Zitat
Ich hab momentan sehr viel Zeit meine ganze Musiksammlung mal wieder durchzuhören. Dabei fällt mir eines immer wieder auf: Irgendwie scheint die Aufnahmequalität bei professionellen Studioaufnahmen immer mehr abzunehmen. Das muss jetzt nicht immer im negativen Sinne gemeint sein (vieleicht ist "abnehmen" auch nicht ganz das richtige Wort dafür), aber eine definitive Veränderung zu weniger "cleanen" Aufnahmen stelle ich auf jeden Fall durchgängig fest.
Das ist ja mal ein interessantes Statement.
In Bezug auf Deine Hörbeispiele kann ich nix sagen, da ich sie nur teilweise und ausschnitthaft kenne.
Fakt ist aber, das tatsächlich je nach Band (oder Bandphase) und Produzent sowie Engineer-Auswahl auch immer mal wieder "Schritte zurück" erfolgen. Wenn man es so nennen will.
Andere nennen es erdiger, echter, rauher... authentischer ?
Gerade bei manchen Brit(pop)bands fällt mir auf das in den letzten Jahren viele Produktionen deutlich weniger geschliffen und poliert klingen.
Bei den gut auf dem Markt platzierten Bands (in Sachen Absatzzahlen) denke ich, sofern eine Veränderung in Richtung rauherer Sound bemerkbar ist, ist eine bewußte Entscheidung.
Es gibt aber auch andere Bands (teilweise ehemals nicht gerade absatzschwache)... deren Blütezeit marktwirtschaflich betrachtet um ist. Und da kann man dann manchmal! schon dem Sound den gegenwärtigen Produktionsetat zuordnen. Beispiele möchte ich nicht nennen... denn Schadenfreude ist da fehl am Platz. Vielen Bands des Rockgenres geht es tendenziell nicht gut.
Mir fällt dann immer als erstes auf, dass die Kompression völlig falsch eingestellt ist. Das die Aufnahme total "eben" klingt ohne, wirkliches Leben - oder was noch schlimmer ist, manche Instrumente "kommen und gehen". Als würden sie zunächst in einer Nebelbank stehen und schemenhaft erkennbar sein, dann steht prlötzlich bei irgendeinem Akkord eine Gitarrenwand vor einem, die fast erdrückt (manchmal auch den Sänger in diesem Moment aus dem Mix drängt) und 2-3 Sekunden später verschwindet die Gitarrenwand wieder in der Nebelbank. Da zerspringt mir das Herz, da spätestens letzteres jedem Musiker beim finalen Check auffallen muß und solche Artefakte Musik ein Stück weit zerstören. Wenn sie das so trotzdem veröffentlichen kann das unter anderem Bedeuten "mehr Geld für ein sachgerechtes Nachbessern" war nicht da... es gibt sicher noch andere Erklärungsmuster...
Rauher und erdiger muß aber nicht immer kleiner Produktionsetat bedeuten. Siehe oben... manchmal eine bewußte Entscheidung.
Und was nicht vergessen werden darf: in einigen Fällen sind auch die "geleckten", auf trigger oder Sample-Editerung basierenden,
"Millisekunden-akribisch-spurbereinigten-Produktionen", die zunächst professionell erscheinen (wollen), in Fakt recht billig am PC zusammengeschustert. Aber auch hier ist das oft KEIN böser Wille der Band an sich, sondern Sachzwang aufgrund knapper Etats. In Einzelfällen sind auch "Bereicherungsgelüste" potentieller Bandleader denkbar... die am Drummer oder anderen echten Instrumentalisten als erstes sparen... zumindest kenne ich da viele konkrete Beispiele.