Drumbestseller kritisch beleuchtet:
Tama Starclassic Performer B/B (22, 10, 12, 14)
Ein Drumset, das seit der Messe in aller Munde ist und dessen schwierige Verfügbarkeit seit Monaten, insbesondere der lackierten Versionen in ganz Deutschland schon Hinweis darauf sein könnte, dass nicht nur der Verkaufserfolg des New-Superstar von Händlern und Vertrieb gehörig unterschätzt wurde, sondern auch die Nachfrage nach dem neuen Performer B/B.
Wer mich kennt, weiß dass zu meinen diversen Alltime-Drumfavoriten das Starclassic Performer in lackierter Version mit den Accel-Maßen und 100% Birke-Kesseln zählt(e). Ein Weltklasse-Drumsound einige Jahre erfreulicherweise zum Preis der gehobenen Mittelklasse erhältlich.
Unglaublich druckvoller Sound mit fulminantem Bassanteil und der für mich bis dato besten Bassdrum der Welt in Sachen Tiefbass. Das 100% Birken Starclassic Performer spielte ich jahrelang und kenne seine Soundcharakteristik "ziemlich" genau 
Ich verkaufte mein Set genauso wie 2 neue Export ELX vor längerer Zeit im Zuge einer festen Endorsementzusage (von leider nicht nur mir gegenüber unwahrhaftig und unaufrichtig agierenden Personen einer "europäisch-chinesischen" Drumfirma - dazu später womöglich differenzierte Infos mehr, sollte es wirklich interessieren...).
Somit war mir seit Monaten klar, diesen Sound "willste wieder..." womöglich sogar noch besser. Mein zweiter Favorit wäre ein Pearl BRX gewesen, dessen Sound ich auch liebe und das immer noch von vielen Drummern zu unrecht völlig unterschätzt wird.
Im Zusammenhang mit meinem 100% Birke Performer von 2000 welches ich damals als Shellset (ohne snare) aber inklusive der üblichen Tomhalter und Multiklammer für super-günstige 2333.- DM (wirklich DM!) erwarb, mutet der aktuelle Preis des Shellsets + Snare von 1895.- wie eine mittelschwere Katastrophe an.
Andererseits: es gibt diverse Veränderungen:
1.) Bassdrum hat jetzt 10 Stimmschrauben (nüchtern betrachtet ein absolut überflüssiges Update, die Performer Bass war in der Birke-Version mit 8 Stimmschrauben eine der am leichtesten zu stimmenden, bzw. soundtechnisch gutmütigsten Kicks die ich je spielte). Da war es selbst für Rookies schwer einen schlechten Sound rauszuholen.
2.) Tomhalter verbessert. Gefällt mir gut, die Tomhalter können quasi auf einer "Lafette" geführt nach vorne justiert werden. Technisch simpel und doch pragmatisch-gut zu handeln.
3.) Die Bassdrum hat keine Bohrung mehr, die durch den Kessel geht.
Kleine Anmerkung, von der riesigen, globigen, länglichen Bassdrum-Rosette, die vor ca. 2 Jahren beim Birken-Performer der 2. Generation von Tama mit viel Hype neu eingeführt wurde und die auch keine Bohrung der Bassdrum mehr benötigte, hat man sich zum Glück schon wieder sang und klanglos verabschiedet und ist wieder zur Rockstar bzw. der alten Performer Rosette zurückgekehrt. Dementes! Hardware-Karussel.
