Ich glaube ein Hauptfehler im Denken der meisten ist, dass seit Jahren manche Wirtschaftsfunktionäre oder manche! Politiker hier uns glauben machen wollen, China sei bald eine Weltmacht und deswegen müsse man schauen dies und das zu tun oder zu unterlassen.
Für mich der größte Running Gag, da China es seit zig Jahren faktisch längst ist. Ich kann mich auch in meiner Behausung hier in Deutschland keinen Millimeter bewegen, ohne dass ich an die Produktionsallmacht und Weltmacht China erinnert werde. Ich kann mich an kaum einen Haushaltsgegenstand oder ein technisches Gerät, Hilfsmittel whatever erinnern, dass nicht ganz oder teilweise aus China stammt.
Das Massaker am Platz des himmlischen Friedens hat sicher keiner meiner Generation vergessen. Sicher auch nicht die Generation unserer Eltern was die perverse sogenannte Kulturrevolution unter Mao und der beteiligten Mörderbanden angerichtet hat und wieviele Opfer sie zurückließ. Die lückenlose Aufarbeitung und Rehabilitierung (post mortem) der Opfer - ja darauf warten wir alle, wann sie denn in China erfolgt. Da drängt sich jedem mit klarem Verstand der Vergleich zur sowjetischen und dt. Diktatur auf.
Fast schon witzig-bizarre Anekdote. Ein kurzer (da sinnloser) Dialog vor wenigen Wochen in China:
Fragesteller (einer Gitarrenmarke die zu meiner Überraschung Fakes/Plagiate berühmter Instrumente herstellte - war vorher nicht klar) zu mir:
Fragesteller: "Do you know Mao?"
Ich: (im Bestreben keinen der staatstreuen Gastgeber sofort nach dem Kennenlernen total zu beleidigen, aber auch nicht zu leugnen was Sache ist):
"Yes - everyone in Europe knows about him. He is very CONTROVERSAL discussed here in europe".
Fragesteller: "Yes, he was great."
Ende des Gesprächs.
Solche Dialoge sind kennzeichend für jene Teile der Bevölkerung die regierungstreu sind und/oder jene die durch die gezielte Verdummung und orwellsche Medienüberwachung/kontrolle dort drüben´ groß wurden.
Es ist selbst als Besucher nicht immer ganz einfach in diesem Land sauber zu bleiben. Diese Gastgeber einer Gitarrenmarke bestanden auf einem Photo mit uns (einem dt. Investor der mich und eine weitere Begleiterin mitnahm) auf dem Platz des himmlischen Friedens. Ich fühlte mich total unwohl an dem historischen Platz wo Leute ermordet wurden keep smiling zu machen. Erhielt auch keine klare Antwort ob es der Platz des himmlischen Friedens ist (den Begriff kannten die Gastgeber nicht), da er dort nur unter dem Namen Tian'anmen bekannt sei.. das sagte mir zunächst nichts. Ich fühlte mich unwohl, war eigentlich vom Gefühl sicher, dass ist dieser Scheiß-Platz und verweigerte mich leider nicht. Mir ging es super-mies danach. Das war ein Fehler!
Auf dem Rückflug wollte ich es wieder "gutmachen". Eine junge Studentin die in Zürich für einen Versicherer arbeitet sprach mich an. Ich war mir da relativ sicher, dass im Flugzeug nicht allzuviel Spitzelei stattfindet bzw. sie auf eigenes Risiko antworten kann. Denn auch das ist in China bei mehreren anwesenden Personen heikel. Wir können als Gäste frei reden müssen aber bedenken, dass wer uns frei antwortet eventuell sich selbst gefährdet wenn andere Personen anwesend sind.
Auf ihre Frage wie es mir in China gefallen hätte, sagte ich (was stimmt), dass man mich niemals zuvor im Leben so nett und gastfreundlich behandelt hat. Das ich aber einen großen Fehler gemacht habe. Am Platz wo viele mutige Menschen und wahre chinesische Patrioten ermordet wurden mich einem dummen Photoshoot nicht verweigert habe. Sie verstand das erst garnicht. Blickte irritiert. Ich erinnerte sie daran, dass dort Menschen nicht fremdmacht-gesteuert sondern, aus patriotischem Bewußtsein und für die Zukunft ihrer Kinder Reformen für China forderten und dafür starben. Das dies die mutigsten Chinesen ihres Landes waren. Sie blickte immer verwirrter. Sie fragte mehrmals wie viele Menschen denn damals dort gestorben sein, sie wüßte davon nicht viel. Ich sagte, ich weiß es nicht genau. Ich meine hunderte (nicht ganz korrekt, am Platz selbst wohl weniger- aber in den umliegenden Straßen und Vierteln wesentlich! mehr als einige hundert). Ich habe keine Ahnung inwieweit dieses Gespräch symptomatisch war, aber mir schien, dass sie nahezu nichts über diese Vorfälle wußte. Natürlich war sie zu jung, um es miterlebt zu haben, aber dass sie garnichts wußte, schockierte mich. Ich bin recht zuversichtlich, dass sie nach dem Flieger in Zürich zum Web geeilt ist um Informationen "nachzuholen". Aber das bringt insofern auch nichts, weil diese Informationen nur jene Chinesen erhalten können die im Ausland leben.
