Zitat
Die Welt von heute ist ja noch viel schlimmer - manche der OEM-Hersteller sind größer als die Marken-Hersteller, denen sie zuarbeiten, haben mehr Know-How und sind mindestens genauso seriös. Und das oft verbunden mit der erstaunlichen Tatsache, dass keiner der Mitarbeiter so richtig weiß, wie man so ein Schlagzeug eigentlich spielt
Das ist nicht ganz falsch - aber auch nicht ganz richtig. Je nach dem auf welche Sparte der Drumerzeugnisse man schaut und welche Drum-Firma man als Untersuchungsobjekt heranziehen will.
Erläuternd folgendes:
Viele ehemals namhafte Firmen sind in den achtzigern oder neunzigern (oder sogar heute noch) durch wirtschaftliche, unternehmensinterne Krisen gegangen. Manche wechselte den Besitzer, andere schrumpften sich personell zurecht, manche namhafte gingen gar unter. Insofern ist es richtig das es im großen Pool chinesischer oder taiwanesicher Hersteller durchaus einige gibt, die personell oder Maschinenpark-technisch üppiger bestückt sind als ihre heutigen Auftraggeber. Oder auch mehr oder flexibler produzieren können.
Nur das mit dem "Know-how", das ist komplizierter. Wenn man unter "Know-How" die Fähigkeit versteht z.B. eigenständig extrem gute Hardware zu entwickeln und/oder fertigen (auftragstechnisch/mengentechnisch oftmals eine der Hauptdisziplinen diverser Chinesen und Taiwanesen), gilt nach wie vor, dass weltweit von den OEM´s zu 3-4 großen Drum-Firmen aufgeschaut. Von denen sind 3 (zufällig oder nicht), im selben Land beheimatet. Sicher, auch diese fertigen teilweise seit Jahren (meist in eigenen Fabriken) in Taiwan oder China etc. Und doch sind bei keiner von Ihnen die R & D bzw. Engineeringabteilungen an OEM´s outgesourced. Weil sie wissen (so wie der Rest der Welt) wie gut sie ihren Job tun und welche innovative Speerspitze sie weltweit sind und das die OEM´s diesem Niveau (noch!) nicht entsprechen.
Sicher, vor Geschäftsabschlüssen oder im lockeren Vertriebsplausch macht manche OEM-Firma dicke Backen und prahlt mit ihrer angeblichen Omnipotenz "alles umsetzen zu können was der Kunde wünscht". Gleichwohl kenne ich keinen einzigen OEM-Hersteller der nicht im persönlichen Gespräch auf kritische! Nachfrage die Oberliga verweist, zu der er noch nicht gehört - aber aufschließen will! Es finden sich auch abseits mancher Gespräche auch viele andere sehr konkrete Hinweise: wenn sich z.B. eine Firma auch auf Websites zum Ziel setzt "Yamaha of China" zu sein/respektive zu werden etc. etc. Again: stets fällt einer oder alle 3 -4 Namen!l
Und auch ganz wichtig: natürlich gibt es auch immer mehr Drumfirmen die auch Enginieerung also komplette Produktentwicklunsgprozesse an OEM´s abgeben. Aber das sind (Zufall??? nicht diese 3 Firmen, sondern eher jene krisengebeutelten, die schauen was sich für sie noch rechnet und was an "Autonomie" aufgegeben wird oder werden "muß". Muß überhaupt? Von außen nicht immer leicht zu beurteilen.
Gerade das Know-How im Sinne von super-einfachem Alltagshandling, pfiffigen Produktideen, vielfach- multifunktionalen Anwendungsoptionen, "smoothness" der justierbaren Teile, Stabilität, Reliabilität ("Wieviele der für den dt. Markt gelieferten Stative sind wirklich so makellos gefertigt wie das eine damals bei der Produktpräsentation?"), Designwertigkeit etc. etc.(das was die meisten Endkunden mit diesem Begriff verbinden oder erwarten) gibt es nicht nur meiner bescheidenen Meinung nach derzeit noch keinen einzigen OEM auf dem Erdball, der mit den großen Innovatoren mithält. Aber nochmals, dass ist nicht nur meine Meinung sondern die der mir bekannten OEM´s selbst.