4.) Die Starclassic-Aufhängung wurde nicht nur hübscher (nun verchromt) und etwas kleiner designt bzw. dimensioniert (das ermöglicht ein wesentliches engeres Zusammengruppieren von Toms - ENDLICH!) sondern gefällt mir im Alltags-Handling wesentlich besser. Schwer zu beschreiben, bei dem ursprünglichen Starcast Mounting-System hatte ich desöfteren Probleme mit doubleflams und anderen "Feinheiten". Eben da die Toms mit dem Starcast wie eine Nußschale bei Windstärke 12 unkontrolliert auf- und ab wippten. Ich hatte dann von Woche zu Woche die "Gummis" immer härter zugedreht (was dem Sustain nicht gerade förderlich war)... und doch blieb das Problem im wesentlichen kaum verändert. Nach jedem Tomschlag wippten die Toms... und bei schnellem 2. Stroke über Finger-Control wußte man nie ob das Tom jetzt 1 Millimeter oder 3 Millimeter vom Stock entfernt ist. Das war suboptimal für das Timing und ist nun kurioserweise garkein Problem mehr. Die Toms sind stabiler in Position... warum auch immer...
5.) Wesentlichste Veränderung: Das Starclassic Performer B/B hat nun Mischkessel. Einen Birke- und Bubinga-Mix: 4 Lagen Birke, 3 Lagen Bubinga - bei der Bass sind es 5 Lagen Birke, 3 Bubinga). Ich war etwas vorgewarnt durch die diversen Tama Statements "nur wir können Bubinga verarbeiten". Was sicher als positive Assoziationen weckender Marketing-Slogan gedacht war... ließ in mir sofort! negative Assoziationen aufkommen: "Ach Du Schande... das bedeutet dieses Holz ist wahrscheinlich extrem schwer zu verarbeiten". Nichts fürchte ich mehr, als ein Drumset bei dem nicht klar ist, ob die Kessel in Form bleiben, die einzelnen Holzlagen womöglich "wie Blätterteig unter der Gabel aufsplissen" oder die Gratung Toleranzen oder gravierend schneller Abnutzung unterliegt.
Nun konkret zu dem Set:
ich wollte in jedem Falle ein lackiertes Set in "flippiger Farbe". Ich habe mich nach langem Zögern gegen Red Sparkle und für Galaxy Blue Lackierung entschieden. Beides waren meine optischen Favoriten. Mein Set ist senstationell gut lackiert. Eine der besten Lackierungen die ich je gesehen habe. Faktisch MAKELLOS!
Beim Blick in die Kessel dachte ich sofort: das kommt mir bekannt vor. Ich könnte wetten genau dieses dunkle Holz (Bubinga) vor 25 Jahren bei einer Jesus-Grippe plus Figuren aus Afrika gesehen zu haben (ja es ist Weihnachtszeit - sorry
Die Verarbeitung des Bubinga ist schon gut, aber man sieht sofort, dort wo die Bubinga Lagen enden und an das hellere Birke angrenzen... das Tama ganz offensichtlich um die schwierige Verarbeitung "weiß"
Die Birkenlagen sind eindeutig sauberer, ebener verarbeitet, als die etwas rustikaler anmutenden Bubinga-Lagen. Gut, solche Verläufe kennt man auch mitunter von Brady oder RMV etc. Es ist offensichtlich, dass es Holzsorten gibt, die etwas spröder sind und nicht wie eine "Wange" glatt und handzahm poliert werden können. Nur um sicherzugehen: kein Grund zur Sorge. Die Verarbeitung ist gut. Aber sie scheint offensichtlich schwieriger zu sein als die Verarbeitung der Birkenlagen. Schwer mit Worten zu beschreiben und auch mit der Digi-Camera erkennt man es nicht so gut wie mit realem Auge. Da frage ich mich schon: muß dann so ein exotisches Holz wirklich sein? Das alte Performer klang doch auch schon verdächtig nach High-End. Warum nun aus Afrika spröde und schwierig zu bearbeitende Materialien um den ganzen Erdball schicken?
Was auffällt ist, dass die Gratung spitzer geworden zu sein scheint. Ich meine mich aber zu erinnern, dass auch die reine Performer Birkenversion in der 2. Generation schon eine spitzere Gratung hatte. Mein Performer von 2000 (die erste Generation mit reinem Birkenkessel und Accelmaß) hatte eindeutig eine andere, "etwas breitere" Gratung.
