Produkt wirst du zum besseren Koch etc. etc. Der übliche Bullshit!
Eine Folge davon: ich bin seit Jahren entsetzt mit welcher Regelmäßigkeit mich nahezu täglich Drummer RETHORISCH fragen "sag mal XY ist doch eine gute Drummarke gell?" weil sie denken ein Name allein, den sie irgendwo auf einem Bassdrumfell gesehen haben, sei HAUPTINDIKATOR für ein tolles Produkt mit gutem Sound. Das ist fast tragisch und an Undifferenziertheit schwer zu toppen. Schlimm insofern auch da es in zahllosen Fällen zu radikalen Fehlentscheidungen beim Kauf führt. Dies wird natürlich durch Broschüren der Hersteller gepusht - aber auch durch dumm-dreiste (oder verkaufsfördernd-skrupellose) Platitüden der wenigen! schwarzen Schafe unter den Musikalienhändlern, von denen immer wieder einzlene Behaupten Firma XY: "da bist Du immer auf der sicheren Seite".
Ich befürchte keiner von uns wird da jemeils eine Veränderung dieser hohlen und einfallsarmen (aber scheinbar doch wirkungsvollen) Werbestrategien bewirken. Ich sehe unsere Pflicht da eher darin bei den Rookies daraufhinzuweisen, dass Material oder Klangattribute oftmals überschätzt werden und vieles leider auch mit Hype zu tun hat und dem vorrangigen Wunsch der Hersteller nach unserer Kohle! Darauf weisen manche Kollegen hier im Thread hin und das ist berechtigt.
ABER: was ich persönlich auch viel zu einseitig bzw. egozentrisch (im wahrsten Sinne) inde, per se zu sagen der Drummer der auf Material- und Klangnuancen setzt (oder diese als für ihn wichtig erachtet) liegt falsch- da man durchaus auch aus dem eigenen Leben weiß, dass jeder seine Erfüllung auf seine Art sucht. Ich erinnere mich auch an den ein oder anderen Thread bei dem erwachsene Drummer, die sich in ein toll lackiertes Set High-End "verliebt" haben, diese kaufen und einfach Spaß haben jeden Tag darauf zu trommeln oder sogar noch vor dem Schlafengehen einen Blick darauf zu werfen, öffentlich kritisiert werden, mit Anmaßungen wie: sie wären zu schlechte Drummer, um sich so etwas kaufen zu dürfen. Auch dies ist eine Ebene des Unsinns, für ihre Kaufentscheidung andere zu kritiseren.
Man kann Oldtimer lieben, sie restaurieren sich an ihrem Anblick erfreuen und sie womöglich trotzdem niemals fahren. Wenn erwachsene Menschen sich monetäre Wünsche erfüllen, dann geht das oftmals auch kuriose Wege. Mancher kauft den hochgezüchtesten Rechner (obwohl er schlecht oder garnicht programmieren kann, womöglich nicht mal aufwendige Spiele nutzt die diese Prozessorleistung eventuell bräuchten). Und doch gibt es ihm ein gutes Gefühl.
Manche trinkt einen edlen Wein, obwohl die alkoholisierende Wirkung auch günstiger zu erreichen wäre... und viele der teure Wein erwerbenden "Trinker"/Genießer
haben auch in Sachen "Gourmet-Zunge" keinen blassen Schimmer. Und doch... warum will man diese kritisieren, wenn es ihnen ein gutes Gefühl macht, "theoretisch" edle Tropfen im Keller lagernd zu wissen obwohl ihre Zunge geschmackssensitiv vielleicht nicht viel hermacht.
Und dann ist da nochwas: mitunter gibt es auch Unterschiede die doch relevanter sind als mancher glaubt. Ich erlebe nicht so selten drum-unerfahrene Kollegen, die ein sehr unzureichendes Vermögen haben Drum- oder Cymbalsounds zu differenzieren. Das sind eben auch Lernprozesse die ihre Zeit und eben auch viele verscheidene Hörvergleiche und reflektionen darüber was man gehört zu haben glaubt brauchen.
Aber selbst wir erfahreneren erleben manchmal noch wie wir trotz reichlich Hörerfahrung , dass wir aneinandervorbeireden, wenn wir darüber sprechen wie trocken wir den Ride-Sound empfinden. Der eine versteht darunter etwas anderes... für den beginnt "trocken" erst in der Sahel-Zone und das als trocken bezeichnete Ride des einen Kollegen klingt in seinen Ohren noch "lebendig-spritzig".
Erstaunlich ist aber, dass ich manchesmal "Sternstunden" erlebe in denen völlig unaufgefordert Kiddies, oder noch sehr unerfahrene Drummer sagen "die Bassdrum dort gefällt mir vom Klang viel besser. Die sieht zwar scheiße aus (gemeint ist die Farbe) aber klingt toll". Da gibt es je nach Produkt immer wieder radikale Häufungen bei denen ohne jede Lenkung durch mich von Personen die sich niemals begegneten 90 % der Urteile die selbe Richtung aufweisen. Das finde ich hochspannend - umso mehr wenn es ab und zu auf Instrumente zutrifft die monetär garnicht so weit auseinanderliegen. Und trotzdem diese Urteile so eindeutig fallen.
Lange Rede, kurzer Sinn: mir macht Materialfetischismus auch SPAß. Und... Produkte werden durch permanente Vergleiche, Dauertests etc. und das Ringen um Soundattribute oder Produkthandling und Ergonmie auch etwas besser. Auch das finde ich reizvoll - ein uraltes Instrument Schritt für Schritt in seinem Evolutionsverlauf zu sehen. Auch wenn die einzelen Schritte klein sein mögen - es gibt sie. Ob man sie braucht - und der Wunsch oder die Begehrlichkeit danach so groß ist, dass man kauft - muß jeder selbst abwägen. Dabei ist es natürlich prima auf eine Vielzahl von Firmenbroschüren und deren Inhalte nichts zu geben.
Somit sehe ich diese Materialverliebtheit und/oder das "Ringen um Details" als bei vielen sicher überbewertet und die Frage von außenstehenden "ist das zum musizieren wirklich so wichtig?" als logische Kritik- aber eben doch irgendwie hochuinteressant und für manchen bedeutsam. Übrigens auch ganz unabhängig von deren Spielkönnen oder Ausdruck.
Wir alle kennen Wahnsinnssdrummer, die auch toll stimmen können und Highend-Material lieben und sich damit beschäftigen und sich freiwillig nie wieder drummaterialtechnisch "nach unten orientieren" würden. Die finde ich persönlich! am interessantesten - weil sie auf vielen Ebenen was mitteilen können.
Wir alle kennen aber auch das Gegenteil: Wahnsinnsdrummer, die keine einzige Trommel stimmen könen und die einen Gußreifen nicht von einem flanged hoop unterscheiden können und für die Black Beauty ihr one-night-stand von gestern war.
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