Aufgrund der turbulenten Jahre die zurückliegen und der nicht minder turbulenten Gegenwart sowie dem Trend der sich abzeichnet (immer mehr wird an OEM´s deligiert) ist allerdings nicht auszuschließen, dass Broadcasters These (die so wie oben für heute noch nicht gilt) morgen Realität wird. Jedes Jahr ertappe ich mehr Firmen die wenige Jahre zuvor noch eigene Hardware fertigten und plötzlich im laufenden Kalenderjahr "ihre" neue Linie vorzeigen... made bei Pao Chia, Jin Bao etc. etc.
Passenderweise (Thanks Broadcaster für die Steilvorlage) habe ich vor wenigen Monaten mit einem Funktionsträger einer kleinen exotischen Drumfirma über genau dieses Thema gesprochen. Sie untersützt mich nicht und es gibt diverse Exoten, darum kann man das Gespräch durchaus ausschnitthaft! skizzieren ohne irgendjemand weh zu tun. Die hatten jahrelang eine für ihre kleine Firma recht beachtliche Metallurgie-Abteilung, gerade personell. Plötzlich entdeckte ich dieses Jahr unter ihrer Hardware größtenteils Produkte eines der berüchtigsten Billig-OEM. Da ich den Gesprächspartner nicht beleidigen wollte fragte ich neutral "Aha... ich sehe Ihr verwendet nun Hardware von ... - warum tut ihr das?". Und dann folgte der Exkurs wie ihre Metallurgieabteilung personell zusammengschrumpft ist, dass es sich nicht mehr lohnt (obwohl sie selbst in einem sogannnten Billig-Lohnland sitzen) und sich die Einfuhr dieser Hardware ( "Klumb" - meine gedachte Vokabel) sich für sie mehr rentiert. Traurig - und doch symptomatisch für viele! Drumhersteller die ums Überleben kämpfen und ausgerechnet im Todeskampf noch zum "fehlberhaftetsten Strohhalm" (im wahrsten Sinne in Bezug auf die Hardware dieses OEM) greifen.
Gleichwohl (zurück zur Gegenwart):
Es gibt diverse OEM die nachweislich den Markt mit schwer handelbarem, dysfunktionalen oder einfach gesprochen "Schrott" fluten. Daneben gibt es aber eben auch andere, die passable oder gar taugliche Hardware fertigen. Das macht ja auch die Auswahl der OEM´s für Hersteller so wichtig/schwierig.
Ganz fatal ist wenn in den Auftraggeber-Firmen Funktionsträger sitzen die
a.) Kurzfristige Gewinnmarge vor Qualität ansiedeln und/oder
b.) Produktmanager oder sonstige "Berater" zu wenig Know-How haben oder selbst die Produktgüte und Funktionalität der Produkte nicht einschätzen können oder
c.) fitte Berater oder Produktmanager haben, aber denen nicht genug Gehör schenken
Übrigens 3 der Hauptprobleme diverser Firmen die letztendlich mittel- und langfrisitg fatale Folgen nach sich ziehen können. Anway: streng genommen erleben so etwas aber im kleineren Maßstab auch viele Endkunden. Es ist so schwer auf dem verwirrenden "scheinbaren" (?) Überangebot oder der "großen" Auswahl des Marktes die Spreu vom Weizen zu trennen. und auf wen als Einkaufsberater soll ich hören? Den Mitarbeiter des Drumladens, den älteren Drummer aus der Nachbarschaft, Onkel Alfons der vor 40 Jahren mal mit Paul Kuhn unter dem Klavier ein Bier gezapft hat? etc. etc.