Sorry-Off-Topic: ich persönlich finde es schade das in den letzten Jahren von einigen Firmen/Personen nahezu dogmatisch der Glaubenssatz vertreten wird (vielleicht aufgrund eines gehörigen Maßes an monetärem Eigeninteresse) das alles unter die Fräse gelegt werden muß, bis die Gratung spitz und scharf ist. Als wären spitzere Gratungen prinzipiell besser als breitere/rundere. Das ist natürlich totaler Unsinn und viele rattenscharfe Drumsets (aber mit gerundeter oder breiterer Gratung:-) strafen diese Firmen seit Jahrzehnten Lügen. Natürlich: spitze Gratungen können SUPER-offen, resonant perkussiv oder gar (f)einen paukenartigen Klang zulassen und sind je nach Holzart, Lagenanzahl etc. eine tolle, schönklingende Sache. Aber auch breitere Gratungen können Drums fantastische Sounds entlocken: nämlich bass-stark, druckvoll und mit leicht reduziertem Obertonspektrum (welches subjektiv natürlich wiederum zur Bass-Dominanz beiträgt. Ich freue mich sehr, dass seit 2 Jahren wieder mehrere namhafte Firmen dazu übergehen auch Drumserien mit breiterer Auflage anzubieten und dies auch herauszustellen. Die Ohren sind doch immer die beste Prüf-Instanz. Gut so!
Die Toms des Starclassic Performer B/B klingen klasse. Sie haben tieffrequente Power (so wie mein altes Performer) aber wirken noch etwas luftiger, befreiter. Schwer zu beschreiben, aber ein in meinen Ohren etwas besserer! Sound. Inwieweit der den Bubinga-Lagen oder der spitzeren Gratung zuzuschreiben ist - vermag ich nicht zu sagen. Ich hätte gerne diesen Bubinga-mix mal mit der breiteren, älteren Performer Gratung gehört.
Bekanntlich gibt es 2 Drumsounds. Den vor dem Drumset und dem hinter dem Drumset, also so wie wir ers als Drummer hören. Ich checke seit vielen Jahren auch die von mir als genauso wichtig erachtete "dritte Position": nämlich eine annähernde "Overhead-Position". Im Stehen spielen und die Ohren (den Kopf!
aufs Drumset richten. In dieser Position klingen die Performer B/B Toms nicht nur klasse - sondern überragend. Ich habe niemals zuvor das Gefühl gehabt so sehr einem toll gemischten CD Tom-Sound zu lauschen. Wundervoll!!!
Die Snare kann ich hier leider nicht vorstellen. Ich möchte sie nämlich unangetastet lassen und (eventuell) verkaufen. Ich kann sie aber logischerweise nur NEU verkaufen wenn sie tatsächlich NEU und ungespielt ist. Sorry, vielleicht kann ein Kollege eine kleine Vorstellung der B/B Snare ergänzend platzieren? Ich favorisiere in den letzten Monaten sowieso das 13" Maß (läßt auch den Beinen etwas mehr Platz bei Double-Pedal), insbesondere die inzwischen ausverkaufte "Thomann-Mapex".
Nun zur Bass: tja, wie soll ich sagen. Sie klingt gut, toll und schön. Aber ich habe offengestanden Zweifel ob sie auch nur ein Quentchen besser klingt als die überragende Starclassic Performer Birke Bass. Um ganz ehrlich zu sein: ich habe sogar gewisse Zweifel ob die alte Performer Bass nicht mehr tiefrequente!!! Power hatte. Mein Eindruck ist es. Da ich aber an der alten Performer in der Schlußphase das Resofell entfernt hatte und eine klangverbessernde Hardware installiert hatte (geht mir dem neuen Performer nicht mehr, da kein Mittelbohrloch mehr existiert) ist der Vergleich womöglich auch nicht ganz fair.
Nun zur Kritik: leider weisen beide Bassdrum-Spannreifen Kratzer auf der Innenseite (auch dort wurden Bubinga Schichten aufgebracht) auf. Am einen Spannreifen sind sie eher oberflächlich (ähnlich als habe mal jemand eine Fußmaschine ohne Schoner ´dranmontiert).
