Zitat
Das war angeblich auch in den 80ern gang und gäbe.
Das war nicht wirklich gang und gäbe.
Ich beziehe mich hier nur und ausschließlich auf das GETRENNTE EINSPIELEN der DRUMINSTRUMENTE. (also Drumkit zunächst ohne Cymbals, Cymbals alleine später eingespielt).
Es gab diese Auswüchse natürlich mit etwas höherer Häufigkeit in den Achtzigern. Aber man bedenke: das war auch die Zeit (und nicht selten jene Produktionen) wo massiv mit damals angesagten Drumcomputern, Simmonssounds (der ersten Generation) etc. gearbeitet wurde, und viele dies eindimensional oder marketing-technisch verblendet als die angebliche "Zukunft des Drummings" herbeifabulierten.
Es war übrigens auch jene Zeit, als mancher Tontechniker einem erzählen wollte, ein total abgeklebtes Tom würde für den Tonträger den besten Sound erzeugen und resonanzfreudige Gretsch, Ludwig und Slingerland-Sets seien nicht gut geeignet und viele ähnliche bemitleidenswerte "Hip-Dogmen".
Zurück zum getrennten Einspielen der Druminstrumente zur angeblichen Aufwertung des Sounds. Ich kenne keinen Drummer der sowas schätzt.
a.) Wie soll da ein natürlicher Groove mit Feeling und Spirit entstehen?
b.) Wieso ordnet man Musikalität dem Sound (oder dem mangelnden Engineering-Fähigkeiten bzw. der Faulheit) einzelner! anderer Personen unter?
c.) Warum haben immer noch viele Personen nicht das Gehör, um wahrzunehmen, dass das separate Einspielen von Drums in vielen Fällen wirklich inhomogen und unnatürlich klingt.
In einzelnen Fast-Food-Konserven-Musikstilen, z.B. bei manchen Formen von Schlager und Volksmusik mag obengenanntes keine Rolle spielen. Aber im weiten Feld, des Funk, Soul, Pop, Rock etc. finde ich das nochmals: PERVERS!
Ich denke, wenn wir da als Drummer womöglich noch Verständnis zeigen (weil irgend ein Recording-Freak was vom Krieg erzählt) dann öffnen wir durch falsch verstandene Toleranz derartigen experimentiellen "Demenz-Blüten" Tür und Tor.
Wer das gerne machen will bitte. Die Interessen und Motive der Menschen sind unterschiedlich. Ich finde es schrecklich - nein, fürchterlich!
Aber ich schieße gerne scharf zurück, deswegen mein Vorschlag für künftige Studiobesuche, wo derartige Anliegen an Drummer herangetragen werden:
1.) Wir nehmen von jedem Gitarren-Riff jede Saite einzeln auf. Natürlich im Overdub-Verfahren damit es blos´ nicht homogen und groovy klingt. Selbiges gilt für Klavierläufe. Bitte jeden Ton einzeln anschlagen (alle anderen Saiten abkleben bzw. entfernen) und im Overdub-Einspielen und dann den Lauf zum ganzen zusammenfügen, denn ich hasse das Mitresonieren nicht gespielter Klaviersaiten.
2.) Der Tontechniker bekommt alternierend jeweils ein Ohr versiegelt. Er darf mit dem linken Ohr nur den linken Kanal mischen. Danach wird die Versiegelung getauscht und der rechte Kanal der Produktion ist ausschließlich mit dem rechten Ohr zu mischen. Natürlich für jedes Instrument einzeln. Ich kann und muß von einem erfahrenen Engineer ja wohl erwarten, das er mental die Gesamtwirkung (also den kompletten Stereomix inklusive aller Pan-Verhältnisse imaginativ herstellen
kann! 
3.) Der Tontechniker soll mit geschlossenen Augen und überkreuzten Armen rücklings zum Mischpult sitzend mischen. Nur so ist die Gehirn-Hemisphären-Trennung aufzulösen
und die Trennung zwischen Logik und Emotion beim Mischen wird endlich aufgehoben und Mixe werden HOMOGER und ganzheitlicher 