Ich verstehe die Entrüstung zum Teil gut...
... zu einem anderen Teil garnicht!
... in vielen Spielformen des Rock ging es neben der Musik schon immer um das Auffallen und das Brechen von Tabus. Manchmal war letzteres sogar wichtiger als die Musik.
Da kann man zurückgehen auf erste Auftritte von Alice C. oder wer noch weiter zurück will zu den Beatles... auch wenn man da den "Tabubruch" ? oder die Entrüstung mancher Sittenwächter oder Musikkritiker heute aus unserem Blickwinkel und unserer Sozialisation garnicht mehr verstehen kann.
Blackmetal, Fleischspieße auf der Bühne reichen, Blutkübel ausschütten, Sex auf der Bühne etc. etc. Diskussionen um herbeifabuliertes angebliches Backtracking. Das alles definiert "neue" Aufmerksamkeit und/oder neue Bands... die oftmals musikalisch garnichts neues mehr bieten (können).
Der Trend zum "lauter" ist ultra-alt. Über "Compressed to fuck" oder frequenzselektive Compression diskutiereren wir fast alle seit 10 + X Jahren. Auch fiel früher bei megateuren Produktionen von Aerosmith bis sonstwohin auch schon teilweise auf, dass ab einem gewissen Masteringpegel manches zwar lauter aber irgendwie auch "verwaschener", weniger transparent und "irgendwie" undifferenzierter klingt. Aber auch schon in den siebziger Jahren (und wahrscheinlich noch früher) ging es beim Mastering und abseits des Mastering schon um das Einfangen möglichst hoher Pegel.
Klar sind das Entwicklungen die nicht per se gut sind. Vieles finde ich sogar richtig mies. Aber sind sie per se schlecht? Manches kommt vielleicht "einfach" auf die Perspektive und die Zielsetzung an desjenigen der Musik macht. Oder die Erwartungen und Voraussetzungen jener, für die man anstrebt Musik zu machen.
Kraftmeierei mit Lautstärke war jahrzehntelang die Domäne des Rock und Hardrock. Früher Purple, dann Sabbath und Motörhead. Stets wurde damit "geworben" (ja tatsächlich) die lauteste Band der Welt zu sehen. Ich fand das immer zum würgen und empfand manches Konzert als klanglich mies- wenn auch laut. Schon oftmals hat Rockmusik auf der Habenseite "Laut" verbucht und Klangqualität war manchesmal die Waagschale die nach unten zeigte. OK, seit einigen Jahren ist dieses "Live-Attribut" nun zum CD-Attribut geworden... ja und?
Und jetzt geht Metallica den letzten radikalen Schritt :-): Noch lauter als die anderen, auch wenn die Konsequenz eine deutliche Verschlechterung der Soundqwaulität bedeutet.
Wenn man sich die reale Abhörtechnik und den Alltag mancher Menschen anschaut... würde es mich nicht wundern, wenn die Horror-Mischung von Metallica sogar auf manchen Anlagen garnicht sooo negativ ins Gewicht fällt. Musik wird immer mehr zum beiläufigen Konsum neben tausend anderen Sachen. Videogames spielen, bei Singstar träumen man sei DIO oder Roy Black, Pornoclips schauen, Schüler oder Kollegen auf Haß-Websites bloßstellen, Surfen gehen im Web oder auf dem Wasser, die 196. Bewerbung für die Lehrstelle schreiben oder das 283. Bittgesuch der nachbar möchte nach 24 Uhr keine Wäsche mehr aufhängen. Seit dem das Format vom Poster-ähnlichen LP-Format in die winzige CD überging und parallel die Preise für Tonträger anstiegen und gleichzeitig verlustfreie Kopiermethoden massentauglich, da immer günstiger wurden, hat Musik ihren alten Stellenwert für viele verloren. Auch dadruch, dass vielen von uns (nicht allen) heute unzählige Freizeitbeschäftigungen und Zeitrecourssen zur Verfügung stehen, von denen frühere Generationen nicht mal zu träumen wagten. Ist das alles negativ?
Will man dafür nun Bands kritisieren, die aus Kalkül, eigener Clevernis oder womöglich durch ihr Lauschen auf gewiefte Medienberater den Zeitgeist erfaßt haben? Ich mochte Metallica musikalisch nie. Es gibt kaum eine Hardrock-Kombo der ich weniger abgewinnen kann. Aber irgendwie sind die Jungs ... ähm älteren Herren trotz ihrer weitestgehend trendfreien Musik durchaus sehr clever die Zeitströme (DIE REALEN Gegebenheiten vieler Menschen) zu erfassen. Vielleicht sind Metallica weniger gute Metal-Komponisten- aber bessere Investmentbroker! Aber den Verdacht hege ich bei manchen Bands.