Die Crux dieser diktatorischen Scheiße ist: wenn die Medien beherrscht werden und sogar das Internet völlig kontrolliert und gleichgeschaltet ist, dann ist es sehr schwer freiere Informationen einer breiten Basis der Bevölkerung zuzuführen. Es ist nahezu unmöglich. Die Öffnung des Landes erreicht man sicher nicht alleine durch außen. Dafür ist die Staatsmacht viel zu gut organsiert. Wie man die Staatsmacht "überzeugen" will ihre Bürger respektvoller zu behandeln? Ich weiß es nicht. Durch einen Schmusekurs sicher nicht.
Außerdem nutzt die Staatsmacht dort seit Jahren (analog zu Putin aber auch diversen politischen Strömungen in der Türkei) das anstacheln und fördern eines übergroßen Patriotismus... bis hin zum Nationalismus. Um gerade junge Menschen gegen (Medien)Einflüsse von außen "stark zu machen" bzw. hinter die Staatsführung zu scharen. Auch das macht es schwer von außen einzuwirken ohne dem Vorwurf "feindliche imperialistische Interessen", oder "Gegner des Landes" ausgesetzt zu werden.
Und wie schon mal erwähnt: ganz brutal ist es eben dann, wenn man das chinesische Volk in der Geiselhaft alter Politgreise läßt. Viele Chinesen "lechzen" nach Kontakt zu uns. Nach freien Informatioen etc. Einige haben großes Interesse an unserem Leben, unserer Kultur, suchen den Austausch etc. Der Gedanke quasi ein ganzes (noch dazu riesiges) Volk abzuschreiben bzw. zu sagen "wir machen dicht bis eure Regierung einlenkt" ist zwar konsequent und auch irgendwie logisch: aber eine knallharte Ohrfeige für jene, die JETZT leben wollen, oder zumindest sehr bald freie Informationen oder Kontakte zu anderen Staatsbürgern suchen. Es ist für uns leicht gesagt zu sagen: wartet mal 50 Jahre, dann erlebt auch ihr einen Gorbatschow. Irgendwann wird auch einer eures Zentralkommitees den Mumm haben, im Interesse seiner Kinder und Enkel die Lebensbedingungen zu verbessern auch wenn er offene Konflikte in der Partei heraufbeschwört. Wer will schon so lange warten?
Vor vielen Jahren dachte ich auch oft über einen Kaufboykott nach. Aber den halte ich nicht durch. Alle mir bekannten Firmen fertigen auch in China. Wir wissen ja auch um namhafte Drumfirmen, die besitztechnisch ganz in chinesischer Hand sind. Aber auch die vielen anderen Firmen fertigen dort immer öfter. Bauen ganze Fabriken... auch Tama, Pearl etc. etc.
Diverse Drumhersteller beziehen alles ihrer Hardware von dort. Einige sogar viele ihrer Kessel. Ich weiß nicht, wie ich dem Ausweichen könnte. Wenn man im Low-Entry-Bereich schaut sieht es noch dramatischer aus. Da kenne ich NICHTS mehr im Schlagzeugbereich was nicht aus China käme.
Auch Drumkäufer von Sets kleinerer Drumfirmen z.B. aus Italien oder diverser kleinster Drumbauer aus Europa vergessen allzugerne, dass deren beiligende Hardware eben auch in den meisten mir bekannten Fällen seit Jahren in China gefertigt wird.
Ich wünschte einer könnte sagen wie man es als Konsument richtig macht... ich weiß es ehrlich nicht. Jahrelang dachte ich das Land sollte man völlig isolieren, null Kontakt. Alles einfrieren. In den letzten Jahren kommen mir Zweifel ob das die Lösung ist. Auch gerade weil es (leider) noch perversere Kräfte, Terroristen etc. in der Welt gibt gegen die sich auch China stellt.
Anyway - als Konsument habe ich dieses Procedere in jedem Falle nicht durchgehalten. Diverse meiner Sets oder Hardwarekapriolen kommen seit Jahren auch aus China. Bzw. neue wurden vor Wochen bestellt.
Edits: Rechtschreibung sonst nix