Witzig - wie unterschiedlich man wahrnehmen kann. Abgefeiert wird sie seit Monaten in unzähligen Reviews, wie fast immer wenn die Marketingmühlen gut und "geschmeidig" laufen.
Sound und Produktion sind toll gemacht. Die Gitarrensoli vom anderen Stern! Unglaublich virtuos - aber das war streng genommen aufgrund der Besetzung nicht anders zu erwarten. Und natürlich ist die Scheibe musikalisch für Rockfreunde dieser Sparte im Vergleich zu 99% Prozent aller heutigen Bandoutputs besser (oder wir glauben das zumindest subjektiv).
Aber: gemessen an Whitesnake-Standards... dessen wofür die Band früher mal stand, finde ich sie ultra-schwach. No hooklines! Das wofür Whitesnake immer stand. Songs der Güte wie "Crying in the rain", "Fool for your loving", "Love ain´t no stranger", "Ain´t no love in the heart of the city", "walking in the shadows of the blues"... es hört garnicht auf, denn es gibt locker 40 - 45 alte Killertracks von Whitesnake die sich auf den alten Scheiben fanden. Meist mindestens 4 - 5 auf jeder. Davon ist diese Platte für meine Gehörgänge meilenweit entfernt.
Ein Song erreicht immerhin 60 % der alten Kraft: "Can You Hear The Wind Blow". Den Rest finde ich richtig doof und belanglos. Teilweise (wieder) die Anbiederung an alte Zep-B-Tunes bzw. Zep-Vibes. Ich weiß noch wie aufgebracht ich früher (frühe bis Mitte der Achtziger) immer war, wenn Musikkritiker bei Whitesnake schrieben "Led Zeppelin für Arme". Das war in Bezug auf ihre alten Perlen und insbesondere in Bezug auf ihren weitestgehend eigenen Stil total ungerecht. Auf dieser neuen Scheibe meine ich erstmals zu verstehen, was die mein(t)en. Sehr schade!.
Ich hatte aber auch keine großen Erwartungen, da es streng genommen songwritingtechnisch spätestens nach der "Slip of the Tongue" straight bergab ging... wobei es da ja nur 2-3 Veröffentlichungen gab... aber diese entsprachen auch leider schon der jetzigen Scheibe in Sachen Hookline-Güte.
Wer von Whitesnake tolles und zwar wirklich tolles sucht... der greife zu:
1.) Lovehunter
2.) Ready an´willing (Killerproduktion von Martin Birch)
3.) Come an´get it" (Killerproduktion von Martin Birch)
4.) Saints an´Sinners (erste Auflösungserscheinungen, Murray und Paice schielten schon auf Gary Moore) Trotzdem tolle! Platte
5.) Slide it in (Cozy on board - erster Stilwechsel - Richtung mehr Härte und vorsichtiger "Reduzierung des Blues", immer noch toll)
6.) 1987 (radikaler Stilwechsel weg von den Blues- und Souleinflüßen hin zum Metal - erstaunlich gut gelungen)
7.) Slip of the Tongue
Die scheiben vor Lovehunter finde ich persönlich nicht so prickelnd. Nach der Slip of the Tongue muß man nicht mehr unbedingt etwas kaufen... Der Höhepunkt der Kombo war vroüber.