Wir alle wissen doch, dass für viele (subjektiv) lauter= besser bedeutet. Erstrecht auf den miesen Abhöranalgen, die eine vielzahl von Menschen insbesondere junge Leute umgibt. Es gibt zig Billiganlagen, da klingt automatisch fast jede laute CD bei der ich die miese Endstufe nur auf Volume-Regler 2 drehen muß, (subjektiv) hörbar besser als eine sehr leise gemasterte (am besten eine Uralt-CD) wo ich den Volume-Regler auf 7 stellen muß. Eben da die Verstärkertechnik in diesen Kisten so hundsmiserabel ist, dass sofort das Grundrauschen und andere klangverschlechternde Verstärker-Parameter überproportional ansteigen. Auch bei den vielen Billig-Sticks und MP3-Playern ist das deutlich hörbar. Eine laute Wavedatei (selbst wenn compressed to fuck) klingt auf Level 2 abgehört oftmals immer noch besser, ja oftmals sogar subjektiv "reiner" als eine ultra-leise Wavedatei auf Lautstärkestufe 7-8 angehört.
Natürlich können wir jungen Menschen Hörschulungs-Workshops und Aufklärungsseminare anbieten, was man wirklich mit Musik machen kann. Wieviel wirklich mit besserem Klang oder bei besserer Tonträgerqualität an Details herauszuhören ist. Ich arbeite seit Jahren manche Stunde mit Menschen verschiedenster Altersgruppen an Gehörschulungsinhalten. Das bedeutet nicht nur CD Parts raushören "was machen die Drums", "was spielt der E-Bass" sondern auch testen "hörst Du was sich am Sustain verändert, wenn ich das L-Stück am Nylonball fester anziege, obwohl das Tom doch RIMS hat". Oder ein Standtom auf ein Bein balancieren, den oberen Rim mit einer Hand halten und das Tom anschlagen und gemeinsem wahrnehmen, dass nun der tiefste Grundton vieeeeeeel länger ausklingt". So was macht gemeinsam wirklich Spaß und bruingt nachweislich eine immense Differenzierung der Höreigenschaften bzw. der Verarbeitung und Analyse und doch ist es AUCH mitunter ultra-mühsam. Viele Menschen nicht nur junge, lieben Musik als Konsumform, aber haben extrem wenig analytisches Hörvermögen oder Bewußtsein. Wir unterstellen im Alltag aber oft, dass wer sich gerne mit Musik umgibt auch auf diese anderen Ebenen achtet oder zumindest dafür einen Zugang hat. Dies ist leider oftmals eine Fehlannahme. Und auch das ist nicht verdammenswert. Ich kann doch Spaß an Muskik haben dürfen ohne mir über die Frequenzdiagramme oder Zerrlevel Gedanken machen zu müssen 
Aber nochmals: ich glaube vielen ist der Wert der Musik (oder das was viele von uns damit verbinden, mit dem WERT der Musik und der Detailtiefe) längst entgangen. Deswegen sind sie auch keine schlechteren Menschen oder gar die Musiker/Handwerker die sich darauf einstellen. Musik hat viel von ihrem ursprünglichen Stellenwert eingebüßt. Ob man durch bessere Soundqualität dagegensteuern kann - da habe ich erhebliche Zweifel... denn dann müßte man zuallererst die Hifi-Industrie mit dem Finger in deren Nase durch den Raum ziehen... im wahrsten Sinne des Wortes Thema Raumklang für jedermann!
Off-Topic:
Entgegen Wikipedia-EInträgen, und unzähligen Hobby-Websites von Hifi-Enthusiasten behaupte ich seit Jahren, dass die Verstärkertechnik auch in der Low-Budget und Consumer-Klasse nicht auf ihrem Höhepunkt angekommen ist und mitnichten ausgereift ist. Im Gegenteil: in der Consumerelektronik und den günstigen Kompaktanlagen, sind die meisten Verstärker hörbar schlechter als es mittelklasse Verstärker und darunter der siebziger und Achtziger Jahre waren. Der Dolby 78,4 Kanal-Irrsin macht viele Menschen so verwirrt, dass sie offensichtlich nicht mal im Stereoformat Klangunterschiede warhnehmen können. Ich habe in den letzten 10 Jahren etwa 8 Minianlagen für Hörvergleiche verschiedenster Hersteller erworben. Preisklasse zwischen 150 - 600 Euro. Keine einzige Verstärkereinheit klingt annähernd wie diverse uralt-Verstärker oder Receiver die ich teilweise vom Sperrmüll aufgegabelt oder für ein Handgeld erworben habe. Alle Minianlagen die ich habe (Sharp, Universum/Dual, total Noname etc) haben so katastrophal miese Verstärker, dass mit jedem drehen des Volumereglers sofort eine Zunahme des Grundrauschesns und der Klangverfärbung hörbar ist. Mehrere davon bieten Sourround und sonstwas an und dutzende andere Gimmicks. Doch was nützen die, wenn der Grundsound mies ist? Was bringt mir die 5. Lautsprecherbox, wenn schon die Klangwiedergabe von zweien miserabel umgesetzt ist? Oder anders herum: wäre es nicht besser ein Mindestmaß an Klangqualität für 2 Lautsprecher zur Verfügung zu stellen, bevor man über 5.1 Surround und eine Delay-Parameter-Einstellung per Fernbedienung für Laufzeitunterschiede der Signale, nachdenkt?
[size=8]edits: inhaltlich nix! Just Rechtschreibung