Beim Spannreifen auf Resofell Seite sind die Kratzer aber so tief!!! das es faktisch RISSE in der äußeren Bubinga Lage sind. Das darf bei 1895.- nicht passieren. Da könnte ich ausflippen! Inakzeptabel! Da bringt es mir auch nichts, dass an jeder Trommel der Name des Mitarbeiters der die Verantwortung für die Fertigung und/oder Endkontrolle meines Sets trägt an einem Stück Karton, welches an jeder Trommel hing, aufgedruckt ist. Der Händler hat mir versichert, dass mein Set nagelneu ist (auch mein Eindruck). Nun muß geklärt werden wie schnell Ersatz organisiert werden kann. Tama hat nämlich sonst optisch in Sachen Lackierung bei den Bassdrum Spannreifen nichts anbrennen lassen. Beide Spannreifen haben unterschiedliche Lackierungen um dem Farbverlauf der Bassdrum zu entsprechen. Sehr edel... prinzipiell.
Nochmal zu den Rissen: Die Verarbeitung der Bubinga Lagen ist bei den Spannreifen prinzipiell gut. Dort wo die Lage diagonal zusammengführt wird, ist nichts zu spüren. Nur eine kleine Linie zu sehen. Eigentlich klasse gemacht... der Rißverlauf ist an ganz anderer! Stelle und wirkt fast so, als sei eine Bubinga Lage "aufgequollen". Das wäre natürlich fatal... aber ich bein KEIN Holzexperte in Sachen Afrika-Hölzer. Ich kann nur hoffen, dass dies kein Bubinga Charakteristikum ist...
Fazit:
+ rattenscharfe Lackierung
+ ebensolche Gratung (hahaha)
+ fantastische high-class! Tomsounds
+ gute Bassdrum - ich befürchte aber "minimal schwächer als die beste Bass der Erde"... die alte Birken-Performer 22 x 18
+ tolle und für Kenner spürbar verbesserte Hardware (sehr gute Tomaufhängung und Tomhalter)
- sehr hoher Preis... im Vergleich zu den Shellsets der Birke-Versionen, die mit etwas Suche immer wieder bei vielen Händlern deutlich günstiger zu finden waren. Die jetzigen 1895.- Euro sind trotz intensivster! Suche deutschlandweit preisstabil! (aus juristischen Gründen darf ich keine Absprache unterstellen - würde das sowieso nie tun).
- Beschädigung am Spannreifen, Bubinga Lage hat Risse!!!
am anderen Reifen deutliche Kratzer! Darüber bin ich sehr enttäuscht und hoffe nun, dass der renommierte Händler und/oder der dt. Tama-Vertrieb mir zur Seite steht.
Tips für die Unentschlossenen, die jetzt noch die Stirn runzeln:
Ein tolles, beeindruckend gut klingendes Set! Aber Drummer, die auf das Geld achten, weil sie sie im Gegensatz zu mir vielleicht auch ab und zu in Urlaub fahren wollen oder Girls mit Gourment-Restaurant-Besuchen verwöhnen wollen (und nicht alles in Drummaterial investieren), können unbeschwert: 700- 800 Euro für guterhaltene gebrauchte Performer Birke Sets ausgeben... das waren nämlich schon Sets die klanglich High-End-Qualität hatten (so ehrlich muß man sein). Für weitere 200 - 300 Euro kann man auch noch eine fantastische Snare auf dem Gebrauchtmarkt finden. Selbst nach deren Erwerb wäre man immer noch fette 900 - 1000.- Euro unter dem aktuellen B/B-Preis. Also noch ordentlich Spielraum für Urlaub(e) oder zum Ausgehen... aber wer will schon ausgehen? 
Ich persönlich würde mir das B/B aber jederzeit! wieder kaufen. Intakte, der Preisklasse entsprechende Bassdrumspannreifen vorausgesetzt!
