Anthrax
Alles Roger, verstehe... ich wollte nur sichergehen.
Pinstripe
Zitat
was ist nun das besondere an Acryl-Sets? Nur die Optik und/oder das sie nass werden dürfen
?
Sag doch mal bitte...
Das ist irre schwer zu beantworten... und schon garnicht knapp. Das liegt daran, dass es so viele Acryl-Sets gab... mit allen möglichen Kesselspezifikationen.
Zunächst vielleicht ein sehr persönlicher Hinweis. In den ganz frühen achtzigern liess ich bei Röhm Acryl-Drums bauen. Kesselpreis 5- 10 DM. Das glaubt mir heute keiner mehr... ist aber ohnehin nicht von Belang. Es war so, auch etwas begünstigt durch gewisse Kontakte.
Initialzündung war folgender Umstand: ich war von einem jahrelang gespielten Drumset bei (m)einem Drumlehrer (ein Sonor in "Rauchglas-Acryl"-Optik) total begeistert. Er hatte 24", 13", 14" sowie 16" und 18". Das Teil klang super und überhaupt nicht kalt und steril, wie damals viele "Fachblätter" Acryl-Drums als pauschal-Vorurteil unterstellten.
Als ich meine Kessel fertigen liess machte ich aber mehrere konzeptionelle Fehler an denen ich heute noch knabbere 
Der erste war, dass ich mit 19 oder 20 Jahren von Kesselgratungen keine Ahnung hatte. Also entschieden "wir" uns für eine gerundete. Das Fell hatte folglich viel zu viel Auflage am Kessel. Der Kessel war zwar wirklich schön unterdimensioniert (schwimmende Fellauflage war mir damals bekannt... eben da sie mein allererstes Luxor-Drumkit noch nicht hatte und ich leidvoll wußte wie übel es ist, wenn man ein Fell mit Gewalt auf den Kessel pressen muß) aber die Gratung!!! Was bei manchen Tomkesseln aus Holz Sinn machen kann (nämlich nicht per se Spitz zu graten) um einen etwas bassigeren Ton zu erzielen war bei meinen Acryl-Kesseln fatal, da sie auch eine sehr dicken "Durchmesser" bzw. eine immense Wanddicke hatten. Dazu hatte man mir aus Angst vor Rissen geraten. Ich weiß nicht mehr wie viel aber möglicherweiser 8 mm + X. Die Folge war die Concert-Toms und Octobans die ich bauen liess klangen sehr perkussiv, kühl und tot. Also das was die Gazetten damals auch mehrfach schrieben.
Hinzu kam, das meine Kessel alle nach einigen Monaten Haarrisse bekamen.
Was noch wichtig ist: schon damals about 1984/85 waren nahtlose Acrylkessel bei den wenigen Acryl-Herstellern der chemischen Industrie-Standard. Auch meine waren nahtlos gezogen. Das ist schon lange nix besonderes mehr... ich weiß natürlich dass es bis heute Drumfirmen gibt, die noch "verklebte" verbauen... aber nochmals damals konnte man schon Hersteller finden.
Das einzige Problem waren Bassdrums. 20" oder gar 22" waren unmöglich nahtlos herzustellen. Meines Wissens 22" bis heute. Dies ist auch der ganz profane Grund, weshalb sie offensichtlich bis heute keiner bzw. kaum einer anbietet, respektive anbieten kann.
Anyway... meine Bauten waren unbefriedigend... nahtlose Kessel mit Haarrissen und kühlem Sound... viel zu hoher Wandstärke die in Zusammenhang mit unzureichender Gratung jegliches resonieren killten. Außerdem hatte ich aus Kostengründen nur Concerttoms gebaut. Hatte also resonantere Sounds von vorneherein stark eingeschränkt. Ich liess die Sache auf sich beruhen... hatte aber über Jahre immer wieder Kontakt zu Personen, die selbst ähnliches in Deutschland gemacht hatten, denn die tolle Optik von Acryldrums und das kuriose, fast gänzliche Verschwinden auf dem Mainstream-Markt beschäftigte mich unaufhörlich. Interessanterweiser hatten alle die selbst wie ich auf die Idee der eigenen Fertigung kamen mit dem Haarriss-Problem zu kämpfen- welches Wahan ja mit seiner Idee des temperieren bzw. "speziellen" Granulats (hust...) ausgeschaltet zu haben scheint/glaubt. Hoffentlich.
Wenn man die neueren Ansätze von Wahan und auch Sonor und anderen betrachtet sind aber mindestens 2 tolle Ideen verwirklicht... die man nicht hoch genug einschätzen kann.
1.) sie setzen auf sehr dünne Kessel!
2.) recht spitze Gratung.
So war ich insbesondere vom 10" und 12" Tomsound der Wahan Drums vor 2 Jahren auf der Messe wirklich begeistert! Toller, resonanter Sound, fantastische akustische Interaktion zwischen Schlag und Resofell, die über den alten Drummerspruch "eben gut gestimmt" weit! hinausgingen. Die Toms die ich vor 2 Jahren hörte, hätten in Sachen Sound auch mit recht hochklassigen Wooddrums mithalten können. Natürlich, sie klangen anders (dazu unten mehr) aber KEINESFALLS SCHLECHTER.
Lange Rede kurzer Sinn. Man findet Acryl-Drums die hart, perkussiv und kalt klingen. Man findet aber eben auch Acryl-Drums die perkussiv, druckvoll und fast schon "fett" klingen können. Dies liegt insbesondere in den Kesseleigenschaften und/oder Herstellungsverfahren begründet.
Bei allen Acryl-Drums die ich persönlich bislang hörte, konnte ich aber keinen offensichtlichen Lautstärke-Gewinn feststellen. Perkussiver bedeutet ja nicht per se lauter. Und Lautheit ist ohnhin kein Klangqualitäts-Attribut... Firmen die verstärkt die "Lautheit herausstellen" sind für mich ohnehin eher ein Fall für den lokalen Schützenverein oder assoziierte Stammtische :D.
Gemeinsam ist allen (den genialen wie den miesen, kalten) Acrylsets bei sehr pedantischem, analytischen, überkritischem Hinhören ein gewisser stärkerer synthetik-Soundanteil. Dies bitte nicht abwertend verstehen. Das 11. Gebot sagt ja nicht das Holz oder "natürlich" besser klingen muß. Es wirkt ein klein wenig, als würde der Fellanteil mehr den Sound prägen als bei einem wertigen Holzkessel. Wiederum - das muß kein Nachteil sein - nur erwähnen muß man es der Ehrlichkeit halber.
edits... hoffentlich etwas logischer strukturiert ???