Apropos "scheinbares" Überangebot bzw. große Auswahl:
In den letzten Jahren stellen viele Kollegen faktisch eher das Gegenteil fest: nämlich eine "Gleichmacherei" auf dem Markt. Ja, es gibt natürlich positive Effekte, dass wenn man genau sucht und hinschaut, Produkte finden kann die Preiswert sind und/oder zumindest Alltagspassabel. Also das worauf Hammu völlig zurecht hinwies: passable Qualität für kleines Geld. Auf der anderen Seite nähern sich aber immer mehr Endprodukte an (bis hin zur 100% identischem Zeug mit lediglich anderen Aufdruck des Brandnames. Das hat leider innerhalb der letzten 5-10 Jahre so rasant zugenommen (nochmals das gab es in diesem prozentualen Ausmaß vorher nicht) und erfolgt manchmal mit einer Dreistigkeit dem Endkunden gegenüber (die nicht selten in die Irre geführt werden), dass viele nur noch den Kopf schütteln und nicht mehr Auszudenken wagen wie es wird wenn dieser Trend expotenziell so anhält. Für viele ein Horroszenario! Insbesondere dann, wenn diverse Firmen auf die miesen bis supermiesen OEM´s zurückgtreifen und nicht auf die passablen, die es ja auch gibt.
Aber nochmals: das muß nicht so bleiben und ich wäre der erste der jubelt, wenn sich im Chaos der internationalen Globalisierung eines Tages Qualität allgemein durchsetzt. Let´s pray - denn ohne Beten habe ich nüchtern & rational betrachtet da keine Hoffnung.
To whom it may concern
bzw, wer die Geduld zum Lesen noch mitbringt:
Ein allerletztes Beispiel zum Thema Know-How bzw. "Mehr Knowhow von OEM´s als diverse Markenhersteller es haben" und warum obige Zitat-Aussage so schwierig ist oder nicht wirklich die realen Gegenheiten der Gegenwart abbildet. Dieses Beispiel auch deshalb da es wie die Faust aufs Auge zu dem Metallurgie-Schrumpfen meines Drumfirma-Gesprächspartners von neulich paßt... und dem was in vielen anderen Drum-Firmen der letzten Jahre vor sich geht:
Ich greife das "Bäckerbeispiel"
der Vorseite auf. Angenommen wir haben 2 Einkaufsstraßen mit jeweils einem Bäcker. Der Bäcker in der einen Einkaufstraße, macht schmackhafte Brötchen & tolle kreative neue Brotsorten. Aber seine Kreativität und das Tüfteln nach Dienstschluß macht die Preise etwas höher. In der anderen Einkaufsstraße wird nur gängige, schnell herzustellende Ware angeboten. Sie macht die Wampe voll, schmeckt aber nicht immer sonderlich. Manchmal sogar leicht angebrannt. Aber Bäcker 2 ist sehr günstig.
Der kreativere Bäcker (1) stellt seine Backtätigkeit eines Tages völlig ein, vermietet die Backstube an einen Drummer zum proben und unterhält nur noch einen Verkaufsraum um die Billigware die ihm Bäcker 2 jeden Morgen anliefert zu verkaufen. Bäcker 1 ist somit kein Bäcker mehr sondern Verkäufer.
Kann man jetzt sagen dass er weniger Know-How hat als vorher? Kann man sagen dass die Brötchen die er jetzt verkauft besser sind? Ich denke nein! Man kann nur noch sagen: es gibt nun faktisch nur noch einen Bäcker. Es gibt somit keine Vergleichsmöglichkeiten mehr, da es nur noch den einen Bäcker gibt und der andere sein Talent nicht mehr einsetzt sondern nur noch verkauft.
Für alte Rüpel wie mich gehörte jahrzehntelang zu vielen! seriösen Drumfirmen eine Entwicklungsabteilung für Drums- und! Hardware. Dies war nachgewiesenermaßen bei vielen namhaften Herstellern so. Von Jahr zu Jahr ist "dieses Firmenprofil" seltener. Man mag das altmodisch finden: aber ich finde die OEM-Entwicklung nicht per se gut sondern eher das Gegenteil, insbesondere da sich leider auch manche ehemals namhafte Firma auf schwache OEM-Zulieferer stützen. Ich sehe somit in der zunehmenden OEM-Entwicklung eher Fluch als Segen.
edits: Rechtschreibungs-Punk und versucht die Textbausteine verständlicher zu strukturieren. Sorry wenn es zu lang wurde. Manche Dinge sind wahrheitsgemäß oder "zumindest im Bestreben" ein weitestgehend zutreffendes Abbild der Realität zu skizzieren, nicht kurz abzuhandeln